Fotogalerie in Stuttgart Duncan Smith macht Jedermann zum Rockstar

Von Frank Rothfuss 

Normalerweise zeigt Duncan Smith in seiner Rockstar Gallery Fotos von berühmten Musikern. Während des Stuttgarter Fotosommers macht er nun Jedermann zu Rockstars, er präsentiert Porträts von Kunden.

Eines der Porträts, das in der Rockstar Gallery zu sehen ist. Foto: Duncan Smith
Eines der Porträts, das in der Rockstar Gallery zu sehen ist. Foto: Duncan Smith

Stuttgart - Es ist der Platz für die Legenden: Lemmy lümmelt am Tresen, Jimi Hendrix spielt die Gitarre, John, Paul, Ringo und George schauen in die Kamera, und die Milchbärte Brian Jones, Mick ­Jagger, Keith Richards, Bill Wyman und Charlie Watts recken einem die leeren Biergläser entgegen. Normalerweise. Doch jetzt hat Duncan Smith in seiner Rockstar Gallery an der Senefelder Straße 56 die alten Helden weggeräumt. Er hat Platz gemacht für Fotos von seinen Kunden. „Die sind jetzt die Rockstars“, sagt er und grinst. Bilder von Lausbuben, Müttern, Paaren, Großeltern mit ihren Enkeln hängen an den Wänden. Von Duncan Smith fotografiert. Der schwäbische Engländer reist oft um die Welt, macht Werbe-und Modefotografien. Seit sieben Jahren zeigt er die Bilder von anderen Fotografen, meist berühmten wie Philip Townsend, der die Stones schon ablichtete, als sie ­keiner kannte. Für den Stuttgarter Fotosommer hat er nun umgeräumt. In den kommenden Wochen widmen sich etliche Galerien der Fotokunst, Smith zeigt bis zum 19. November seine eigenen Bilder.

Sie sind in den letzten beiden Jahren entstanden. Zig Milliarden Fotos werden jedes Jahr gemacht, geknipst, gespeichert, nie wieder angeschaut. Dieser Flüchtigkeit will er mit Handwerk begegnen. Zeit nimmt er sich, stundenlang, erst für die Aufnahmen, dann fürs Sichten der oft 2000 Bilder, das Drucken und das Erstellen von Büchern. 450 Euro kostet das, viel Geld fürwahr, aber es soll eben mehr sein als eine Momentaufnahme, Erinnern, das im besten Falle Generationen überdauert. So wie er selbst heut noch die Fotos vom Opa hütet. Überrascht war Smith, wie schwer es den Menschen falle, sich ablichten zu lassen. Und das im Zeitalter des massenhaften Selbstporträts, neudeutsch Selfie. „Die Leute gehen lieber zum Zahnarzt als zum Fotografen“, sagt er, „selbst die schönsten Menschen halten sich für nicht fotogen genug.“ Also sei seine Hauptaufgabe Atmosphäre schaffen, die Menschen locker machen, dass sie die ­Kamera vergessen. Damit ein Bild entsteht, das Rockstars würdig ist.

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