Stadtkind Stuttgart

Foto-Projekt von Norman Munyendo Balance zwischen Mode und Glaube

Von Tanja Simoncev 

Der Stuttgarter Fotograf Norman Munyendo setzt für sein jüngstes Fotoprojekt Models mit Kopftuch in Szene. Gemeinsam mit der befreundeten Designerin Meriem Lebdiri will er zeigen, dass die Muslima heute modern, stark und selbstbewusst ist.

Zwei Modewelten treffen aufeinander - Fotograf Norman Munyendo will mit Development of Fashion zeigen, dass Kleidung nur oberflächlich ist. Was zählt ist der Mensch. Foto: Munyendo 5 Bilder
Zwei Modewelten treffen aufeinander - Fotograf Norman Munyendo will mit "Development of Fashion" zeigen, dass Kleidung nur oberflächlich ist. Was zählt ist der Mensch. Foto: Munyendo

Stuttgart - Blondgefärbte Haare, verrückte Jacken, gewagte Brillen - Fotograf Norman Munyendo fällt auf, kein Wunder hat sein Instagram-Account bereits zahlreiche Anhänger. Doch das liegt nicht nur am Kreativkopf selbst, sondern auch an seinen außergewöhnlichen Foto-Projekten wie „Development of Fashion“. Für die befreundete Designerin Meriem Lebdiri rückte er dafür Models mit Kopftüchern auf dem Kleinen Schlossplatz in Szene. Gemeinsam wollen sie zeigen, dass sich Kopftuch-Mode entwickelt hat und die muslimische Frau sich heute modern kleiden und damit stark und selbstbewusst wirken kann.

In Zeiten von Burkini-Verboten, der ersten Kopftuch-Modenschau auf der New York Fashion Week und geforderten Kopftuch-Emojis fürs Handy ist das Thema brisanter denn je. Deutschland diskutiert, Munyendo macht. Denn den Wahl-Stuttgarter mit kenianischen Wurzeln interessiert nicht, was andere denken. „Ich kenne Meriem noch aus Regensburg und habe schon mehrmals mit ihr zusammengearbeitet“, so der gelernte Metallbildner. Die Designerin hätte keinen Fotografen für ihre Mode erwärmen können, keiner habe indirekt mit dem Islam zu tun haben wollen. „Aber wir haben gleich gedacht: Hey, das ist mal was anderes, etwas, das es sonst nicht so oft gibt“, betont der Fotograf.

Mode für die moderne Muslima

Jede Frau wolle modern aussehen, ob mit oder ohne Kopftuch, ist sich Norman sicher. Der 24-Jährige und sein Assistent Gisi wissen: „Auch Meriem trägt Kopftuch und das freiwillig, aus religiösen Gründen.“ So oder so: Es sei nicht ihre Aufgabe zu urteilen. „Jeder Mensch hat das Recht, das zu tragen, was er will und soll sich so repräsentieren können, wie er eben ist“, so das Fotografen-Team weiter. Und genauso machen sie es auch, die jungen Männer leben ihren Stil und fordern Toleranz: „Jeder, der Kopftücher tragen mag, soll das machen. Alle denken gleich, dass Frauen, die Kopftücher tragen, sich verstecken und nicht integrieren wollen. Meiner Meinung nach ist das zu oberflächlich gedacht. Man kennt die Frauen nicht, man kennt ihre Geschichte nicht.“

Lebdiri hingegen gibt einen Einblick in ihre und die Welt von anderen Muslima: „Man möchte bedeckt sein und trotzdem chic aussehen, mit dem Zeitgeist gehen und mitten in der Gesellschaft ankommen.“ Der Designerin, die in Algerien geboren wurde und in Deutschland aufwuchs, gehört eines der wenigen deutschen Modelabels für Modest Fashion, einer Modebewegung für Muslima. Es heißt Mizaan, was auf arabisch Balance bedeutet. Der Name ihres Labels soll genau ihre Philosophie zum Ausdruck bringen - das Gleichgewicht zwischen Mode und Glauben.