Fragen Sie Dr. Ludwig Taugen Algorithmen als Scherzkekse?

Ein Algorithmus kann eine Rechenoperation in einem Computer  sein oder auch eine ganz alltägliche Handlung – zum Beispiel die Zubereitung eines Spiegeleis. Foto: plainpicture
Ein Algorithmus kann eine Rechenoperation in einem Computer sein oder auch eine ganz alltägliche Handlung – zum Beispiel die Zubereitung eines Spiegeleis. Foto: plainpicture

Rechner werden immer schlauer. Manche versuchen sogar, Spaß zu machen.

Wirtschaft: Werner Ludwig (lud)

Stuttgart - Wir sind umgeben von Algorithmen. Sie ermitteln zum Beispiel die Ticketpreise der Lufthansa – die nach der Air-Berlin-Pleite überraschenderweise gestiegen sind. Das sei aber völlig in Ordnung, weil die Maschine nach streng objektiven Kriterien vorgehe, heißt es bei der Lufthansa. Algorithmen entscheiden auch über Käufe und Verkäufe an der Börse, Produkte, die uns bei Amazon angeboten werden, oder darüber, welche Einträge es auf der Google-Trefferliste nach oben schaffen. In den USA überlässt man ihnen sogar die Entscheidung darüber, ob Straftäter auf Bewährung freikommen. Auch die moderne Arbeitswelt tickt längst im Rhythmus der Algorithmen.

Allerdings wissen viele nicht so genau, was das eigentlich ist, ein Algorithmus. Die Kollegen kann man schlecht fragen, weil das irgendwie peinlich wäre – und die Einladung zum nächsten Treffen der Anonymen Algorithmiker können nur hochbegabte Hacker entziffern. Dabei ist das mit den Algorithmen gar nicht so schwer – zumindest im Prinzip. Ein Algorithmus ist eine detaillierte Anweisung zur Lösung eines Problems. Er besteht aus einer bestimmten Zahl genau definierter Schritte. Das können Rechenoperationen in einem Computer sein oder auch ganz alltägliche Handlungen wie die Zubereitung eines Spiegeleis (1. Kühlschrank öffnen, 2. Prüfen, ob Eier da sind 3. Falls Eier da sind: eines rausnehmen und in die Pfanne hauen. Falls keine da sind: zum Supermarkt an der Ecke gehen – und so weiter). Vertreter der künstlichen Intelligenz (KI) programmieren Algorithmen so, dass diese aus Fehlern lernen – und so eine bestimmte Aufgabe immer besser erledigen. Bei lernenden Systemen verstehen allerdings bisweilen selbst die Entwickler nicht mehr genau, warum ihr Programm auf dieses oder jenes Ergebnis gekommen ist.

Computer sind hocheffiziente Spaßbremsen

Manche träumen davon, dass Computer bald so schlau sein könnten wie Menschen. Immerhin brachte sich kürzlich eine Software namens Alpha Zero selbst das Schachspiel bei und schlug das bisher weltbeste Schachprogramm – gegen das Menschen schon bisher keine Chance hatten. Allerdings können die hochspezialisierten Rechenknechte nicht einen Nanometer über ihren Tellerrand hinausblicken. Kleinste Veränderungen bringen sie aus dem Konzept – wenn etwa ein Objekt, für dessen Erkennung sie trainiert wurden, plötzlich auf dem Kopf steht.

Doch davon lassen sich KI-Fans nicht bremsen. Manche arbeiten sogar an Algorithmen, die Humor erkennen oder selbst erzeugen sollen. So legte ein Team aus Virginia einem Algorithmus ein paar Tausend nette Bildchen vor, die mit dem Zeichenprogramm Clip-Art erstellt worden waren und deren Lustigkeit zuvor von Menschen beurteilt wurde. Als lustig galt etwa, wenn Hunde am gedeckten Tisch speisen, während Menschen in Hundekörben am Boden sitzen – wenn sich Objekte also nicht dort befinden, wo sie eigentlich hingehören. Nach etlichen Trainingsrunden schaffte es der Algorithmus tatsächlich, die Lustigkeit der Bildchen in vielen Fällen richtig einzuschätzen. Allerdings gelang es dem System nur in 28 Prozent der Fälle, die Bilder so zu verändern, dass mehr Versuchspersonen darüber lachten als zuvor. Wenn es darum ging, den Lachfaktor zu verringern, lag die Erfolgsquote dagegen bei sensationellen 95 Prozent. „Das wahre Talent der Maschine lag darin, lustige Szenen unlustig zu machen“ schrieb ein Online-Technikportal.

Mit anderen Worten: Computer sind offenbar hocheffiziente Spaßbremsen – zumindest wenn es um visuellen Humor geht. Bei Sprachwitzen, die mit ähnlich klingenden Worten unterschiedlicher Bedeutung spielen, landen sie dagegen bisweilen überraschende Zufallstreffer – nach dem Muster: „Was macht ein Clown im Büro? Faxen!“ – „Faxen? Muss dass nicht Twittern heißen?“, fragt der in puncto Technik stets top informierte Redaktionsalgorithmus – und schon ist der ohnehin ziemlich flache Gag komplett hinüber. Vielen Dank auch für die freundliche Hilfe! Aber Ironie versteht dieser digitale Besserwisser ja erst recht nicht.

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