Framing Britney Spears Aus dem Star Britney wird der Fall Spears

Britney Spears 2003: Die Geste ihres Fahrers, halb Begrüßung der Paparazzi, halb Abwehr, symbolisiert das Problem des Starrummels. Foto: imago

Britney Spears war mal einer der größten Popstars. Seit 2008 steht sie unter Vormundschaft. Die Doku „Framing Britney Spears“ bei Amazon Prime fragt, warum eigentlich.

Stuttgart - Erfolg macht krank, Ruhm kaputt: diese Zerstörungsgeschichte lassen wir uns gerne erzählen. Weil sie das überhitzte Popgewerbe der Rund-um-die-Uhr-Image-Vermarktung zurechtrückt. Das Strahlen der Stars wäre demnach eine permanente Überforderung, die früher oder später leer saugt. Aber auch der Neid findet so Linderung: Die Glücklichen zahlen einen bitteren Preis für ihr Glück. Und kein Absturz war in diesem Jahrtausend spektakulärer als der von Britney Spears.

 

Prekäre Image-Schizophrenie

Die jetzt bei Amazon Prime zu sehende Dokumentation „Framing Britney Spears“ von Samantha Stark führt noch einmal vor Augen, wie folgerichtig ein seelischer Schaden von Spears zu sein scheint. Als sie im Frühjahr 1998 ihr erstes Album aufnimmt, ist sie 16 Jahre alt und verkörpert den totalen Widerspruch. Outfit und Subtexte mancher Songs bedienen das Klischee der Sexy-Hexy-Lolita aus Jungs- und Altherrenträumen, das restliche PR-Bild aber betont das nette Mädchen von nebenan, das bis zur Heirat Jungfrau bleiben will. Die Paparazzi lieben diese prekäre Schizophrenie, macht sie doch die kleinste Stilunsicherheit als Skandal vermarktbar. Spears wird jahrelang so von der Boulevardmeute bedrängt, dass ein normaler Mensch Amok laufen würde. Wenn Spears auch nur wütend wird, flitzen die Bilder als Dokumente angeblichen Irrewerdens um die Welt. Dass Beziehungen in die Brüche gehen, dass Spears eine Weile zum Partyfeger wird, dass sie einen Kampf ums Umgangsrecht mit ihren Kindern führt – das wird vom Druck des gruseligen Boulevards nicht nur ausgeschlachtet, sondern mitbestimmt.

Britneys Fans gegen Britneys Vater

Aber „Framing Britney Spears“ läuft eben nicht aufs Fazit hinaus, der Popstar sei 2008 zu Recht unter die bis heute anhaltende Vormundschaft ihres Vaters und eines Anwalts gestellt worden. Der von der „New York Times“ produzierte Film, in dem die Popkritiker der US-Zeitung interessante Lesarten der Karriere bieten, beginnt mit der „Free Britney“-Bewegung. Fans auf der ganzen Welt sind davon überzeugt, Spears werde von ihrem Vater ausgenutzt und ihrer Rechte beraubt.

Der Vater und andere Menschen aus Spears’ aktuellem Umfeld haben, anders als Freunde und Mitarbeiter von früher, Interviewanfragen abgelehnt. Vielleicht soll endlich Spears’ Privatsphäre geschützt werden, vielleicht aber will man kritischen Nachfragen ausweichen. Was bleibt, ist der Eindruck eines Regenbogenmedienmonsters, das brutal in ein Leben hineingegriffen und Abwehrversuche als krankhafte Zickigkeit vermarktet hat.

Verfügbarkeit: bei Amazon Prime Video bereits abrufbar.

Weitere Themen