Fotograf aus Murr Mit Enzos Segen 40 Jahre lang Ferraris fotografiert

Fotograf Günther Raupp im Eingangsbereich seines Hauses in Murr – schon hier ist Ferrari allgegenwärtig. Foto: Simon Granville

40 Jahre lang hat Günther Raupp aus Murr (Kreis Ludwigsburg) den offiziellen Ferrari-Kalender erstellt. Damit ist zwar Schluss – in Ferrari-Rente ist er aber noch lange nicht.

Ludwigsburg: Maximilian Kroh (kro)

Ganz vorne in seinem letzten Bildband zeigt Günther Raupp einen Brief aus dem Jahr 1985. Unterschrieben ist er mit einem einzigen Wort in violetter Tinte: „Ferrari“. Die Signatur des „Commendatore“ persönlich, Enzo Ferrari. Es ist ein Dankesschreiben, das den Fotografen aus Murr international bekannt gemacht hat. Mit Enzos Segen hat Rapp 40 Jahre lang in Eigenregie für den offiziellen Ferrari-Kalender fotografiert – ihn entworfen und in die ganze Welt verschickt.

 

Raupps Laufbahn begann in den 1970er Jahren jedoch anders – nicht mit Autos, sondern mit einem Studium der Malerei und Kunstgeschichte in Stuttgart. 1975 kaufte er sich dann seinen ersten Fotoapparat. „Ich war ein fauler Zeichner, und so konnte ich anstatt Skizzen einfach Fotos machen“, erzählt Raupp. Noch im Studium machte er mit einem audiovisuellen Projekt über Venedig auf sich aufmerksam – dieses wurde sogar in der Staatsgalerie Stuttgart ausgestellt. Er fotografierte für Porsche, Audi oder VW. Hinzu kam eine Werbekampagne für den Gardasee.

„Ferrari war immer Kampf“

Trotzdem schwebt Ferrari über all diesen Erfolgen. Im Eingangsbereich seines Hauses in Murr hängen ausschließlich Bilder von Autos des italienischen Sportwagenherstellers, keine andere Marke scheint Raupp so in den Bann gezogen zu haben. „Ferrari ist nicht nur ein Auto. Ferrari ist eine Haltung“, sagt er. „Ferrari war immer auch Kampf – höher, schneller, weiter.“

Den Anfang nimmt die Geschichte des Ferrari-Fotografen Günther Raupp dank einer gehörigen Portion Mut und Selbstbewusstsein. Auf eigene Faust rief Raupp Anfang der 1980er Jahre beim Autohändler Becker in Düsseldorf an, der Generalimporteur der Ferrari-Wagen in Deutschland war. Er sei ein junger Fotograf aus Stuttgart und wolle einen Ferrari-Kalender machen, habe Raupp am Telefon gesagt – einen Tag später fuhr er zu Becker nach Düsseldorf und von dort mit einem Autotransporter nach Italien. Den fertigen Kalender schickte er an Enzo Ferrari, „und so war ich drin“.

Wer mit Raupp durch seine Kalender stöbert, erlebt einen Mann, der noch mit 73 Jahren eine Faszination für Fotografie und Sportwagen ausstrahlt. Jedes Modell erkennt er auf Anhieb, jede Location hat ihre Geschichte. Er hat an der Promenade von Palm Beach fotografiert, in Clint Eastwoods privatem Golfclub oder auf dem Anwesen von Enzo Ferrari.

Über die Jahre kam er mit den bekanntesten Sammlern der Welt in Kontakt, der US-amerikanische Modeunternehmer Ralph Lauren oder der ehemalige Microsoft-Präsident Jon Shirley stellten ihm ihre Autos für Fotos zur Verfügung. Hin und wieder schaffte es auch sein eigener Wagen in den Kalender: Ein Ferrari Dino 246 Spider, den er sich mit 29 gekauft hat und gemeinsam mit seiner Frau Karin für etwa 40 Jahre fuhr.

Seinen Ferrari hat Raupp als Geschenk aus dem 3D-Drucker bekommen. Foto: Simon Granville

„Wenn Sie ein guter Architekturfotograf werden wollen, ist es das Beste, wenn Sie für Architektur eine Leidenschaft haben“, sagt Raupp. „So ist es bei mir mit Autos.“ In Bezug auf seine Arbeit spricht er von Unmittelbarkeit, die Linien öffnet. Er sagt dann Sätze wie: „Ein Auto ist eine dynamische Plastik, und diese Dynamik kommuniziert es selbst im Stehen.“ Was so viel heißt wie: Auch geparkte Autos können interessant aussehen – wenn man sie nur richtig fotografiert.

Und wenn die Bilder es in den Kalender schaffen sollen, dann müssen sie interessant aussehen. „Dieses verdammte Ding hat die Pflicht, 30 Tage lang zu faszinieren“, erklärt Raupp. Dafür braucht es Kreativität und eine „Besessenheit im Kopf“, wie er es nennt. Raupp erzählt von selbst konstruierten Kamerainstallationen, Shootings im Morgengrauen und auf stillgelegten Flugplätzen.

Dann, 2024, war nach 40 Jahren Kalenderfotografie Schluss. „Es gab keine Steigerung mehr“, erklärt der Fotograf. „Was ich machen wollte, habe ich gemacht.“ Zudem beginne der Großteil der eigentlichen Arbeit am Kalender dann, wenn alle Fotos gemacht sind. 80 Prozent des Aufwands, schätzt Raupp, fielen auf den Vertrieb. Der Kalender erschien all die Jahre im Eigenverlag, er habe immer wieder auch mitten in der Nacht Bestellungen entgegengenommen, weil in Asien dann nun mal schon der neue Tag beginnt.

Solche Anfragen bekommt er weiterhin, denn die Exemplare sind streng limitiert. 5000 Stück hat Raupp jährlich drucken lassen, Nummer eins geht immer an Piero Ferrari, Enzos Sohn. Den Großteil der Kalender sicherten sich Sammler, denen fehle manchmal eine einzelne Ausgabe, sagt Raupp – sie rufen bis heute teils verzweifelt bei ihm an.

Trotzdem will Günther Raupp sich nun erst einmal anderen Projekten widmen. „Ich würde gerne mal wieder etwas mit Video machen“, sagt er. So ganz werden ihn die italienischen Autos aber trotzdem nicht loslassen. „2027 wird Ferrari 80“, erzählt er und deutet ein Comeback an: „Es juckt mich schon noch in den Fingern.“

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