Foto-Shooting im Pressehaus Stuttgart Plädoyer fürs Zeitunglesen

Von Uwe Bogen 

Seit 2003 reist die Fotokünstlerin Silvie Brucklacher-Gunzenhäußer mit roter Leinwand durch Stuttgart. Jetzt war sie damit im Pressehaus. Ihre Aufnahmen von dort sind ein Plädoyer für das Lesen der Zeitung aus Papier. Im Bistro Brenner werden die „Rotraits“ ausgestellt.

Plädoyer fürs Lesen der Zeitung aus Papier: Unser Kolumnist Uwe Bogen (auf dem Stuhl) mit kreativen Köpfen der Stadt  im Foyer des Pressehauses Stuttgart. Foto: Silvie Brucklacher-Gunzenhäußer 24 Bilder
Plädoyer fürs Lesen der Zeitung aus Papier: Unser Kolumnist Uwe Bogen (auf dem Stuhl) mit kreativen Köpfen der Stadt im Foyer des Pressehauses Stuttgart. Foto: Silvie Brucklacher-Gunzenhäußer

Stuttgart - Eine rote Spur zieht sich durch Stuttgart – es ist die Spur der Fotografin Silvie Brucklacher-Gunzenhäußer . In Rot bildet sie das pulsierende Leben der Stadt ab.

Rot, die Farbe des Blutes, ist immer ein Statement. Rot steht für die Wut und für die Lust. An Orten, an denen Menschen beruhigt werden sollen, etwa in einem OP-Saal, sieht man niemals Rot.

Diese Farbe ist klischeebeladen. Doch wie das mit Klischees oft ist, steckt auch Wahrheit drin. „Rot pusht“, sagt die Fotokünstlerin, deren rote Liebe nie endet – eine Liebe für Stuttgart.

Mit ihrer roten Leinwand hat sie nun das Pressehaus Stuttgart angesteuert, um der Zeitung aus Papier eine Liebeserklärung auf ihre knallrote Weise zu machen.

Neuer Ansatz bei ihren „Rotraits“

„Zart, kraftvoll, reduziert auf das Wesentliche“ – so rühmt der Kabarettist Peter Grohmann die „Rotraits“, wie die Künstlerin ihre Fotografien nennt. Auch als Bücher gibt es die „Rotraits“, und in Ausstellungen kann man sie bewundern.

Die nächste Schau der gestochen scharfen Bilder mit dem roten Stoff startet an diesem Mittwoch im Bistro Brenner im Bohnenviertel. Silvie Brucklacher-Gunzenhäuer ist nicht nur eine großartige Fotografin, sondern auch sehr schnell. Denn das gerade erst im Foyer des Pressehauses aufgenommene Foto wird im Format 120 mal 80 Zentimeter im Brenner neben weiteren Rotraits aufgehängt. Man sieht darauf Journalisten und kreative Köpfe der Stadt beim Zeitungslesen. Sie halten Papier vor ihre Augen, starren nicht aufs kleine Smartphone.

„Uwe and Friends“, so nennt sie ihre neuen Fotos und erklärt: „Es ist mein neuer Ansatz, mit der roten Leinwand zu reisen und beim Fotoshooting mit einem ,Gesicht in Stuttgart’ das Umfeld miteinzubeziehen, ein bisschen Stuttgarter Flair mitzunehmen und auf das Bild zu bringen.“ Weil wir Journalisten nicht so geübt im Modeln sind, haben wir uns von einem Profi zeigen lassen, wie’s geht: Alegra Cole, die sich unter anderem für die Mode von Valentino, Hugo Boss und Otto fotografieren ließ und heute europaweit als DJane gebucht ist, war eine der Zeitungsleser am roten Stoff – wie auch Äffle & Pferdle alias Heiko Volz und Volker Lang.

Man nennt sie auch die „Taubenfee“

Von Lothar Späth bis Eric Gauthier, von Wolfgang Dauner bis Manfred Rommel, von Timo Hildebrand bis Fritz Kuhn – seit 2003 wächst der Stamm der Rothäute beständig. Als „süchtige Fotografin“ bezeichnet sich die Mutter von zwei Söhne und fünf Enkelsöhnen. Seit fast 40 Jahren lebt das frühere Model, das zuletzt mit 68 Jahren auf Teneriffa für die „Brigitte“ fotografiert worden ist, in Stuttgart, in dieser, wie sie findet, „lichtdurchfluteten Stadt mit den herrlichen Wohnmöglichkeiten“. Stuttgart sei „sehr entspannt, sehr freundlich, sehr unkompliziert“. Hier könne sie sein, ohne sich zu verbiegen. „Bei uns gibt’s wenig Jet-Set und Schicki-Micki“, sagt die Frau, die von vielen „Taubenfee“ genannt wird. Über 14 000-mal haben sie und ihre Mitstreiter bereits echte Taubeneier gegen Kunststoffeier ausgetauscht, um damit die Zahl der Stadttauben zu reduzieren.

Die Tierschützerin wird sich weiterhin für Tiere engagieren. Und sie wird den roten Faden mit Fotos weiterspinnen. Noch viel mehr „Rotraits“ sind geplant – in der neuen Staffel mit dem Umfeld der Porträtierten. Ihre Stadtliebe wird immer wieder neu entfacht. In Stuttgart gehen die kreativen Köpfe nicht aus – es gibt so viele interessante Menschen, die hoffentlich so gern Zeitung lesen wie wir.

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