• tri-bühne
  • Int. Hugo Wolf Akademie
  • StuttgartKonzert
  • Theaterhaus
  • SKS Erwin Russ GmbH
  • Stuttgarter Kammerorchester
  • Theater der Altstadt
  • Forum Theater
  • C2 Concerts GmbH
  • Bachakademie

Forum Theater Stuttgart „Die Affäre in der Rue de Lourcine“

Zwei Männer mit Kater und Filmriss wachen gemeinsam in einem Bett auf. Und dann ist auch noch ein Mord passiert. Die Komödie „Die Affäre in der Rue de Lourcine“ von Eugène Labiche soll im April Premiere im Forum Theater feiern.

Von außen betrachtet sind Mistingue (Andreas Petri, links) und Lenglumé (Udo Rau) brave Bürger. Aber die glänzende Fassade ist in großer Gefahr. Zu sehen im Stück „Die Affäre in der Rue de Lourcine“ im Forum Theater.  Foto: Sabine Haymann
Von außen betrachtet sind Mistingue (Andreas Petri, links) und Lenglumé (Udo Rau) brave Bürger. Aber die glänzende Fassade ist in großer Gefahr. Zu sehen im Stück „Die Affäre in der Rue de Lourcine“ im Forum Theater. Foto: Sabine Haymann
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Manche Dinge ändern sich nie: zum Beispiel das menschliche Urbedürfnis, vor den anderen gut dazustehen – auch, wenn es sich in Wirklichkeit ganz anders verhält. Das war schon im großbürgerlichen Frankreich der Gründerzeit so – und das hat sich auch im Zeitalter von Selfies, Instagram und Co. ganz sicher nicht geändert. Grund genug, sich auch 2021 noch über „Die Affäre in der Rue de Lour­cine“ von Eugène Labiche zu amüsieren. Geplant ist die Premiere momentan für den 22. April.

Humor ist gerade auf jeden Fall eine wichtige Zutat, um die Aufgaben zu meistern, welche die Gegenwart und Zukunft für das kleine Theater in der Gymnasiumstraße bereithalten. Da ist momentan nämlich nicht nur der Kampf mit den Auswirkungen der Pandemie, sondern auch die überraschende, schwere Krankheit von Dieter Nelle, der eigentlich jetzt peu à peu die Intendanz des Theaters aus den Händen von Elke Woitinas hätte übernehmen sollen. Da ist jetzt die Genesung im Vordergrund.

Und dann stehen da noch die Umbauarbeiten im Quartier an, die dem Theater tagsüber so viel Lärm bescheren werden, dass an normale Probenarbeit – selbst ohne Corona – nicht zu denken ist. Aber noch ist es nicht so weit. Und mit Marcel Keller ist auf jeden Fall ein Regisseur gefunden, zu dem das – noch von Dieter Nelle ausgewählte – Stück passt wie angegossen.

„Die Affäre in der Rue de Lourcine“: Mit französischer Leichtigkeit erzählt

Keller, der eigentlich mal Bildhauer werden wollte und nach einer Zwischenstation als Trickfilmzeichner zunächst als Bühnenbildner und Ausstatter seine Theaterlaufbahn begonnen hat, kümmert sich bei der Inszenierung sozusagen um alles. Und die französische Leichtigkeit, mit der die im Grunde ziemlich böse Geschichte aufs Korn genommen wird, entspricht ganz offensichtlich seiner künstlerischen DNA. Denn die Sache ist durchaus vertrackt: Da wachen zwei Männer, Lenglumé und Mistingue, nach einem kollektiven Besäufnis inklusive Filmriss gemeinsam in einem Bett auf. Damit nicht genug, ist auch noch ein Mord passiert, dessen Indizien auf die beiden als Täter hinzuweisen scheinen. Da braucht es schnell gute Ideen, um zu verhindern, dass auch nur der Schatten eines Verdachts den Leumund trübt. Und natürlich darf auch Lenglumés Ehefrau nicht wissen, dass ihr Gatte am verhängnisvollen Klassentreffen teilgenommen hat. Das hatte sie ihm nämlich untersagt.

Regisseur Marcel Keller verzichtet auf historische Schnörkel

Was also ist zu tun? Schnelles Handeln ist gefragt – und das gerät mitunter so hastig, dass die ungewollten Verwicklungen ihren Lauf nehmen. Sehr zum Amüsement des Publikums, das natürlich jederzeit mehr weiß als die in Not geratenen Figuren. So groß ist deren Angst, dass das eigene Bild in den Augen des Umfelds hässliche Risse bekommen könnte, dass die beiden ehrenwerten Männer noch nicht einmal vor weiteren Morden zurückschrecken würden.

Marcel Keller hat bei seiner Inszenierung auf historische Schnörkel verzichtet und das Ganze in den 1950er Jahren angesiedelt. Auch damals war Mensch sehr darauf bedacht, den Konventionen zu entsprechen. „Es geht um Menschen, die einer nicht bekannten Öffentlichkeit gegenüber ein bestimmtes Bild von sich erzeugen möchten“, sagt Keller. Und zitiert schmunzelnd seinen Großvater: „Um Menschen, die Dinge kaufen, die sie nicht brauchen, von Geld, das sie nicht haben, um Leuten zu imponieren, die sie nicht kennen und nicht leiden können.“ Darüber hinaus wollen alle den Anschein erwecken, dass sie stets nur an andere denken – wobei es ausschließlich um eigene Interessen geht.

Schauspieler singen acht Couplets

Marcel Keller ist froh darüber, dass er gerade in Zeiten, die alles andere als zum Lachen sind, eine Komödie inszenieren darf. Auch die Schauspieler haben bei den Proben einen Heidenspaß, wie er beobachtet hat. Neben den beiden Protagonisten Lenglumé und Mistingue (Udo Rau und Andreas Petri) sind das Stefan Müller-Doriat (Potard, Lenglumés Cousin), Michael Ransburg (Justin, Lenglumés Diener) und Schirin Brendel (Norine, Lenglumés Ehefrau). Sie alle spielen im Übrigen nicht nur, sondern singen auch insgesamt acht Couplets.

Die Originalmusik des 1860 uraufgeführten Stücks stammte wohl aus damals populären Operetten und Vaudevilles. An diesen hat sich Böny Birk orientiert und die Musik entsprechend neu geschrieben. Da gibt es dann schon auch mal einen unvermittelten Schwenk von großer Oper zu charmantem Bossa nova. Zugleich ist er der Mann am Klavier. Das Publikum darf sich auf eine temporeiche Darbietung freuen. Denn Marcel Keller weiß: „Man kann in einer Tragödie vielleicht eine Kunstpause machen, aber in der Komödie ist dann die Pointe versaut.“

Info: „Die Affäre im der Rue de Lourcine“: Premiere am 22. April, 20 Uhr, Forum Theater, 07 11 / 4 40 07 49 99, Homepage