Mehr Französisch braucht das Land

Benjamin Thurottes Humor kommt auch ohne Sprachkenntnisse an. Foto: Alexandra Belopolsky
Benjamin Thurottes Humor kommt auch ohne Sprachkenntnisse an. Foto: Alexandra Belopolsky

Benjamin Thurotte will den Schülern des Neuen Gymnasiums in Feuerbach mit Temperament und Begeisterung Lust auf Französisch vermitteln

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Stuttgart-Feuerbach - Benjamin Thurotte hat ein Geheimnis. Er will nicht, dass die Fünftklässler des Neuen Gymnasiums Feuerbach, vor denen er steht, wissen, dass er eigentlich auch Deutsch kann. „Bonjour!“, begrüßt er die Kinder, die überwiegend noch nie ein Wort Französisch gesprochen haben. Und er fängt sofort an, mit der Klasse „Galgenmännchen“ auf Französisch zu spielen. Die Schüler rufen ihm Buchstaben zu und sollen dadurch seinen Namen erraten. Eine gute Gelegenheit, um ihnen zu erklären, dass mancher Buchstabe, wie zum Beispiel das J, im Französischen anders heißt und anders ausgesprochen wird als im Deutschen.

Vor allem aber geht es Thurotte um die Lust an der Fremdsprache. „Das Ziel ist es, zu zeigen, dass Französisch Spaß machen kann“, sagt der 30-jährige Franzose. Seit September ist er als Lektor von „FranceMobil“ in Baden-Württemberg unterwegs. Mit seinem Kleinbus, jeder Menge Unterrichtsmaterialien und Spielzeug fährt er noch bis Juli von Schule zu Schule. Das „FranceMobil“ ist ein Projekt des Deutsch-Französischen Jugendwerks (DFJW), des Institut français und der Robert-Bosch-Stiftung. Es soll Schüler ermuntern, Französisch als Fremdsprache zu wählen. Thurotte ist einer von zwölf jungen Leuten aus Frankreich, die ein Stipendium bekommen haben, um deutsche Kinder für die Sprache von Albert Camus, Louis de Funès und Stromae zu begeistern. Ein Jahr lang reisen die Stipendiaten durch Deutschland und werben bei Kindern und Jugendlichen für die französische Sprache und Kultur.

Thurottes Charisma ist ansteckend

Am Neuen Gymnasium Feuerbach stehen für Thurotte an diesem Morgen vier Klassen an, eine nach der anderen. Thurottes Charisma ist ansteckend, man merkt ihm an, dass er gern unterrichtet. Mit breitem Lächeln fragt er: „Tu habites où?“ Wo wohnst du? „Moi, j’habite à Stuttgart“, antwortet ihm ein Junge, der diesen Satz erst vor zehn Minuten gelernt hat. „Pas Tokyo? Pas Paris? Pas Miami?“, hakt Thurotte nach – und alle lachen.

Den Kontakt zum „FranceMobil“ hat die Lehrerin Andrea Sambeth hergestellt. Sie findet es wichtig, dass Kinder wieder mehr für Fremdsprachen wie Französisch begeistert werden. Denn nach ihrem Eindruck nimmt die Lust der Schüler an Fremdsprachen immer mehr ab: „Viele Schüler wollen keine weiteren Sprachen mehr lernen. Sie sagen, dass Englisch reichen würde, da heutzutage sowieso alle Englisch könnten.“ Dass Französisch als vergleichsweise mühsam zu lernende Sprache gilt, macht die Sache nicht besser.

Nicht für alle sind Sprachen die richtige Wahl

Darüber hinaus sind nicht alle Schüler mit einer hohen Auffassungsgabe in Sachen Fremdsprachen gesegnet. Ein Junge aus der 5c regt sich während des Unterrichts immer wieder über die für ihn knifflige Aufgabenstellung auf: „Waaaaas?! Das ist ja übel!“, ruft er, als Thurotte die Schüler damit beauftragt, Bilderkärtchen den entsprechenden Worten zuzuordnen. Dass „la classe“ ausgerechnet Schulklasse bedeutet, erschließt sich wohl nicht jedem von allein.

„Nicht für alle sind Sprachen die richtige Wahl“, sagt Thurotte. „Ich versuche aber, ihnen zu zeigen, dass Französisch nicht nur eine Schulaufgabe sein kann, sondern auch ein Kommunikationsmittel.“ Als Thurotte am Ende in die Runde fragt, wer nächstes Jahr Französisch wählen würde, heben fast alle Kinder ihre Hände – inklusive des Jungen aus der 5c, der Französisch wohl gar nicht mehr so übel findet.




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