Forschungsprojekt von Böblinger Schülern Zwei Schüler, ein Hund und ein Vaterschaftstest

Junge Forscher: Johannes Beck und Melina Kostidis im Labor ihrer Schule. Foto: Stefanie Schlecht

Melina Kostidis und Johannes Beck von der Böblinger Mildred-Scheel-Schule arbeiten an einem Vaterschaftstest für Hunde. Noch ist ihre Idee nicht marktreif, den Regionalwettbewerb von „Jugend forscht“ haben die beiden 18-Jährigen aber schon gewonnen.

Böblingen: Martin Dudenhöffer (dud)

Alle großen Forscher haben mal klein angefangen. Auch jene, die mit ihrer Idee auf dem Markt großen Erfolg gefeiert oder als Wissenschaftler sogar mit einem Nobelpreis gewürdigt wurde. So weit ist es bei Melina Kostidis und Johannes Beck noch nicht. Doch ihr Forschungsprojekt zu einem neuen Verfahren von Vaterschaftstests für Hunde hat immerhin den Regionalwettbewerb Mittlerer Neckar im Fach Biologie von „Jugend forscht“ gewonnen. Zum Landessieg hat es für die beiden Zwölftklässler der Böblinger Mildred-Scheel-Schule nicht gereicht – doch wer weiß: Ihr Projekt auf jeden Fall ist noch lange nicht beendet. Zu weit ist die Idee der beiden 18-Jährigen bereits gediehen.

 

Es geht auch ums Geld

Begonnen hat alles vor rund einem Jahr, als sich Melina Kostidis die Frage stellte, wer eigentlich der Vater ihres Mischlingshundes Bobi ist. Auch für ihren Schulkameraden und Projektpartner Johannes Beck war diese Frage keine, die ihm abwegig vorkam. Im Gegenteil. Sein Onkel hatte sich schon öfter darüber gewundert, dass sein Golden Retriever-Rüde trotz einiger Versuche noch keine Welpen gezeugt hat. Zumindest keine, von denen er weiß. Vielleicht, so die Vermutung, habe es durchaus funktioniert, er als Hundebesitzer sei finanziell aber leer ausgegangen, weil der Nachwuchs womöglich einem anderen Deckrüden zugeschrieben wurde.

Die beiden Schüler nahmen das praktische – und geldtechnisch überaus relevante – Problem auf und brachten die Idee im Fach NExt ein, was für Naturwissenschaftliches Experimentieren steht. Darin geht es um wissenschaftliches Arbeiten, Versuchsaufbauten und Analysen – die perfekte Plattform also, um ein eigenes Wissenschaftsprojekt von einer Lehrkraft begleitet auf den Weg zu bringen. Ihr Lehrer Klaus Steiner jedenfalls freut sich über den Wissenschaftsgeist seiner Schützlinge: „Ich war überzeugt davon, dass das Jugend-forscht-Projekt Potenzial hat.“ Ob an Nachmittagen nach dem regulären Unterricht oder an freien Tagen – Kostidis und Beck haben viele Stunden in ihr Wissenschaftsprojekt gesteckt. Klaus Steiner unterstützte die beiden mit seiner biotechnologischen und bioinformatischen Expertise.

Alternativverfahren zu gängigen Tests

Aber warum arbeiten zwei Schüler an der Weiterentwicklung eines wissenschaftlich anspruchsvollen Verfahrens, das es grundsätzlich schon gibt? „Wir wollten eine einfachere Alternative zu den herkömmlichen Testverfahren entwickeln“, sagt Melina Kostidis, die in Stuttgart wohnt. Die Vaterschaftstests, die schon länger auf dem Markt sind, erklärt sie, funktionieren mit Blut und Speichel. Den Schülern jedoch schwebt ein Verfahren vor, bei dem man die DNA der Tiere über Haare ermittelt. Der große Vorteil dabei: Es ist unkompliziert, an die benötigten Hundehaare zu kommen.

