Trockener Sommer „2018 steckt der Wald nicht einfach weg“

Von Florian Mader 

Es war der wärmste Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Welche Schäden hat das im Forst hinterlassen? Inge Hormel vom Böblinger Forstamt zieht Bilanz.

Den Norden des Kreises hat es besonders getroffen, sagt Inge Hormel. Foto: factum/Granville
Den Norden des Kreises hat es besonders getroffen, sagt Inge Hormel. Foto: factum/Granville

Kreis Böblingen - Gefühlt weniger Regen als in Südspanien und mehr Sonne als auf Mallorca – auch im Kreis Böblingen hat der Sommer 2018 Rekorde gebrochen. Es war der wärmste Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, dazu das zweite zu trockene Jahr nacheinander. Inge Hormel ist beim Forstamt in Böblingen verantwortlich für den Wald im Norden des Landkreises, also für Leonberg, Sindelfingen, Weil der Stadt, Renningen, Rutesheim, Weissach, Magstadt und Aidlingen. Die Expertin erklärt, warum es den Norden besonders getroffen hat, und warum ihr der Borkenkäfer Bauchschmerzen bereitet.

Frau Hormel, welche Schäden hat dieser Rekord-Sommer im Wald hinterlassen?

Die Schäden sind noch nicht ganz absehbar. Nicht nur bei uns im Kreis, sondern landes- und europaweit gab es massive Schäden durch den Borkenkäfer. Wir haben im letzten Jahr alle Spielarten der Klimaerwärmung erlebt: erst verschiedene Stürme und anschließend die extreme Trockenheit und Hitze. Das waren dann ideale Bedingungen für Schädlinge wie den Borkenkäfer.

Haben Sie schon Zahlen vorliegen?

Begonnen hat das Jahr 2018 mit dem Sturm Burglind am 3. Januar. Im Landkreis Böblingen sind dabei Schäden von etwa 13 000 Festmeter Holz entstanden. Durch die Hitze und Trockenheit sind in der Folge im Landkreis – Stand jetzt – nochmals etwa 12 000 Festmeter Schadholz angefallen. Das sind insgesamt 25 000 Festmeter, vor allem Nadelholz.

Was bedeutet dies im Vergleich zu einem normalen Jahr?

Im Landkreis Böblingen werden in einem normalen Jahr zwischen 30 000 und 35 000 Festmeter Nadelholz gefällt. Beim Schadholzanfall lagen wir in der Summe also unter dem, was normalerweise eingeschlagen wird. Der Landkreis ist im Vergleich zu anderen Gegenden in Baden-Württemberg und Deutschland mit einem blauen Auge davon gekommen – sowohl, was Schäden durch den Sturm, als auch durch den Borkenkäfer betrifft.

Fielen die Schäden im Landkreis überall gleich an?

Der nördliche Teil – grob gesagt der ehemalige Kreis Leonberg – ist etwas mehr betroffen. Das liegt daran, dass die Waldbestände dort nadelholzreicher sind, und die Schädlinge wie Buchdrucker und Kupferstecher, infolge des Trockensommers bevorzugt Nadelholz befallen, vor allem die Fichte.

Wie genau hängen Hitze und Trockenheit mit Schädlingen zusammen?

Auch in normalen Jahren sind Borkenkäfer immer latent im Wald vorhanden. Er befällt aber vor allem geschwächte oder umgefallene Bäume. Gesunde Bäume trotzen dem Käfer, indem sie ihn im Harz ertränken. Wenn die Bäume aber, so wie 2018, nicht genügend Wasser haben, können sie ihn nicht ertränken. Und wenn dann noch viel Brutmaterial im Wald liegt und hohe Temperaturen herrschen, findet der Borkenkäfer optimale Lebensbedingungen zur Massenvermehrung.

Das heißt, die Bäume sind nicht vertrocknet, sondern das Problem war der Borkenkäfer?

Richtig. 2018 war es schon seit April richtig warm. Und je wärmer es ist, desto schneller entwickelt sich die Larve zum Käfer. In normalen Jahren entwickelt der Borkenkäfer pro Saison eine, maximal zwei Generationen. 2018 aber wurden drei Generationen ausgebildet – und die Käfer vermehren sich explosionsartig mit jeder Generation.

Wie gehen Sie dagegen vor?

Es gibt bestimmte Merkmale, an denen man erkennt, dass ein Baum vom Borkenkäfer befallen ist. Wir versuchen, dieses Holz zügig aufzuarbeiten und aus dem Wald zu bringen, denn dann ist der Käfer noch nicht so weit entwickelt, dass er den nächsten Baum befällt.

Kann man dieses befallene Holz trotzdem verwenden?

Ja, das vom Käfer befallene Holz ist zunächst normal verwendbar. Allerdings bildet sich als Folge des Käferbefalls oft ein Pilz, der das Holz bläulich verfärbt. Das führt dann zu einer Preisminderung.

Welche Bauchschmerzen hat Ihnen das als Förster bereitet? Sie fällen ja ohnehin regelmäßig Bäume.

Wir bewirtschaften den Wald ja nach festgelegten Plänen, in denen steht, wie und wohin wir die Wälder entwickeln wollen. Wenn Bäume zum Beispiel wegen Sturm oder Schädlingsbefall gefällt werden müssen, dann bezeichnen wir dies als „zufällige Nutzung“. Und zufällige Nutzungen kann man in der Waldbewirtschaftung quasi als Störung sehen. Je mehr zufällige Nutzungen anfallen, desto größer sind natürlich die Auswirkungen. Deshalb stecken wir das Jahr 2018 nicht einfach weg. Dazu kommt, dass zum Beispiel die Sturmwürfe infolge von Burglind sehr aufwendig aufzuarbeiten waren. Die Bäume lagen quer durch den Wald verteilt, meist nur einzeln oder in kleinen Nestern. Und zusätzlich musste zügig aufgearbeitet werden, weil die umgefallenen Bäume optimale Lebensbedingungen für den Borkenkäfer bieten.