Forstwirtschaft Renningen Das Ziel ist ein naturnaher Wald

Von Kathrin Klette 

Die Stadt hat sehr viel weniger Bäume gefällt, als sie hätte dürfen. Auch in Sachen Neupflanzungen steht der Forst gut da.

Im Renninger Stadtwald blüht und sprießt es. Foto: factum/ Granville
Im Renninger Stadtwald blüht und sprießt es. Foto: factum/ Granville

Renningen - Diesen Luxus können sich nicht viele Kommunen leisten: Die Stadt Renningen hat in den vergangenen fünf Jahren weniger Bäume aus dem Stadtwald geschlagen, als ihr erlaubt gewesen wäre. Immer für zehn Jahre erstellt die Forstdirektion im Regierungspräsidium Freiburg für die öffentlichen Wälder einen Plan, der unter anderem vorgibt, wie viel Holz in etwa verwertet werden kann. Nach fünf Jahren wird überprüft: Stimmt der Plan, oder muss es eine Anpassung geben? In Renningen ist diese anstehende Anpassung nicht unerheblich: Nach der Hälfte der Zeit hat die Stadt nur 42 Prozent der angedachten Holzmenge geschlagen.

„Wir gehen damit regelmäßig auf Konfrontationskurs mit der Forstbehörde, weil wir hier einen eigenen Kurs fahren“, sagt der Bürgermeister Wolfgang Faißt (Freie Wähler). Letztlich sei aber der Gemeinderat Herr des Verfahrens. Statt fortan also einfach mehr Bäume zu fällen, wird der Holzeinschlag auch im Plan für die nächsten fünf Jahre von 3900 auf 3400 Festmeter jährlich gesenkt. So hat es der Gemeinderat beschlossen.

Die Zehn-Jahres-Pläne werden für jeden Wald individuell erstellt, als Basis dient eine umfassende Betriebsinventur, erklärt Rolf Maier, Leiter der Forstverwaltung in Renningen. Dass die Stadt ihrem Wald viel seltener zu Leibe gerückt ist, als es in diesem Plan stand, war kein Versehen, sondern wurde ganz bewusst so gehalten. „Die Gründe waren und sind, dass Renningen einen naturnahen, vorratsreichen Wald anstrebt, der vor allem eine hohe Anzahl von alten, stattlichen Bäumen aufweist“, sagt Rolf Maier. Das erhöhe nicht nur den ökologischen Wert des Waldes, es mache ihn auch wesentlich interessanter und erlebnisreicher für Besucher. „Das begegnet uns immer wieder, dass Leute uns ansprechen und sagen: Das ist aber ein schöner Wald!“

Gegen den „forstlichen Mainstream“

In Sachen Neupflanzungen ist Renningen dem Plan dagegen ein Stück voraus: Von 20,5 Hektar insgesamt hat die Stadt nach der Hälfte der Zeit bereits 11,6 Hektar realisiert. Ein signifikanter Unterschied besteht zwischen Plan und Ist-Stand bei der Jungbestandspflege: Mehr als 65 Hektar Fläche hat der Forstbetrieb bearbeitet. Das ist nicht nur mehr als die Hälfte, das ist sogar mehr als das angestrebte Ziel nach zehn Jahren (46 Hektar). Möglich wurde das vor allem durch die freigewordenen Arbeitskapazitäten wegen des reduzierten Holzeinschlags. Gleichzeitig habe die unterschätzte Wuchsdynamik der jungen Bäume ihren Teil dazu beigetragen, erklärt Rolf Maier.

„Renningen kann es sich leisten, gegen den forstlichen Mainstream zu verstoßen“, formuliert es Maier. Bedenken äußert Peter Weiß (CDU) hinsichtlich des Risikos, da alte Bäume auch anfälliger sind für Krankheiten oder Schäden. „Das Risiko ist natürlich da“, gesteht Rolf Maier zu. „Wir könnten sie fällen, dann hätten wir aber keine alten stattlichen Bäume mehr.“ Der finanzielle Schaden, der durch deren Nicht-Nutzung entsteht, liege aber nur grob bei 30 000 Euro, schätzt er.

Wobei nicht gesagt sei, dass die Bäume, nur weil sie alt sind, auch wirklich kaputtgehen. „Das ist Kaffeesatzleserei.“ Und mit Blick auf andere Kommunen: „Unsere umliegenden Nachbarn würden sich dieses Risiko, mehr alte Bäume zu erhalten, gerne aufbürden.“