Fotos von Helmut Newton Newtons Frauenbilder auf einer Berliner Mauer

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Vor 100 Jahren wurde Helmut Newton in Berlin geboren. Zum Geburtstagsjubiläum des berühmten Fotografen gibt’s eine Ausstellung unter freiem Himmel und eine Neuauflage seines „Sumo“-Fotobuches.

Helmut Newton: Amica, Milan, 1982. Auch dieses Foto ist auf der Mauer in Berlin in einer Freiluftausstellung zu sehen. Foto: Helmut Newton Estate/Helmut Newton 10 Bilder
Helmut Newton: Amica, Milan, 1982. Auch dieses Foto ist auf der Mauer in Berlin in einer Freiluftausstellung zu sehen. Foto: Helmut Newton Estate/Helmut Newton

Berlin - Sie sind verführerisch, nachdenklich, cool, sie rauchen. Oft sind sie nackt. Frauen, wie der Fotograf Helmut Newton sie sah, sind starke Wesen, bewundernswert, manchmal beängstigend. Mit provokativen Akt-Fotografien spielte Newton mit Tabus. Es funktionierte, unter anderem bezeichnete die Feministin Alice Schwarzer Newtons Bilder als sexistisch.

Helmut Newton wurde am 31. Oktober 1920 als Sohn eines jüdischen Knopffabrikanten in Berlin geboren, 1938 floh er vor den Nationalsozialisten nach Singapur und später nach Australien. Er starb als einer der berühmtesten Fotografen der Welt am 23. Januar 2004 in Los Angeles.

Der vielfach ausgezeichnete Fotograf arbeitete für alle großen Modezeitschriften; Hollywood-Größen, Künstler, Musiker, Schriftsteller ließen sich von ihm fotografieren, von Liz Taylor bis Andy Warhol.

Newtons Fotografien auf einer Wand in Berlin-Kreuzberg

Im Jahr 2003 gründete er die Helmut-Newton-Stiftung, sie präsentiert die fotografischen Werke von Helmut und June Newton. Zu Newtons 100. Geburtstag Ende Oktober beschenkt die Stiftung die Bürger von Newtons Geburtsstadt mit einer frei zugänglichen, draußen stattfindenden Ausstellung.

Rund 30 Motive werden auf einer 85 Meter langen Wand am Kraftwerk in Kreuzberg gezeigt. Darunter sind Frauen, die Bein zeigen, die Männer beißen, die lasziv posieren. Eine Feier des Lebens, übermütig, witzig, also ganz und gar nicht der aktuellen Welten-Stimmung entsprechend. Das macht sie umso sehenswerter.

Das teuerste Buch des 20. Jahrhunderts

Wer nicht in Berlin ist, dem bleiben Fotobände, die in den Verlagen Schirmer/Mosel und Taschen neu aufgelegt werden. Berühmt geworden ist im Jahr 1999 ist der Bildband „Sumo“ im Taschen-Verlag, und fast so stark wie ein Sumoringer musste man auch sein, um das gewichtige Werk zu stemmen: 50 mal 70 Zentimeter groß, rund 30 Kilogramm schwer war das Buch.

Herausgegeben in einer Auflage von 10 000 signierten und nummerierten Exemplaren, die schnell ausverkauft waren. Das Exemplar Nummer 1 kam im Jahr 2000 bei einer Auktion in Berlin für 620 00 DM, umgerechnet 310 000 Euro, unter den Hammer – es brach damals den Rekord für das teuerste Buch des 20. Jahrhunderts.

„Sumo“ erschein jetzt in einer Neuauflage

„Sumo“ wurde von June Newton herausgegeben. Anlässlich des 100. Geburtstages von Helmut Newton am 31. Oktober und des 40. Geburtstages des Taschen Verlages erscheint das Buch nun als kleinere Neuausgabe. „Baby Sumo“ ist halb so groß wie das Original, erscheint wiederum in einer Auflage von 10 000 Stück – für 1000 Euro pro Exemplar. Der französische Designer Philippe Starck hat dazu wieder den Buchständer entworfen, mit dem sich der Band ganz einfach präsentieren lässt, diesmal auf einem mitgelieferten Sockel.

Auch „Baby Sumo“ enthält eine Auswahl von über 400 Abbildungen, die das Schaffen des Fotografen in seiner Vielfalt dokumentieren. Nicht immer politisch korrekt, dafür oft ironisch wie das Model im Pelz, die Faust zum Arbeitergruß geballt. Oder mit schon fast pädagogischem Zeigefinger, betrachtet man die maximal ungesund aussehende Fußstellung in High Heels, die hier mit Röntgenblick verewigt ist.

Fotos von Lagerfeld und Liz T

Von Modeaufnahmen über Aktfotos (abgesehen von Schauspieler Helmut Berger und Modedesigner Gianni Versace fast immer Frauen), bis zu sensiblen Porträts von Schauspielerinnen wie Romy Schneider und der sehr jungen, sommersprossigen Isabelle Huppert, Designern wie Karl Lagerfeld (kokett seine Sonnenbrille hebend), Künstlern (Warhol, Dalí) und Architektinnen (Zaha Hadid!).

Manche Bilder zeigen, wie sich Helmut Newton von berühmten Hitchcock-Filmen Fotos inspirieren ließ. Fotos wie das von der Schauspielerin Liz Taylor mit Diamantenkette um den Hals und einem Papagei auf der Schulter – cool im Swimming-Pool posierend – beweisen auch, wie viel Humor der Fotograf hatte.

Info zur Ausstellung

Helmut Newtons 100. Geburtstag wird gefeiert. Die Berliner Helmut-Newton-Stiftung präsentiert vom 31. Oktober bis 8. November draußen die Ausstellung „Helmut Newton One Hundred“: Köpenicker Straße 70, Berlin. www.helmut-newton-foundation.org

Info zum Buch

Helmut Newton: BABY SUMO. Herausgegeben und überarbeitet von June Newton. Limitierte Ausgabe von 10 000 nummerierten Exemplaren, Höhe: 74 cm (mit Buchständer und Podest). 464 Seiten, 1000 Euro. Das Buch wird wird mit einem von Philippe Starck entworfenen Buchständer aus Edelstahl geliefert – einschließlich Sockel – und einem Booklet, das die Entstehungsgeschichte dieser außergewöhnlichen Publikation dokumentiert. www.taschen.com




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