Forum Theater Stuttgart „Event“ mit Michael Ransburg: Bänder, die die Welt bedeuten

Von Brigitte Jähnigen 

Premiere „Event“ im Forum Theater

Michael Ransburg in John Clancys Monolog „Event“ Foto: Sabine Haymann
Michael Ransburg in John Clancys Monolog „Event“ Foto: Sabine Haymann

Stuttgart - Was muss passieren, damit ein Theaterabend als Ereignis, als Theaterwunder, in der Erinnerung haften bleibt? Michael Ransburg hat am Samstagabend bei einer Premiere im Forum Theater Prinzipien und Mechanismen des Theaters enthüllt. Die Textvorlage für den 90-minütigen Monolog „Event“ schrieb der amerikanische Autor John Clancy; Regie führt Dieter Nelle.

Was hat die Bühne über das Leben zu erzählen?

Im Rampenlicht steht ein Schauspieler, der sich „der Mann“ nennt. Es ist seine Rolle. Er spricht zum Publikum, das er „die Fremden“ nennt. „Fremde“ zu sein, ist die Rolle der Zuschauer. Elastische Bänder sind zu einem offenen Geviert gespannt. Eine fragile Konstruktion der Ausstatterin Birgit Holzwarth, in der Ransburg auch darüber spricht, was die Bühne über das Leben zu erzählen hat.

Zum Beispiel über das Vergessen. Ransburg gibt den Clown, wenn er über das personelle Vergessen im Alter spricht. Ein Schritt zur Seite, eines der elastischen Bänder gibt nach, der Schauspieler strauchelt. Ransburg gibt den Philosophen, wenn er über das kollektive Vergessen spricht: „Wie soll sich kollektives Gedächtnis im Zeitalter von Kurznachrichten bilden?“ Und was passiert, wenn sich Versprechen wie „Fortschritt und universale Gerechtigkeit“ in „gesellschaftlichem Stillstand“ auflösen?

„Wir sind alle sehr gute Schauspieler in einem schlechten Stück“

„Der Mann“ gibt vor, lediglich Sprecher des Textes des Autoren zu sein. Spontan wirkende Bewegungen seien in harter Auseinandersetzung mit dem Regisseur einstudiert. Und zur Technikerin, der ­Herrin über Licht und Musik, stehe er in ­gnadenloser Abhängigkeit. „Wo bleibt das Ich“, fragt der Schauspieler und überträgt seine Rolle auf die Zuschauer: „Wir sind alle sehr gute Schauspieler in einem sehr schlechten Stück“.

Vom Prolog bis zum überraschenden Finale spielt Michael Ransburg mit dem Publikum auf so beeindruckende Weise, dass „die Fremden“ dem scharfzüngigen Text und Ransburgs Sprech- und Körperkunst komplett erliegen.

Nächste Vorstellungen von „Event“: 14. bis 16. und 22. bis . 25. Februar