Fraktions- und Parteivorsitz Wolf kann Forderungen stellen

Landtagspräsident Guido Wolf Foto: dpa
Landtagspräsident Guido Wolf Foto: dpa

Mit dem Vertrauen der Parteibasis ausgestattet, wird Guido Wolf für die Südwest-CDU in den Wahlkampf ziehen. Doch reicht ihm das schon - oder strebt er auch den Fraktions- und Parteivorsitz an?

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Stuttgart - Die Südwest-CDU ringt um ihre personelle Neuaufstellung zur Landtagswahl 2016. Es gilt als wahrscheinlich, dass der designierte CDU-Spitzenkandidat, Guido Wolf (53), den Vorsitz der Partei, der Landtagsfraktion oder beides haben will, um sich im Wahlkampf gegen Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) profilieren zu können. Sowohl Landeschef Thomas Strobl als auch Fraktionschef Peter Hauk zeigten sich am Montag bereit, in Gesprächen eine gemeinsame Lösung zu finden. Wie diese aber aussehen könnte, dazu hielten sich alle drei zunächst bedeckt.

Hauk sagte, so wie die Partei während der Mitgliederbefragung über den Spitzenkandidaten geschlossen gewesen sei, so müsse sich nun auch die Führung geschlossen zeigen. Hingegen hatte der Fraktionschef noch am Freitag betont, dass er bis zum Ende der Legislaturperiode gewählt sei. Wolf hatte das Basisvotum gegen CDU-Landeschef Thomas Strobl gewonnen. Hauk sagte, er habe mit Wolf und Strobl vereinbart, dass man sich am Rande des CDU-Bundesparteitags in Köln besprechen wolle.

Auf dem Parteitag, der an diesem Dienstag offiziell beginnt, will sich Strobl trotz seiner Schlappe bei der Mitgliederbefragung wieder als stellvertretender Bundesvorsitzender zur Wahl stellen. Der CDU-Landesvorstand habe ihn einstimmig und völlig ohne Einschränkung nominiert, sagte der 54-Jährige der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. Aus CDU-Kreisen hieß es, es gehe jetzt erst einmal darum, dass Strobl in Köln ein gutes Ergebnis als Bundesvize bekomme. Danach wolle man sich mit weiteren Fragen beschäftigen.

Wolf-Anhänger in der Südwest-CDU halten es für sinnvoll, dass der designierte Spitzenkandidat sowohl Fraktionsvorsitz als auch Landesvorsitz übernimmt. Denn sonst sei Wolf immer in der Rolle des Bittstellers - entweder bei Hauk, wenn er im Landtag das Wort ergreifen wolle, oder bei Strobl, wenn es etwa um Kampagnen zur Landtagswahl gehe. Die Kräfte gegen die grün-rote Regierungsmacht mit ihrem Apparat müssten vereint werden. „Das ist ein Kampf von David gegen Goliath“, sagte ein CDU-Mann. „Wenn David beide Hände gefesselt werden, wie kann er dann seine Steinschleuder in Bewegung setzen?“

Strobls Zukunft sehen einige Unions-Politiker nun in Berlin, wo der 54-jährige Heilbronner Vize-Chef der Unions-Bundestagsfraktion und Vorsitzender der baden-württembergischen Bundestagsabgeordneten ist. Strobl brauche aber noch etwas Zeit, um sich nach der Niederlage vom Freitag gedanklich zu sortieren, hieß es. Strobl selbst meinte zu Vermutungen, dass Wolf ihm nun den Parteivorsitz streitig machen könnte: „Ich bin bis zum Jahr 2015 als Landesvorsitzender der CDU gewählt. Alles Weitere werden wir in den nächsten Tagen und Wochen in aller Ruhe und in aller Freundschaft miteinander besprechen.“

Einige CDU-Politiker in der 60-köpfigen Landtagsfraktion hadern seit längerem mit ihrem Fraktionschef Hauk - und sehen nun den Punkt gekommen, dass er abtreten muss. „Der Oppositionsführer muss der Spitzenkandidat sein“, sagte ein CDU-Politiker. Hauk habe nun die Chance, erhobenen Hauptes zu gehen. Spekulationen, er könne im Gegenzug den Posten als Landtagspräsidenten von Wolf übernehmen, wurden am Montag aber nicht bestätigt. Wolf will das Amt des Landtagspräsidenten abgeben, sobald er am 24. Januar vom Landesparteitag offiziell zum Spitzenkandidaten gekürt wurde.

Die Landes-CDU hatte den Ministerpräsidenten-Posten im Jahr 2011 an Kretschmann abgeben müssen. 2016 will sie wieder in die Regierungszentrale einziehen.

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