Frank Feils Hightech-Eigenheim Hausgemachter Strom

Frank Feil vor seinem Eigenheim in Mühlacker. Den Elektro-BMW nutzen der 34-Jährige und seine Frau in einem Umkreis von 50 Kilometer – sowie als zusätzlichen Stromspeicher. Foto: Gottfried Stoppel

Frank Feils Einfamilienhaus produziert mehr Energie, als es verbraucht. Rund 50 000 Euro hat der Bauherr für eine Fotovoltaikanlage samt Stromspeicher ausgegeben. Lohnt sich diese Investition nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich?

Reportage: Frank Buchmeier (buc)

Mühlacker - Frank Feil ist kein klassischer Öko in selbst gestricktem Pulli und Birkenstock-Sandalen, sondern eher das Gegenteil. Er fährt gerne mit 180 auf der Autobahn, besitzt das neueste iPhone und macht vermutlich auf Wahlzetteln sein Kreuzchen nicht bei den Grünen. Fahrverbote findet er blöd, „weil sie vor allem die sozial Schwachen treffen, die sich irgendwann in gutem Glauben einen Diesel gekauft haben“. Als selbstständiger Social-Media-Berater ist der 34-Jährige viel unterwegs. Regelmäßig fliegt er von Stuttgart zu einem Geschäftspartner nach Berlin, „weil das viel schneller geht, als wenn ich Bahn fahren würde, und zudem noch deutlich billiger ist“. Und wenn er eine komplette Kameraausrüstung zu einem Kunden mitnehmen muss, lädt er sie in den Kofferraum seines Volvo.

 

Kürzlich war er mit dem gut zwei Tonnen schweren SUV zu Dreharbeiten in Karlsruhe und fand anschließend einen Zettel mit der Aufschrift „Klimakiller“ hinter dem Scheibenwischer. „Das hat mich geärgert“, sagt Feil. „Diese Leute wissen nichts über meine Lebensumstände, aber verurteilen mich.“ Fakt sei: Er habe sich schon Gedanken gemacht, wie man möglichst viel Kohlendioxid einsparen könne, bevor es die Fridays-for-Future-Bewegung überhaupt gab. „Jeder sollte im Rahmen seiner Möglichkeit etwas gegen den Klimawandel unternehmen. „Und ich leiste meinen Beitrag, indem ich die Energiewende mitgestalte.“

Der persönliche CO2-Fußabdruck

Seit die junge Schwedin Greta Thunberg weltweit Massenproteste ausgelöst hat, bekommt man ständig zu hören, was man dafür tun kann, die klimaschädlichen Emissionen zu reduzieren: auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen, nicht mehr fliegen, kein Rindfleisch verspeisen. Nüchtern betrachtet erzeugen wir den größten Teil unseres persönlichen CO2-Fußabdrucks jedoch nicht durch Autofahrten, Fernreisen oder Besuche im Steakhouse, sondern in den eigenen vier Wänden: Rund ein Drittel aller Kohlendioxid-Emissionen deutscher Haushalte entfallen auf die Wohnung, vor allem auf Heizung und Warmwasser.

Anfang 2017 kauft sich Frank Feil mit seiner Frau Irina in Mühlacker ein Grundstück: 524 Quadratmeter auf einem ehemaligen Acker für rund 150 000 Euro, gerade mal hundert Meter entfernt fließt die Enz durch ein Landschaftsschutzgebiet. „Von Anfang an war es unser Ziel, möglichst energieeffizient zu bauen.“

Nach langer Recherche in Blogs und Foren findet Feil die aus seiner Sicht optimale Konfiguration: ein zweistöckiges Gebäude ohne Keller, massiv gemauert, Lüftungsanlagen in sämtlichen Zimmern, Wärmepumpe hinter der Garage, Fotovoltaik auf dem Satteldach, Stromspeicher im Waschraum, Fußbodenheizung unter den geölten Eichendielen. Im Februar 2019 ziehen Frank und Irina Feil in ihr neues Eigenheim ein.

Wie im Raumschiff Enterprise

Ein gutes Jahr später führt der stolze Bauherr durch sein Smarthome. Wenn Feil „Alexa, dunkel ein“ ruft, fahren die Rollläden runter, auf seinen Befehl „Alexa, spiel Gute-Laune-Pop“ lässt die digitale Sprachassistentin Ricky Martins „Livin’ la vida loca“ erklingen. Nette Spielereien. Sinnvoller erscheinen die untereinander intelligent vernetzten Elektrogeräte. So starten die Spülmaschine oder der Wäschetrockner erst dann, wenn sie von den Speicherbatterien gemeldet bekommen, dass genügend selbst erzeugter Strom vorhanden ist. Von jedem Ort aus kann der technikverliebte Feil seine Haustechnik überwachen und steuern, eine App auf seinem Smartphone macht’s möglich.

