Fotokunst im Freilichtmuseum Beuren Der Herr der historischen Fotografie

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Mit seiner Plattenkamera Narita aus dem Jahr 1924 verzaubert der Fotograf Peter Michels die Besucher des Freilichtmuseums.

Eintauchen in vergangene Zeiten: der Fotograf Peter Michels setzt die Museumsbesucher mit seiner Plattenkamera in ein anderes Licht. Foto: Michael Steinert 8 Bilder
Eintauchen in vergangene Zeiten: der Fotograf Peter Michels setzt die Museumsbesucher mit seiner Plattenkamera in ein anderes Licht. Foto: Michael Steinert

Beuren - Fotos machen kann jeder. Smartphones und digitale Kameras ermöglichen es heutzutage, schnell und unkompliziert Bilder zu schießen. Doch dass analoges Fotografieren mit historischen Material eine große Kunst ist, haben viele Menschen vergessen. Einer, der dieses Handwerk beherrscht, ist Peter Michels. Am Wochenende war der sogenannte Wanderfotograf zu Gast im Freilichtmuseum in Beuren.

„Hier bin ich Herr über alles. Ich mische mir meine eigene Chemie, bestimme über das Bild. Nur das Wetter kann ich nicht beeinflussen“, sagte Peter Michels und verschwindet in seiner mobilen Dunkelkammer. Bei dem strahlenden Sonnenschein, der am Samstag im Freilichtmuseum herrschte, war das aber auch gar nicht nötig. Der 48-jährige Fotograf aus der Schweiz ist ein ausgewiesener Experte auf dem Gebiet der Fotografie. Anhand seiner Plattenkamera Narita aus dem Jahr 1924 und einem mobilen historischen Dunkelkammerzelt zeigte er den Museumsbesuchern die frühe Technik der Fotografie auf Basis von Glasplatten.

Die Belichtungszeit lag einst bei zwei Minuten

„Ich war schon immer mehr der handwerkliche Typ“, sagte Michels. „Daher ist die Alternative Fotografie genau das richtige für mich.“ Die Nassplattentechnik gilt als eine Königsdisziplin der Alternativen Fotografie und erlebt seit einigen Jahren ein großes Revival. Der Reiz dieser Technik besteht darin, sich mit ihren komplexen Prozessen auseinanderzusetzen. Von den etwa 50 Aufnahmetechniken, die es in der Fotografie gibt, beherrscht Michels zehn.

Dass Aufnahmen aus früheren Zeiten oft sehr ernst wirken, habe mehrere Gründe, erklärte der 48-Jährige. Einer sei, dass die Belichtungszeit damals viel länger gewesen sei. „Anfangs lag sie bei zwei Minuten. Da gefriert einem doch das Lächeln auf den Lippen“ , sagte Michels. Doch im Laufe der Zeit hat sich die Belichtungszeit durch die angewandten Chemikalien verkürzt. Die Museumsbesucherin Claudia Klein aus Kirchheim muss nur noch sieben Sekunden still sitzen für ihr historisches Foto. „Zehn Minuten ist die Platte lichtempfindlich, dann wird sie träge“, schilderte Michels. Mit der Fotografie sei es wie mit einem Sonnenbrand. Dort, wo die Sonne auf die Haut strahle, werde sie irgendwann rot. Wo die Haut aber geschützt sei, passiere nichts. So verhalte es sich auch mit der Platte und der Kamera, erklärte der Experte den kleineren Museumsgästen.

Workshops für historische Fotografie

Die historische Fotografie sei seine Liebhaberei, sagt der Dozent, Autor und Werbetexter. „Ich habe schon Vitamin D- Mangel, weil ich mich zu oft in der Dunkelkammer aufhalte“, sagte Michels und lacht. Der 48-Jährige, der bereits ein Buch mit dem Titel „Das Kollodium – Handbuch der modernen Nassplattenfotografie“ herausgebracht hat, arbeitet derzeit an einem weiteren Buch über einen bekannten Pflanzenfotografen. Zudem bietet der Schweizer Workshops für historische Fotografie an, die Termine sind auf seiner Internetseite unter www.fotokultur.ch zu finden.




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