Fragebogen: Leben im Lockdown Wenn ein Stuttgarter Superheld arbeitslos wird

Von Lena Hummel 

Wie erleben die Menschen den Teil-Lockdown? Unser Fragebogen will das erkunden. Heute: Benjamin Zimmer, der Stuttgarter im Superhelden-Kostüm. Eigentlich macht er Jung und Alt mit Selfies glücklich, jetzt ist er quasi arbeitslos.

Je voller die Straßen, desto besser läuft das Geschäft für den Mann im Superhelden-Kostüm. Die Pandemie macht in quasi arbeitslos – auch wegen des vorgeschriebenen Sicherheitsabstands (Archivbild). Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Je voller die Straßen, desto besser läuft das Geschäft für den Mann im Superhelden-Kostüm. Die Pandemie macht in quasi arbeitslos – auch wegen des vorgeschriebenen Sicherheitsabstands (Archivbild). Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Wie erleben die Menschen den Teil-Lockdown? Unser Fragebogen will das erkunden und erscheint in lockerer Folge – bis auf Weiteres...

Wieder Teil-Lockdown in Deutschland – wie geht’s Herr Zimmer?

Privat geht es mir gut, ich bin gesund. Aber was die Arbeit angeht, könnte es natürlich besser sein, da läuft derzeit quasi nichts mehr.

Und wie steht’s im Beruf?

Es kommen keine Buchungen rein und die Einkünfte aus der Straßenkunst gehen gegen Null. Zur Erklärung: Auf der einen Seite kann man mich als Superheld für Feiern oder als Promotion buchen. Weil das aber noch nicht zum Überleben reicht, mache ich auf der anderen Seite Straßenkunst. Das bedeutet, ich gehe in meinem Kostüm auf die Straße und lasse mich – meistens mit Kindern, manchmal aber auch mit Erwachsenen – fotografieren. Dafür bekomme ich dann eine Spende. Im Sommer bin ich als Spiderman, im Winter als Deadpool oder Batman unterwegs. Aber wegen des Virus halten die Leute Abstand – obwohl ich eine Maske trage, Straßenfeste – sonst eine sichere Einnahmequelle – fanden nicht statt, und ich glaube auch, dass die Leute gerade einfach sparen wollen.

Gibt es etwas, was Ihnen im Alltag gerade besonders hilft?

Mein 3D-Drucker. Mit dem arbeite ich gerade viel und versuche, eine Einnahmequelle zu generieren. Damit stelle ich Kostümteile, wie zum Beispiel Armschienen, Gürtel und Schwerthalterungen her. Bis jetzt mache ich das noch nicht geschäftsmäßig, das ist aber mein Ziel und ich habe auch schon ein paar Prototypen fertig.

Was wünschen Sie sich heute am meisten von Ihren Mitmenschen?

Dass sie sich nicht gegenseitig die Köpfe einschlagen. Es gibt die einen, die die Corona-Maßnahmen befürworten, und die anderen, die das nicht tun. Das wird aber nicht auf einer sachlichen Ebene ausgetragen, sondern die einen beschimpfen die anderen. Und das finde ich überhaupt nicht schön.

Irgendwann ist das Virus besiegt! Worauf freuen Sie sich für die Zeit danach schon jetzt am meisten?

Ich freue mich darauf, irgendwann wieder normal arbeiten und leben zu können. Ich freue mich, wenn die Menschen wieder aufeinander zugehen und keinen großen Bogen mehr um andere machen. Ich hoffe, es wird wieder so, wie es früher war.

Benjamin Zimmer (32) lebt in Stuttgart und ist in der Innenstadt längst als Superheld im Spidermann-, Batman- oder Deadpool-Kostüm bekannt.




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