Kommt ein Mensch mutig auf die Welt – oder kann man Mut lernen? Die Bildungsexpertin Helga Breuninger, CEO der Breuninger Stiftungsgruppe, ist überzeugt, man kann es lernen. In ihrer Familie sei lange Zeit klar gewesen, dass ihr Bruder das Unternehmen Breuninger von ihrem Vater übernehmen werde. Die Tochter an der Spitze seines Unternehmens? Ihr Vater konnte sich im Jahr 1972 nicht vorstellen, dass eine Frau ein Unternehmen leiten könnte.
Helga Breuninger habe sich daher zunächst mit Dingen beschäftigt, die ihre Freude bereitet haben. Als ihr Bruder in jungen Jahren verunglückte, stand in der Familie plötzlich die Frage im Raum, wer nun das Unternehmen übernehmen wird. Da habe sie schlicht gesagt: „Ich.“ Ihren beiden Schwestern habe sie es nicht so recht zugetraut, sagt Helga Breuninger augenzwinkernd. „Mut-machen“ – das war das Motto des fünften Forums Frauennetzwerke Region Stuttgart in der BW Bank am Kleinen Schlossplatz. Rund 400 Frauen aus 15 gesellschafts- und wirtschaftsnahen Frauennetzwerken waren gekommen, um unter anderem den Vortrag von Helga Breuninger zum Thema Mut zu hören und später beim Get-together und Kontakte zu knüpfen.
Die Stifterin erzählt über mutige Schritte in ihrem Leben
Ob ihre Entscheidung mutig gewesen ist, fragte Breuninger ihre Zuhörerinnen. Unbedingt befand der Großteil der Anwesenden. Breuninger hat nach ihrer Entscheidung für das Unternehmen Wirtschaft und Psychologie studiert – und immer wieder im Leben hat sie Mut bewiesen. Sie hat in der Nähe von Berlin im fortgeschrittenen Alter mit ihrem Partner neu angefangen – um Stuttgart 21 aus dem Weg zu gehen. Und vor Kurzem hat die 76-jährige mit ihrer Stiftung einen KI-Bot als Coach für Lehrkräfte entwickelt.
Mutig zu werden, das bedeute das Risiko zu akzeptieren, die eigene Angst zu bewältigen sowie in kleinen Schritten zu gehen und der eigenen Intuition zu folgen, so Breuninger am Ende ihres Vortrags.
Auch die Unternehmerin Franziska Weihbrecht hat über Mut gesprochen – über den Mut zum Scheitern. Sie übernahm die Firma für Lasertechnik ihres Vaters und führte sie durch die Insolvenz – entgegen erheblicher Widerstände aus ihrer Familie. Heute stehe die Firma in Wolpertshausen (Kreis Schwäbisch Hall) auf soliden Beinen und werde von ihrer einstigen Prokuristin geführt, weshalb sie sich den Traum eines eigenen Bauernhofes erfüllt habe.
Eine Schlüsselkompetenz gegen die Ohnmacht
„Mut ist in der aktuellen Zeit mit all ihren Herausforderungen eine Schlüsselkompetenz – gegen die Ohnmacht“, betonte die Moderatorin und Mitorganisatorin Melina Bosch vom Business and Professional Women Club Stuttgart (BPW). „Unsere Veranstaltung zeichnet aus, dass die Sprecherinnen, aber auch die Frauen im Plenum in den Diskussionen immer sehr offen und ehrlich ihre Erfahrungen teilen“, ergänzte die Moderatorin und BPW-Vorständin Leonie Meyer zum Schluss. Ihre eigene Erfahrung im Mutig sein? Im vorigen Jahr sei sie allein und etwas unsicher zu der Veranstaltung gekommen – nun, im Jahr darauf dürfe sie auf der Bühne stehen und all die Frauen vertreten.
Netzwerke für Frauen in der Region Stuttgart
Ziele
Sichtbarer werden, Einfluss nehmen und die Frauennetzwerke stärken – mit diesem Ziel ist das „Forum Frauennetzwerke Region Stuttgart“ (FFRS) 2019 an den Start gegangen. Alle beteiligten Netzwerke setzen sich in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft für mehr Diversität, Gender Equality und Female Empowerment ein.
Mitglieder
Diese 15 Netzwerke sind an der Veranstaltung jedes Jahr beteiligt: BPW Business and Professional Women Stuttgart e. V., BW-Bank BeWoman, EWMD European Women Management Development Network e. V., fim Vereinigung für Frauen im Management e. V., Frauen in die Aufsichtsräte e. V. (FidAR), frauen-unternehmen e. V., LKA BW Frauennetzwerk, Verband deutscher Unternehmerinnen e. V. (VDU), Verband Working Moms e. V., webgrrls.de e. V., women@bosch-feuerbach, Women Network Mercedes-Benz, Women’s Business Network Mercedes-Benz Mobility, Women in Business – Gleiss Lutz, ZONTA Club Stuttgart (nay)