Fragen Sie Dr. Ludwig Was haben Kühe im Cyberspace zu suchen?

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Vor lauter neuen Trends verliert man langsam den Überblick. Doch es gibt ein wirksames Gegenmittel.

Wer sagt eigentlich, dass nur Menschen eine Virtual-Reality-Brille tragen können? Foto: dpa
Wer sagt eigentlich, dass nur Menschen eine Virtual-Reality-Brille tragen können? Foto: dpa

Stuttgart - Es ist schon seit Längerem bekannt, dass die Musikrichtung im Melkstand einen Einfluss auf die Milchleistung von Kühen haben kann. Entspannte Klassikklänge lassen die Milch demnach reichlicher fließen als etwa düstere Heavy-Metal-Kompositionen. Dass bei bestimmten Free-Jazz-Stilen die Milch bereits im Euter sauer wird, ist dagegen nur ein Gerücht.

Vor dem Hintergrund der positiven Erfahrungen mit der artgerechten Beschallung von Rindviechern wollen russische Agrarexperten nun einen Schritt weiter gehen und die Tiere auch mit optischen Reizen ansprechen. Dazu setzen sie Kühen im Rahmen eines Pilotprojekts übergroße Virtual-Reality-Brillen auf, in die Bilder einer frischen Sommerwiese projiziert werden. Die ersten Ergebnisse sind offenbar ermutigend. Jedenfalls berichtet das Landwirtschaftsministerium von einem „Rückgang der Angstzustände“ bei den Tieren. Außerdem habe sich die Stimmung in der Herde verbessert. Nun soll untersucht werden, wie sich die VR-Brillen auf Milchqualität und -menge auswirken. Tierschützer sehen des Projekt indes kritisch. Sie halten es für falsch, Kühen eine heile Scheinwelt vorzuspiegeln, während sie in Wirklichkeit in einer ausgetrockneten Steppe oder in einem viel zu engen Stall ohne Tageslicht stehen.

Neue Perspektiven für Büroplaner

Die virtuelle Realität eröffnet nicht nur Tierhaltern neue Perspektiven, sondern auch Büroplanern. Statt viel Geld für aufwendig gestaltete Innenräume auszugeben, wird den Beschäftigten künftig per VR-Brille ein angenehmes Arbeitsumfeld auf die Netzhaut gebannt, das sich zudem fast ohne Mehrkosten individuell gestalten lässt. Wer will, kann zum Beispiel sein Tagwerk an einem virtuellen Südseestrand verrichten – mit mutmaßlich positiven Auswirkungen auf die Arbeitsleistung. Doch die Durchdigitalisierung des Alltags hat auch ihre Schattenseiten. So beklagen Psychologen, dass viele Menschen angesichts der permanenten Reizüberflutung durch Messenger-Dienste, soziale Medien und Mails sich immer schwerer täten, auf die Reize einzulassen, denen sie gerade ausgesetzt sind. Schließlich wartet gleich um die Ecke schon der nächste digitale Kick.

Besonders ausgeprägt ist diese Entwicklung – wie so oft – im Silicon Valley. Kein Wunder, dass die Nerds aus Kalifornien auch gleich den passenden Gegentrend in die Welt gesetzt haben: Dopaminfasten – der legale Nachfolger des Digital-Detox-Trends, der uns so geistreiche Dinge wie die Nichterreichbarkeits-App fürs Smartphone beschert hat – als Hightech-Alternative zum profanen Ausschalten des Geräts.

Dopaminfasten statt Meditation

Jetzt also Dopaminfasten. Dopamin wird im Gehirn ausgeschüttet, wenn wir positive Gefühle erleben – sei es durch schöne Musik, eine erledigte Aufgabe, gutes Essen oder Sex. Das Hormon ist Teil des Belohnungssystems. Wird dieses allerdings zu oft aktiviert, steigt die Reizschwelle. Deshalb sei es wichtig, so die Idee, den Dopaminspiegel hin und wieder zu senken. Das wiederum funktioniert am besten, wenn äußere Stimuli komplett ausgeblendet werden. Dopaminfastende verzichten deshalb nicht nur auf Smartphone, Laptop und Push-Mitteilungen, sondern auch auf aromatisches Essen und Getränke. Sie trinken nur Wasser, schränken ihre sozialen Kontakte ein und vermeiden Augen- und Körperkontakt. Früher nannte man das Meditation, aber auch der älteste Wein braucht ab und zu einen neuen Schlauch.

Gleichzeitig steigt die Zahl derer, die es leid sind, ständig dem angeblich neuesten Trend hinterherhecheln zu müssen. Für diese Zielgruppe stellen wir hier exklusiv etwas völlig Neues vor: Trendfasten – oder noch besser: Trend Detox. Die Regeln sind denkbar einfach: Sich selber fragen, was man wirklich will – und es dann einfach tun. Wer daraus auch schon wieder einen Trend machen will, darf das gerne tun. Aber nicht mehr in diesem Text.

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