Forschungsinstitut zum Nichtstun stellt sich vor Projektraum wird zum Labor für eine Welt ohne Arbeit

Von red 

Wie sieht eine Welt ohne Arbeit aus? Im August haben sich russische Künstler als Gäste im Projektraum der freien Szene in der Willy-Brandt-Straße Gedanken zum Thema Nichtstun gemacht.

Das russische Künstlerkollektiv Niichegodelata bespielt am 24. August, 18 Uhr, den Projektraum der freien Szene in der Willy-Brandt-Straße – es geht um die Utopie einer Welt ohne Arbeit. Foto: Freie Tanz- und Theaterszene
Das russische Künstlerkollektiv Niichegodelata bespielt am 24. August, 18 Uhr, den Projektraum der freien Szene in der Willy-Brandt-Straße – es geht um die Utopie einer Welt ohne Arbeit. Foto: Freie Tanz- und Theaterszene

Stuttgart - Die Freie Tanz- und Theaterszene Stuttgart hat in Kooperation mit der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst zehn Residenzen zum Thema Arbeitsbedingungen in den freien darstellenden Künsten an verschiedene Künstler und Künstlerinnen vergeben. „Conditions of work“ heißt das Projekt, das monatsweise neue Gäste in den Projektraum in der Willy-Brandt-Straße bringt. Im August war das Kollektiv Niichegodelat aus St. Petersburg zu Gast. An diesem Samstag, 24. August, um 18 Uhr präsentieren die russischen Künstler die Ergebnisse ihrer Stuttgarter Recherche.

Der Name des russischen Kollektivs ist eine Abkürzung und lässt sich als „Forschungsinstitut des Nichtstuns“ übersetzen. In Zeiten, in denen in Deutschland über das bedingungslose Grundeinkommen und die Folgen zunehmender Automatisierung diskutiert werden, sind die Ideen von Niichegodelat sehr aktuell. Das Forschungsinstitut, das Künstler, Philosophen, Kunsthistoriker und Performer umfasst, ist ein Netzwerk von verschiedenen Laboren, die nach Möglichkeiten suchen, die gegenwärtigen Standards des Arbeitsverhaltens zu überwinden. Sie alle verbindet das Verlangen, nichts zu tun und in einer Welt leben zu können, in der es nicht nötig ist zu arbeiten.

Wer sich verweigert, ist raus

In diesem Sinne wirft das Kollektiv Fragen zur Emanzipation von Arbeitnehmern und sozialer Stigmatisierung auf und lässt die utopische Tradition des Strebens nach der zukünftigen Welt ohne Arbeit wieder auferstehen. Die aktuelle kapitalistische Ordnung unserer Gesellschaft verlangt es, mehr zu arbeiten, mehr zu kaufen, energischer, kommunikativer, kreativer, außergewöhnlicher und teurer zu werden, um erfolgreich zu sein. Wer sich diesem System verweigert, gehört schnell zu den Verlierern, die nicht in der Lage sind, die bestehende Ordnung zu ändern. Der Wunsch „nichts zu tun“, den das Kollektiv zum Programm erhoben hat, darf also durchaus auch als gesellschaftliches Statement verstanden werden.

Zum Abschluss ihres Aufenthalts in Stuttgart informieren die Künstler von Niichegodelat über ihre Arbeit; auf dem Programm an diesem Samstag stehen von 18 Uhr an ein schlafendes Künstlergespräch, eine Reise durch das Land der Verzögerung und Beschleunigung, Special Guests aus St. Petersburg sowie ein Zeitlupenschaufenster.