• Int. Hugo Wolf Akademie
  • StuttgartKonzert
  • Theaterhaus
  • SKS Erwin Russ GmbH
  • Stuttgarter Kammerorchester
  • Theater der Altstadt
  • Forum Theater
  • C2 Concerts GmbH
  • Bachakademie

Forum Theater Stuttgart Lee Blessings „Der Waldspaziergang“: Verbales Florett

Von gab 

Ein historisch dokumentierter Dialog auf der Theaterbühne: „Der Waldspaziergang“ von Lee Blessing basiert auf einem Waldspaziergang der Unterhändler Paul H. Nitze and Yuli A. Kvitsinsky im Jahre 1982. Dieter Nelle inszeniert das Stück im Forum Theater.

Udo Rau (links) und Stefan Müller-Doriat verkörpern im Stück „Der Waldspaziergang“ die beiden Unterhändler. Am 13. Februar ist Premiere im Forum Theater. Foto: Susanne Haymann
Udo Rau (links) und Stefan Müller-Doriat verkörpern im Stück „Der Waldspaziergang“ die beiden Unterhändler. Am 13. Februar ist Premiere im Forum Theater. Foto: Susanne Haymann

Die Sätze, die der russische Diplomat Andrey Botvinnik und der amerikanische Unterhändler John Honeyman einander zuspielen, das ist nur die sichtbare Ebene, auf welcher der historisch dokumentierte Dialog „Der Waldspaziergang“ stattfindet. Denn während die beiden Männer verbal die Klingen kreuzen und die Themen vom Wettrüsten bis zur Schweizer Schokolade reichen, geht es im Grunde zunächst vor allem darum, die Reaktionen des Gegenübers auszutesten. Das Ziel ist kein Geringeres, als zu einer Einigung zu kommen und das Wettrüsten zwischen den USA und der Sowjetunion zu Zeiten des Kalten Krieges zu beenden.

Das nach seinem Erscheinen 1988 für den Pulitzerpreis nominierte Stück des Autors Lee Blessing geht zurück auf einen Waldspaziergang der Unterhändler Paul H. Nitze and Yuli A. Kvitsinsky, der 1982 in Genf tatsächlich stattgefunden hat.

„Der Waldspaziergang“: Politisch und menschlich

Beide Männer kamen damals zu einer Einigung, die zunächst von den Regierungen abgelehnt wurde, später aber eine wichtige Rolle spielte, als der Eiserne Vorhang 1989 fiel. Wie aktuell das Stück in der derzeitigen politischen Situation ist, ist augenfällig. Dennoch, so sagt Dieter Nelle, der den „Waldspaziergang“ am Forum Theater inszeniert, schaue er derzeit jeden Abend vor dem Schlafen­gehen nochmals nach den neuesten Nachrichten, um sicher zu sein, wie er am Folgetag weiterinszenieren soll.

So politisch das Stück auch sein mag, so menschlich ist das, was zwischen den beiden Männern geschieht. Udo Rau mimt den gewieften Sowjet-Diplomaten Botvinnik, der immer wieder versucht seinen jüngeren, angeblich unerfahrenen, Gesprächspartner mit persönlich daherkommenden Winkelzügen aufs Glatteis und damit weg von der konkreten, sachlichen Verhandlung zu führen.

Zwei Menschen unterschiedlichster Mentalität schaffen Einigung

Stefan Müller-Doriat lässt ihn scheinbar gewähren, um die Finten des gewieften Politprofis auf seine ganz eigene Weise auszuhebeln. Bei den wenigen Worten, die ausgetauscht werden, schwingt immer ein umfangreicher Subtext mit, den es als die eigentliche Botschaft zu erkennen und auf den es richtig zu reagieren gilt.

Spannend ist, wie die beiden sehr unterschiedlichen Männer es schließlich dennoch schaffen, zu einer Lösung zu kommen.

Info: „Der Waldspaziergang“: Premiere am 13. Februar, 20 Uhr, weitere Termine im Februar und März, Forum Theater, 07 11 / 4 40 07 49 99 sowie auf der Homepage des Forum-Theater.