Fortissimas am 7. April Es geht auch ohne Diamanten

Von Armin Friedl 

Seit 25 Jahren gibt es den gemischten Frauenchor Fortissimas. Am 7. April gibt es ein Jubiläumskonzert im Bürgerzentrum West.

Viele von etwa 40: Der gemischte Frauenchor Fortissimas Foto: Gruenhage
Viele von etwa 40: Der gemischte Frauenchor Fortissimas Foto: Gruenhage

S-West - Das ist eine Frage, die viele Chorgemeinschaften bewegt: Tritt man möglichst häufig auf oder eher seltener? Die Fortissimas müssen sich diese Frage jetzt erst einmal nicht stellen: Sie feiern das 25. Jahr ihres Bestehens, und das im großen Stil an diesem Sonntag, dem 7. April, mit einem großen Auftritt im Bürgerzentrum West um 17 Uhr.

Am Programm selbst wird schon seit längerem gefeilt, mit dem Singen allein ist es dieses Mal aber nicht getan. Eine Band ist auch noch dabei mit der Percussionistin Birgit van Straelen, der Pianistin Clara Vetter und der Bassistin Karoline Höfler. Geleitet wird dies von Jeschi Paul, die auch Soloaufgaben übernimmt. Die Musikerinnen und die etwa 40 Sängerinnen, das ist ein bestens eingespieltes Team, das gerne bei größeren Anlässen zusammenkommt.

Gymnastik zum Einstimmen

Wobei die Chordamen nicht darauf angewiesen sind auf instrumentale Hilfe, um fülliger und nachhaltiger zu klingen. Wenn sie loslegen jeden Donnerstag abend im Bürgerzentrum, dann schwingt und bebt der Probensaal mit. Der Lärm und das geschäftige Treiben jedenfalls, das zu diesem Stadtteil abends ganz selbstverständlich gehört, bleibt da weit außen vor. Dafür sorgt auch die Chorleiterin Jeschi Paul, die zum Reinfinden in die Probe nicht nur stimmliche Akrobatik und Lockerungsübungen einfordert, sondern die auch etliche gymnastische Übungen. Aber dennoch: Musikinstrumente bereichern natürlich den Gesamtklang.

Und was erklingt nun faktisch an solch einem Probenabend, und schließlich auch an diesem Jubiläumskonzert an diesem Sonntag im Westen? Zur Einstimmung gibt es da mal den „March of the women“, ein historisches Lied aus der Suffragettenbewegung, also jener Frauen, die sich Ende des 19. Jahrhunderts vor allem in den USA und in Großbritannien für das Frauenwahlrecht eingesetzt haben.

Die verschiedenen Geschmäcker

Das passt hervorragend zur Einstimmung, denn das Stück ist schwung- und temperamentvoll, lädt zum Bewegen ein, jetzt freilich eingebettet in stimmliche Präzision. Und Paul, die am Klavier den Gesang begleitet, hat danach auch noch etliche Anregungen, was so noch alles im Detail zu feilen ist. Und weiter geht es: Etwa mit Melodien von Carole King, Adele, „Fragile“ von Sting, aber auch Stücken von Bertolt Brecht. „Wir bieten eine fetzige Mischung aus Jazz, Pop und Rock“, verspricht Paul, die den Chor seit 23 Jahren leitet. „Die Geschmäcker sind halt manchmal verschieden“, sagt Anne Huschens dazu. Das klingt nach Moll-Stimmung, aber darum geht es hier nicht.

Das beschreibt halt nun mal den Umstand, dass es sicherlich keinen Chor gibt. in dem sich wirklich alle für jedes gesungene Stück begeistern können. Wobei es im Fall der Fortissimas schon eine Besonderheit gibt, die sich auch in der Selbstcharakterisierung als „gemischter Frauenchor“ spiegelt. Männer stehen jedenfalls hier nicht auf der Bühne, was ist also mit gemischten Frauen gemeint? – „Die Anfänge dieses Chores sind in der lesbischen Bewegung“, klärt Huschens auf. Sie ist noch die einzige aktive Sängerin aus jenen Anfangsjahren. Da gab es etwa zwei Probentermine im Monat und gelegentliche Auftritte im Frauenzentrum Café Sarah.

Frauen sind gemischt unterwegs

Das war wohl zu wenig im Blick nach vorne, der Interessentinnenkreis wurde erweitert, das Repertoire vergrößert, die Probentermine verdoppelt – „und irgendwann wurde die Voraussetzung weggelassen, dass man lesbisch sein muss, um hier mitsingen zu können. Das ist ja schließlich kein Kriterium für guten Gesang“, so Huschens. Und seitdem sind diese Frauen eben gemischt unterwegs.

Geblieben ist aber eine gewisse Reibungslust, die an der Musikauswahl ablesbar ist. „Es gibt schon Lieder, da wurde viel darüber diskutiert, ob das zu uns passt: ,Diamonds are a girls best friend‘ war so eines“, erinnert sich Margit Riedinger. Doch dann haben die Damen das mit Humor aufgefasst und sind zwar nicht mit ihren Diamanten dazu aufgetreten, aber doch mit viel Strass-Gestein. Auch an solche Episoden soll an diesem Sonntag musikalisch erinnert werden.

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