Genau das hat Melina Kostidis dann bei ihrem Mischling Bobi gemacht. Im Gegensatz zu eigens gezüchteten, reinrassigen Hunden wie Golden Retrievern ist die Ahnenreihe von Mischlingshunden nicht so streng dokumentiert. Mit Melinas Hund war der erste Testhund also bereits gefunden. „Ich habe ihm Haare aus dem Fell gekämmt und in die Schule mitgebracht. Dann haben wir getestet.“

Wer ist Bobis Vater?

So wurde und wird in weißem Schutzkittel, mit Reagenzgläsern, Mikroskop, Pipetten und allerhand weiterem wissenschaftlichem Gerät, in der Schule getüftelt. Forscherkollege Johannes erklärt die Vorgehensweise: „Im Prinzip funktioniert der Test genauso wie die beim bekannten Vaterschaftstest für Menschen.“ Bedeutet also: Man vergleicht die DNA-Abschnitte, die in Speichel, Blut, oder eben Hundehaar enthalten sind in einem speziellen Gerät miteinander. Sind die DNA-Abschnitte gleich lang, können die Tiere genetisch verwandt sein. Es könnte sich also um Vater und Nachkomme handeln. Sind die Stränge nicht gleich lang, liegt keine Vaterschaft vor.

Im Falle von Bobi konnten die beiden Nachwuchswissenschaftler bislang noch nicht herausfinden, wer sein Vater ist. Der Test ist noch nicht genau genug.

Kein Forschungserfolg ohne Hürden

Da das Vorhaben, Vaterschaftstests bei Hunden per Haaranalyse durchzuführen, keineswegs trivial ist, warten auf Johannes Beck, Melina Kostidis und ihren Lehrer Klaus Steiner immer wieder Herausforderungen. Schließlich ist der Test noch nicht ausentwickelt, geschweige denn marktreif. „Wir sind im Moment an einen schwierigen Punkt angelangt“, sagt Johannes Beck. Nötig sei ein anderes Gel, das die DNA-Analyse erleichtert. Eines, das angesichts der elektrisch geladenen DNA präzisere Ergebnisse ermöglicht. „Damit würden wir schneller ans Ziel kommen.“ So, wie die DNA-Abschnitte aktuell angezeigt würden, bleibe noch zu viel Interpretationsspielraum. „Das ist derzeit unser Hauptproblem. Wir glauben aber, dass sich diese Hürde aus dem Weg räumen lässt mit der richtigen Technik und etwas mehr Zeit“, ist Melina Kostidis überzeugt.

Inwieweit die beiden Oberstufenschüler die gewünschte Zeit für ihr Wissenschaftsprojekt aufbringen können, müssen die kommenden knapp zwölf Monate zeigen. Mit dem Abitur in einem Jahr steht für die beiden Böblinger Schüler zunächst einmal die größte Herausforderung im schulischen Leben bevor. „Wir hoffen, wir können trotz des großen Lernumfangs für das Abi noch etwas Zeit in unser Projekt stecken. Das muss das neue Schuljahr dann aber erst zeigen“, erklärt der 18-Jährige aus Aidlingen.

Der Traum vom Start-up

Klar ist für die beiden Böblinger Tüftler allerdings, dass sie ihren Vaterschaftstest für Hunde – wenn möglich – in Richtung Marktreife weiterentwickeln möchten. „Wir wollen in jedem Fall weiter daran arbeiten. Vielleicht ergibt sich künftig die Chance, ein Start-up zu gründen, wenn der Test wissenschaftlich so ausgestaltet ist, dass er zuverlässige Ergebnisse produziert“, formuliert Johannes Beck.

Sollte es aber nicht klappen mit der Wissenschaftsidee, hätten Johannes Beck mit Forstwissenschaft und Melina Kostidis mit Medizin schon berufliche Alternativen, mit denen sie sich genauso wenig verstecken müssten wie mit ihrem Vaterschaftstest für Hunde.

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