Forschung zum Altern Lässt sich das Altwerden aufhalten?

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Die meisten Menschen wünschen sich ein langes Leben. Doch was genau passiert eigentlich im Körper, wenn wir älter werden – und lässt sich der Prozess vielleicht bremsen oder gar umkehren?

Was passiert im Körper, wenn wir älter werden? Damit befasst sich die Alternsforschung. Foto: imago stock&people
Was passiert im Körper, wenn wir älter werden? Damit befasst sich die Alternsforschung. Foto: imago stock&people

Stuttgart - Ein langes und gesundes Leben wünschen sich viele. Und tatsächlich steigt die Lebenserwartung der Menschen in vielen Ländern weiter. Wir beantworten die wichtigsten Fragen dazu. Wie alt können Menschen werden? Der Jenaer Alternsforscher Christoph Englert sieht bei rund 120 Jahren eine natürliche Grenze, die sich trotz weiterer Fortschritte in Wissenschaft und Medizin kaum überschreiten lassen wird. Sebastian Grönke vom Max-Planck-Institut für die Biologie des Alterns in Köln kann sich dagegen vorstellen, dass es bei der maximalen Lebensspanne noch etwas Spielraum nach oben gibt. Warum altern wir, und welche Veränderungen laufen dabei im Körper ab? „Das Altern beginnt mit dem Verschmelzen von Ei- und Samenzelle – und es ist eines der am wenigsten verstandenen Phänomene unserer Zeit“, sagte Englert im Januar bei einem Vortrag im Stuttgarter Naturkundemuseum. Tatsächlich gibt es viele Theorien über die Ursachen des Alterns. Sogenannte Schadenstheorien führen das Altern auf Schäden an Erbgut, Zellen und Organen zurück, die mit den Jahren zunehmen und vom Körper nicht mehr repariert werden können. Ein Beispiel dafür ist die Verkürzung der Chromosomenenden (Telomere) bei jeder Zellteilung. Auch die sogenannten freien Radikale – besonders reaktionsfreudige Stoffwechselprodukte, die den Zellen schaden können – spielen wohl eine Rolle. Zudem schwindet die Teilungsfreude der Stammzellen, die für die Reparatur von Organen gebraucht werden. Neben den Schadenstheorien gibt es Evolutionstheorien, die den biologischen Nutzen des Alterns in den Vordergrund stellen: Wenn die ältere Generation Platz für die jüngere macht, bringt das Vorteile für den Erhalt der Art, weil junge Individuen sich besser anpassen können.

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Welche Rolle spielen die Gene? Klar ist, dass die genetische Veranlagung einen erheblichen Einfluss auf Alterungsprozesse und damit die individuelle Lebenserwartung hat. Der genaue Anteil sei aber schwer zu quantifizieren, so Englert. Es gibt Studien,die den Beitrag der Gene auf rund 30 Prozent beziffern. Manche Forscher schätzen ihn aber auch höher ein. Lässt sich die Alterung bremsen? Tony Wyss-Coray von der Harvard University hat herausgefunden, dass die Übertragung von Blut jüngerer Mäuse auf ältere, gebrechliche Tiere wie ein Jungbrunnen wirkte. Auch ihre Gehirne waren wieder so leistungsfähig wie bei viel jüngeren Tieren. In weiteren Versuchen stellte sich heraus, dass sich der gleiche Effekt erreichen lässt, wenn man den Mäusegreisen Blutplasma junger Menschen injiziert. Wyss-Coray führt den Effekt auf bestimmte Eiweiße zurück. Vor der praktischen Anwendung in der Humanmedizin seien allerdings noch umfassendere Studien erforderlich. Was kann man selber tun, um gesund alt zu werden? Wer sich gesund ernährt, körperlich fit hält und Alkohol oder Zigaretten meidet, lebt – im Rahmen der genetisch vorgegebenen Möglichkeiten – länger und gesünder. Wichtig sind aber auch weiche Faktoren wie die Wohnsituation, Bildung und das soziale und familiäre Umfeld.