Fragen Sie Dr. Ludwig Drohen bald Drohnen-Staus?

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Die neuen Fluggeräte machen nicht nur Spaß, sie sind auch sehr vielseitig. Doch nicht jedes Einsatzgebiet ist sinnvoll.

Guck mal, was da fliegt: eine Drohne im Polizeidienst.Foto: dpa

Stuttgart - Haben Sie etwa noch keine Drohne? Dann wird es höchste Zeit, in den nächsten Elektronikmarkt zu fahren und sich einen dieser schicken Quadrocopter zu sichern. Wer technisch etwas anspruchsvoller ist, kann dafür problemlos 5000 Euro und mehr hinblättern. Aber Moment mal – ist es nicht total antiquiert, sich in Zeiten des Online-Handels mühsam in ein stationäres Geschäft zu begeben? Allein die viele Zeit, die man braucht, um dorthin zu gelangen. Dann die vielen fremden Menschen, an denen man sich vorbeidrängeln muss – und nirgendwo ist zu lesen, was andere Kunden kauften, die sich für diesen Artikel interessierten.

Da ist es doch viel zeitgemäßer, das Fluggerät online zu bestellen. Aber auch hier von Fortschritt keine Spur. Wer bei Amazon eine Drohne ordert, bekommt irgendwann von einem mutmaßlich unterbezahlten Paketdienst-Mitarbeiter einen Karton vor die Tür gestellt und muss das Gerät dann erst mal einsatzbereit machen. Wir erinnern uns: Eigentlich wollte Amazon doch demnächst damit anfangen, besonders eilige Sendungen per Drohne an der Haustür abzuliefern – oder, wenn keiner da ist, in den Garten plumpsen zu lassen. Doch selbst das ist aus Sicht technikaffiner Kunden noch nicht das Optimum. Die einzig zufriedenstellende Lösung für diese wichtige Zielgruppe wäre eine Drohne, die sich selber zustellt.

Warnwesten sind keine Option

Immerhin werden die Dinger immer schlauer. So arbeiten britische Wissenschaftler an Spezialdrohnen, die eines Tages selbstständig Schlaglöcher auf den Straßen finden und reparieren könnten. Dabei soll ihnen ein eingebauter 3-D-Drucker helfen, der die Löcher in null Komma nix wieder zuschmiert. Doch so sehr sich die Drohnen auch sputen mögen – es wäre nur eine Frage der Zeit, bis die erste von einem rücksichtslosen Autoraser über den Haufen gefahren würde. Dass die Fluggeräte während der Arbeit orangefarbene Warnwesten tragen, ist keine Option: Der Stoff würde sich in den Rotorblättern verfangen. Der Straßenbaudrohne sollen nach den Vorstellungen der Forscher weitere Hightech-Apparate folgen. So soll eine autonome Drohne kaputte Straßenlaternen ausfindig machen und irgendwann auch mal reparieren. Unter der Erde sollen derweil Roboter die bekanntermaßen maroden britischen Rohrleitungen kontrollieren und bei Bedarf instand setzen.

Ein viel diskutiertes Einsatzgebiet der Drohnentechnik sind auch Lufttaxis, die Pendler staufrei von A nach B bringen sollen. Digital-Staatsministerin Dorothee Bär von der CSU glaubt sogar, dass wir schon in fünf Jahren unsere Brötchen per Flugtaxi holen werden. Dass die Politikerin in ein Start-up-Unternehmen für ebensolche Flugtaxis investiert hat, ist natürlich purer Zufall. Unabhängig davon könnten sich Kunden in einigen Jahren die Frage stellen, warum sie ihr vollvernetztes Digitalheim für so eine niedrige Tätigkeit wie Brötchenholen überhaupt verlassen sollen, wo das eine schlaue Drohne doch ganz von alleine erledigen könnte. Wenn der Ausbau des schnellen Internets nicht so langsam voranginge, könnten Bäcker ihre Produkte auch durchs Netz jagen. Dann gäbe es jeden Morgen frische Brötchen aus dem 3-D-Drucker.

Noch keine Alternative für Pendler

Wenn man sich vorstellt, dass all die Pendler, die sich heute in ihren Autos über verstopfte Straßen quälen, künftig durch die Lüfte schweben, könnte es über den großen Städten ziemlich eng werden. Doch bis die Meldung „Drohende Drohnen-Staus“ über den Ticker läuft, dürften noch ein paar Jährchen vergehen. Der Flugzeugexperte Florian Holzapfel von der TU München schätzt die Kosten für so ein Gerät derzeit auf 250 000 bis 500 000 Euro.

Auch Drohnen zum Warentransport werden sich nur langsam durchsetzen. Zur sofortigen Belieferung eines Amazon-Kunden, der um Mitternacht noch ganz schnell eine neue Zahnbürste braucht, wird sich ihr Einsatz vielleicht nie lohnen. Anders sieht es aus bei richtig teuren Transportgütern. So setzten Rauschgiftschmuggler schon heute auf Drogen-Drohnen. Online bestellen kann man bei entsprechenden Anbietern aber nur über das Darknet. Dreimal auf den Amazon-Prime-Button klicken, einen streng geheimen Code eingeben und warten, bis der Amazon-Crime-Button erscheint. Mit Doppelklick in den Warenkorb legen, bestätigen, fertig!