Forstreform Warum sich Wald heute weniger lohnt

Von Thomas Krämer 

Früher war ein Forstbesitz so etwas wie ein Sparbuch. Das hat sich über die Jahre geändert. Ein privater Waldbesitzer aus Leinfelden-Echterdingen erzählt.

Walter Vohl gehört noch zu den größeren Waldbesitzern. Foto: Thomas Krämer
Walter Vohl gehört noch zu den größeren Waldbesitzern. Foto: Thomas Krämer

Leinfelden-Echterdingen - Früher hat man das Kleinholz im Kamin oder im Ofen verbrannt“, sagt Walter Vohl. Und in schlechten Jahren, so der Stettener Landwirt und Waldbesitzer, wurde das Laub der Bäume im Wald zusammengerecht und als Einstreu verwendet. Es ersetzte das Stroh, das verfüttert wurde, wenn das Heu für das Vieh ausging. Der Wald hatte Wert, auch einen wirtschaftlichen, er war das Sparbuch der Menschen.

Viel machen muss man als Waldbesitzer nicht

Das hat sich geändert. Mehrere Hundert Waldbesitzer gebe es in der Kommune, sagt Dieter Lang, der scheidende Revierförster von Leinfelden-Echterdingen. Vohl ist einer von ihnen, gehört mit seinen 1,5 Hektar an verschiedenen Stellen am Nordrand des Schönbuchs sogar zu den größeren Waldbesitzern. Viele haben gerade einmal ein paar Ar und werden sich ihres Besitzes vor allem dann bewusst, wenn sie die Beiträge für die Berufsgenossenschaft bezahlen müssen. Viel machen muss man ansonsten nicht, die Bäume wachsen ja von alleine.

Einige hiebreife, 150 Jahre alte Eichen recken auf der zum Aichtal abfallenden Fläche ihre Kronen in den Himmel. „Mein Vater hat ein paar dieser Bäume geschlagen und als Bauholz genutzt“, erinnert sich Vohl. Er selbst will das Gehölz erst einmal stehen lassen, obwohl man die Bäume für rund 1500 Euro das Stück verkaufen könnte – abzüglich der Kosten fürs Fällen. „Ich wüsste im Moment nicht, welche Baumarten ich pflanzen sollte“, sagt er und hat damit das gleiche Problem wie die Förster im Land, die sich wegen der Klimaerwärmung Hilfe von der Wissenschaft erhoffen. Gegenüber der Eichen stehen ein paar Fichten, die auf den damaligen Rat des Försters anstelle der Eichen gepflanzt worden waren. Knapp 60 Jahre sind sie alt und damit eigentlich noch nicht hiebreif. Sie bräuchten noch 20 bis 40 Jahre „Die Frage ist, wer schneller sein wird: der Borkenkäfer oder die Fichte“, sagt Vohl und weist auf einige kahle Stämme hin, die gerade einmal rund 100 Meter entfernt stehen und gefällt werden müssen. Auf Kosten des Besitzers und mit wenig Gegenwert.

Wald ist heute ein Nullsummenspiel – wenn man Glück hat. Die Kommune wäre sicherlich froh, wenn sie mit ihrem Wald eine schwarze Null einfahren könnte. Meist ist es ein mittlerer fünfstelliger Betrag, der von der Stadtkasse in den Wald fließt. Und diese Summe steigt nun. Denn während die Neuorganisation der Forstverwaltung auf die Privatwaldbesitzer nach Worten Vohls kaum Einfluss hat, darf die Kommune für die Betreuung ihrer 614 Hektar Waldfläche von Januar an tiefer in die Tasche greifen. „Künftig muss Leinfelden-Echterdingen für den Forstdienst statt knapp 22 000 Euro gut 33 000 Euro bezahlen“, sagte kürzlich Anton Watzek, der Forstamtsleiter beim Landkreis. Eine Steigerung um die Hälfte. Bisher hatte sein Amt außerdem nicht nur den Stadtwald betreut, sondern für die Kommunen auch den Verkauf des Holzes übernommen, was nach dem Einspruch der Kartellbehörden aufgegeben wurde.

Die Kommunen müssen jetzt mehr bezahlen

Verändert wurde durch die Reform auch der Zuschnitt der Reviere. Dieter Langs Nachfolger als Förster, Martin Auracher, ist noch für den Stadtwald zuständig, jedoch nicht mehr für die 200 Hektar Staatswald auf Gemarkung der Kommune. Dafür betreut er den Kommunalwald in Neuhausen, Wolfschlugen, Unterensingen und Köngen – und dürfte damit mehr Zeit im Auto verbringen als sein Vorgänger.