In der Landeshauptstadt arbeitet nach der Kommunalwahl weiterhin eine ökolinke Mehrheit im Gemeinderat. Fünf Einzelstadträte und die auf Anhieb mit zwei Bürgervertretern in den Rat einziehende Partei Volt werden teils heftig umworben oder suchen Anschluss. Die langjährige Stadträtin Laura Halding-Hoppenheit (80) trat für die neue Stuttgarter Liste an, kurz zuvor hatte sie als Linke das Linksbündnis aus SÖS, Linken, einem Piraten und Tierschützer verlassen. Nun erwägt die stadtbekannte Clublegende und LGBT- und AIDS-Aktivistin einen Wechsel, der für Diskussionen sorgen könnte.
Frau Halding-Hoppenheit, ihr Experiment mit der kurzfristig gegründeten Stuttgarter Liste ist nur bedingt geglückt, wie fühlen sie sich?
Ich freue mich, dass wir es in den Gemeinderat geschafft haben, denn da will ich weiterarbeiten. Aber unser Spitzenkandidat Andreas Winter hat es nicht geschafft, was mich sehr betrübt. Er hat in den letzten Jahren als Fraktionsvorsitzender der Grünen im Rat extrem viel vermittelt, auch über politische Ideologien hinweg.
Es wird mutmaßlich wieder zwei Fraktionsbündnisse im Rat als Anker und Organisationsplattform für Einzelstadträte geben. Nach ihrem Abschied im Streit beim Linksbündnis bliebe die Fraktion Puls?
Mir ist wichtig, dass ich jetzt parteifrei bleibe und nicht in Parteizwänge gehen muss. Ich will nicht mehr über meinen Schatten springen müssen, wenn ich meine Hand bei einer Abstimmung hebe. Ich schätze beim Fraktionsbündnis Puls persönlich zum Beispiel den früheren Linken-Stadtrat Christoph Ozasek, der jetzt für die Klimaliste wieder in den Rat einzieht, aber ich will nicht, dass die Stadtgesellschaft durch Demos zum Klimawandel zerrissen wird. Und ich klebe mich nicht auf die Straße.
Dann bliebe nur eine Fraktion, die das Adjektiv frei im Namen trägt, aber ist die mit der Programmatik der Stuttgarter Liste vereinbar?
Die Freien Wähler sind mir tatsächlich sehr sympathisch, die sind bürgernah, kulturaffin und verteufeln das Auto nicht, das würde also gut passen, vielleicht auch mit meiner Vorstellung, im Gesundheits- und Kulturausschuss und im Gleichstellungsbeirat zu wirken. Aber um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Es hat noch keine Gespräch gegeben.
Manche neu gewählten Bürgervertreter haben, wenn es nicht gepasst hat, den Notausgang genommen und erklärt, sie könnten das Amt nicht antreten.
Nein, einen solchen Handel, also aus vorgeschobenen Gründen den Platz für Andreas Winter frei zu machen, kann ich nicht eingehen. Ich bin gewählt worden, meinen Rückzug würde keiner meiner Wählerinnen und Wähler verstehen. Ich bin in der Verantwortung, dieses Amt anzutreten.