Fraktion gegen Ministerin Bauer Krach um Gentechnik bei den Grünen

Ärger mit der Landtagsfraktion: Ministerin Theresia Bauer Foto: dpa/Christoph Schmidt

Gentechnik auf dem Acker und sogar Freilandversuche will Wissenschaftsministerin Bauer fördern. Damit bringt sie viele Grünen-Abgeordnete gegen sich auf, die darin einen Verrat an grünen Grundsätzen sehen.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)

Stuttgart - Zwischen Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) und den Landtags-Grünen ist ein scharfer Konflikt um die Nutzung von Gentechnik in der Landwirtschaft entbrannt. Anlass ist ein neues Förderprogramm, mit dem Bauer die Forschung zu neuen gentechnischen Methoden voranbringen will. Damit sollen ausdrücklich auch Freisetzungsversuche unterstützt werden, die die Grünen bisher strikt ablehnen. Nach massiven Protesten aus der Landtagsfraktion hat das Ministerium die Ausschreibung inzwischen von seiner Homepage entfernt.

 

Ein Sprecher der Fraktion bestätigte den Konflikt. Es sei kein Geheimnis, dass Bauer „die Potenziale der neuen grünen Gentechnik in den Mittelpunkt rückt“. Die Fraktion sehe hingegen „Risiken und Folgen der Gentechnik“ und lehne Freisetzungsversuche daher ab. Diese widersprächen insbesondere dem grünen Bekenntnis zur ökologischen Landwirtschaft.

Freisetzung „besonders heikles Thema“

Die Absage an Gentechnik in der Landwirtschaft gehört bisher zu den grünen Grundpositionen. Aus der Riege der Abgeordneten wurde Unverständnis darüber geäußert, dass die Ministerin diese preisgeben wolle; dies sei instinktlos. Auch die grünen-geführte Landesregierung setzt sich seit Jahren für ein „gentechnikfreies Baden-Württemberg“ ein. Gentechnik auf dem Teller werde von der großen Mehrheit der Bürger abgelehnt, hieß es stets.

Eine Sprecherin Bauers verwies auf die laufende Debatte über Chancen und Risiken der neuen Gentechnik auch bei den Grünen. Ziel des Förderprogramms sei es, diese fachübergreifend zu untersuchen. In der Fraktion gebe es „viele Abgeordnete, die Bedenken haben“, bestätigte sie; die Freisetzung sei „ein besonders heikles Thema“. Die Fraktion habe das Ministerium daher gebeten, „eine Präzisierung der Ausschreibung“ vorzunehmen. Nun seien weitere Gespräche geplant.

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