Fotoprojekt aus Remshalden Gewagtes Shooting über den Dächern

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Vom James-Brown-Saxofonisten bis zum Schulkind: Peter Schuster will die Einwohner von Remshalden porträtieren. Ein Besuch bei einem actiongeladenen Fototermin.

Über den Dächern von Waiblingen: Der Fotograf Peter Schuster und seine Models von der Parkour-Gruppe Obstac. Foto: Michael Steinert 13 Bilder
Über den Dächern von Waiblingen: Der Fotograf Peter Schuster und seine Models von der Parkour-Gruppe Obstac. Foto: Michael Steinert

Remshalden/Waiblingen - Zerborstene Fenster, verwitterter Backstein. Rings um das ehemalige Ziegelwerk Hess am Stadtrand von Waiblingen stehen alte Industrie- und Landwirtschaftsgebäude – normalerweise ist hier nicht viel los. Doch plötzlich regt sich etwas auf dem Dach der einstigen Fabrik: Acht junge Männer gehen im wahren Wortsinn die Wände hoch, schlagen aus dem Stand Salti, balancieren waghalsig am Abgrund entlang. Mittendrin: der Remshaldener Fotograf Peter Schuster. Seine Zeit drängt: Die Sonne senkt sich über den Dächern, und er braucht noch den einen, besonderen Shot.

Seine acht Modelle gehören zu der Gruppe Obstac Parkour & Freerunning. Er selbst hat sich zum Ziel gemacht, die Einwohner seiner Heimatgemeinde zu porträtieren. Im Juli eröffnet eine Ausstellung mit seinen Bildern im Remshaldener Rathaus. Schuster will mit seinen Bildern zeigen, was für unterschiedliche Charaktere die kleine Kommune bevölkern. Promis und Normalbürger standen schon für das Projekt vor der Linse: Von Sir Waldo Weathers, dem Ex-Saxofonisten von James Brown, über die Westernreiterin Silke Woitaschek, den Bürgermeister Stefan Breiter, die U-20-Kugelstoß-Weltmeisterin Alina Kenzel bis hin zu Schulkindern.

Rund 40 willkürlich ausgewählte Remshaldener will der Fotograf für sein Projekt sammeln, die meisten hat er schon beisammen. Selbst der Klerus entging dem Fotografen nicht: Den katholischen Pfarrer Ludwig Mattes lichtete Schuster mit einer aufblasbaren E-Gitarre und auf Rollschuhen ab. Dem Geistlichen ist der Spaß auf den Bildern deutlich anzusehen. Schuster erinnert sich lachend: „Der Vorschlag mit den Rollschuhen kam von ihm selbst – und auch die Idee, sich hinten an das Fahrrad einer Nonne zu hängen.“ Den Part der Nonne hatte beim Shooting Mattes Sekretärin übernommen. Ein wenig Wehmut dürfte für einige Remshaldener mitschwingen, wenn sie die Bilder betrachten: Der lockere Pfarrer ist seit diesem Jahr für das Seelenheil in einem Bezirk in Stuttgart zuständig.