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Forum Theater Stuttgart Goethe in einer nahbaren, neuen Erzählung

Von gab 

Der Stoff ist historisch. Die Geschichte zeitlos. Umso mehr, da Peter Hacks sie 1976 als Bühnenstück aufgeschrieben und Karin Eppler sie mit Martina Guse in der Hauptrolle inszeniert hat. Zu sehen ist „Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe“ bald als Wiederaufnahme im Forum Theater.

Martina Guse spielt im Stück „Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe“ Charlotte von Stein, in die sich Goethe leidenschaftlich verliebt hatte.   Foto: Sabine Haymann
Martina Guse spielt im Stück „Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe“ Charlotte von Stein, in die sich Goethe leidenschaftlich verliebt hatte. Foto: Sabine Haymann

Es hat sie tatsächlich gegeben: die Beziehung zwischen dem jungen Johann Wolfgang von Goethe, der von 1776 an am Weimarer Hof Geheimer Legionsrat im Dienste von Herzog Carl August wurde, und Charlotte von Stein. Diese, sieben Jahre älter als Goethe, verheiratet und Mutter von sieben Kindern, war Hofdame der Mutter des Herzogs. Dass Goethe sich leidenschaftlich in sie verliebte, bezeugen mehr als 1700 seiner Briefe.

Im Stück geht es allerdings nicht um die Beziehung zwischen den beiden, sondern vielmehr um Goethes plötzliches Verschwinden aus Weimar zehn Jahre später – er reiste damals bei Nacht und Nebel nach Italien. Doch auch das ist nachrangig. Spannend ist es vielmehr zu verfolgen, wie sich im Laufe des als Monolog angelegten Dialogs die gesellschaftlich korrekte Contenance der nach den Regeln der Vernunft und der höfischen Etikette argumentierenden in die Verletztheit einer zurückgelassenen, liebenden Frau verwandelt. Dieser Wandlung, dem Aufbrechen der sorgsam gehüteten Fassade und dem Absturz in die Tiefe der Gefühlswelt, folgt das Publikum, ohne sich wahrscheinlich dessen wirklich bewusst zu sein.

Charlotte von Stein wird zum Sündenbock für Goethes Verschwinden

Aus der selbstbewussten Hofdame, die sich zunächst vorgeblich kühl als Sündenbock für Goethes plötzliches Verschwinden opfert und die auf ihre Verdienste hinweist, wird eine zutiefst verletzte Frau. „Goethes Gewalt über mich beruhte in der Grenzenlosigkeit seiner Eigenliebe. Und das Geheimnis seiner Eigenliebe wiederum war: Sie war um die Liebe zu keinem anderen Menschen vermindert“, resümiert sie bitter.

Charlotte von Stein hatte sich auf Wunsch des jungen Mannes seiner angenommen, der – wie sie sagt – zwar reich an Talenten war, aber vom Leben bei Hofe keine Ahnung hatte. „Er kannte die Hochschulen, deren Unsitten ihm leider anhafteten wie einem Stallburschen der Pferdegeruch. Er kannte alle Wissenschaften und alle Künste, und er kannte nichts von der Welt.“ Seine Geliebte wurde sie indes, bei aller Innigkeit, wohl nie. Zwar spricht Charlotte von Stein ihren Gatten, den Freiherrn von Stein, immer wieder direkt an. Eine Antwort bekommt sich nicht von ihm – sondern mehr von sich selbst. Deswegen muss er auch gar nicht wirklich auf der Bühne sein.

Während Charlotte von Stein über sich und die Begegnung mit Johann Wolfgang von Goethe nachdenkt, wirft sie ein ganz anderes Licht auf den bis heute so hoch verehrten Dichterfürsten – sie rüttelt an seinem Thron und betrachtet ihn in einem menschlicheren Licht.