Stuttgart - Wenn die CDU-Fraktion im Stuttgarter Landtag an diesem Dienstag ihr turnusmäßiges Treffen beendet, können die Abgeordneten gleich sitzen bleiben. Direkt im Anschluss erwartet sie erstmals eine Fortbildung, die es künftig regelmäßig geben soll. Zwei kundige Mitarbeiter bitten dann zum „Social Media Coaching“, unterweisen die Parlamentarier also im Umgang mit Facebook, Twitter, Youtube und Instagram. Zum Auftakt gibt es stets einen Kurzvortrag, dann werden Fragen beantwortet.
Die Nachhilfe ist dem Vorsitzenden Wolfgang Reinhart so wichtig, dass er seine Kolleginnen und Kollegen persönlich dazu eingeladen hat. „Auch wir als CDU-Landtagsfraktion müssen uns auf die veränderte digitale und schnelllebige Welt einstellen“, schrieb er in einer Rundmail. Das verlange gute Vorbereitung. „Nur wer die vielen Instrumente . . . kennt und von der Reichweite strategisch einordnen kann, spielt auf der Klaviatur mit.“ Zuletzt habe sich das bei dem Video des Youtubers Rezo („Die Zerstörung der CDU“) gezeigt. Die hilflose Reaktion der Bundespartei darauf wurde auch in der Landtags-CDU sorgenvoll quittiert. „Gerne möchten wir Euch beim Eintauchen in die digitale Welt unterstützen“, verblieb der Fraktionschef.
Online-Muffel gibt es nur noch vereinzelt
Seine Diktion klang ein wenig nach dem „Neuland“, zu dem Bundeskanzlerin Merkel das Internet einst erklärt hatte. Doch für die Landtags-CDU ist es keine fremde Welt mehr. Online-Muffel gibt es unter den 43 Abgeordneten zwar noch vereinzelt, aber die meisten nutzen die digitalen Kanäle inzwischen zur Kommunikation – teils eher pflichtschuldig, teils versiert und begeistert. Vom Alter hängt das übrigens nicht ab: Auch bei den über 60-Jährigen tummeln sich manche emsig auf Facebook, nur einer schwört angeblich noch aufs Faxgerät. Die Jüngeren sind ohnehin mehr on- als offline. Ein großer Bildschirm auf der Fraktionsebene dokumentiert neuerdings die Social-Media-Aktivitäten, auch als Ansporn für die noch Zögerlichen.
Als solchen will Reinhart offenbar auch die Fortbildung verstanden wissen. Das Angebot sei „sehr gut aufgenommen worden“, verlautet aus der Fraktion, bei der Premiere am Dienstag rechne man mit 20 bis 30 Teilnehmern.