Das alles erinnert an Raumschiff Enterprise, aber ist es auch nachhaltig? „Aber sicher“, sagt Feil und präsentiert auf einem iPad seine persönliche Energiebilanz. „In den ersten zwölf Monaten haben wir 29 000 Kilowattstunden regenerativen Strom erzeugt und somit etwa 13,7 Tonnen CO2 vermieden.“ Theoretisch könnte Feils Fotovoltaikanlage den Energiebedarf von acht Dreipersonenhaushalten decken. In der Praxis muss er im Winter, wenn die Sonne selten scheint, zusätzlich Ökostrom aus Wasserkraft von den Stadtwerken beziehen. „Aufs ganze Jahr betrachtet liegt unsere Autarkiequote bei 83 Prozent“, bilanziert er.

Der Energiebedarf im Zweipersonenhaushalt Feil ist beträchtlich. Wärmepumpe, Lüftungsanlage und Server fressen nahezu rund um die Uhr Strom, hinzu kommen kleinere Geräte von der Espressomaschine über die in allen Räumen verteilten WLAN-Lautsprecher bis hin zu den Saugrobotern, die täglich um Punkt zwölf piepend zu ihren automatischen Putzeinsätzen ausrücken. Und schließlich gibt es noch den BMW i3. Das Elektroauto nutzen Frank und Irina Feil für Fahrten in einem Umkreis von etwa 50 Kilometern um ihr Eigenheim. In der Garage wird es mit einer Schnellladestation verbunden, damit es seine Akkus vollsaugen kann.

Das Auto als fahrender Stromspeicher

So paradox es klingt: Umso mehr Energie das Ehepaar selbst verbraucht, desto wirtschaftlicher ist ihre Fotovoltaikanlage. Noch wird viel überschüssiger Strom, der in sonnigen Perioden produziert wird, ins öffentliche Netz eingespeist. Für eine Kilowattstunde bekommen die Feils 11,5 Cent gezahlt, an verregneten Wintertagen beziehen sie die Kilowattstunde indes für 30 Cent von den Stadtwerken.

Vor diesem Hintergrund würde sich der Freiberufler Frank Feil statt seines Diesel-Volvo auch gerne ein größeres Elektroauto zulegen – quasi als zusätzlichen fahrenden Stromspeicher. Dummerweise gibt es zurzeit mit dem Mercedes EQC, dem Audi e-Tron und dem Tesla Model X nur drei Fahrzeuge auf dem Markt, die genügend Platz für Feils Videoequipment oder – perspektivisch betrachtet – für einen Kinderwagen haben. Alle drei Modelle haben lange Lieferzeiten und sind nur für Leasingraten zu bekommen, die mindestens doppelt so hoch sind wie ein vergleichbarer Benziner. So wird sich Frank Feil wohl mit einem Kompromiss begnügen: Er will sich einen BMW 530e anschaffen, einen Plug-in-Hybriden mit überschaubaren 30 Kilometer rein elektrischer Reichweite.

Die neue Energiewelt ist kompliziert, ohne kundige Anleitung droht man rasch zu straucheln. Frank Feil möchte gern als Lotse helfen. Sein theoretisches Wissen und seine praktischen Erfahrungen teilt der Social-Media-Experte über Facebook, Twitter und einen Blog mit der restlichen Welt. Er will erreichen, dass möglichst viele Hauseigentümer seinem Vorbild folgen. „In acht von zehn Häusern arbeiten zurzeit noch klimaschädliche Öl- oder Erdgasheizungen“, sagt er. „Dabei gibt es nichts Umweltfreundlicheres als Wärmepumpen, die mit selbst erzeugtem Solarstrom betrieben werden.“ In Tübingen müssen nach einem Grundsatzbeschluss des Gemeinderats bereits alle Neubauten mit einer Fotovoltaikanlage ausgestattet werden. Derzeit prüft die Landesregierung, ob eine solche Vorschrift für ganz Baden-Württemberg erlassen werden könnte. „Das wäre ein wichtiger Schritt in Richtung Klimaschutz“, meint Feil.

Die Kosten-Nutzen-Rechnung

Natürlich gibt es auch Skeptiker. Ein hartnäckiges Gerücht ist, dass die Feuerwehr brennende Fotovoltaikanlagen wegen der anliegenden Stromspannung nicht löschen könne. „Blödsinn“, sagt Frank Feil und verweist auf die Website des Deutschen Feuerwehrverbands. Dort erfährt man, dass die Brandbekämpfer selbstverständlich nicht warten, bis die Solarmodule zu Asche geworden sind.

Schwieriger ist zu belegen, dass es sich nicht nur aus ökologischer, sondern auch aus ökonomischer Sicht lohnt, eigenen Sonnenstrom zu produzieren. Rund 50 000 Euro hat Feil für die Anlage ausgegeben. Nach seiner Berechnung amortisiert sich diese Investition in 13 Jahren. Allerdings, räumt Feil ein, besitze er „ein Grundvertrauen in moderne Technik“. So sei er überzeugt, dass die teuren Akkupakete, die den Solarstrom vom Dach aufnehmen und ihn nach Sonnenuntergang wieder ins Hausnetz abgeben, ihre Garantiezeit von zehn Jahren deutlich überleben. Keiner weiß, ob das zu optimistisch kalkuliert ist, weil Langzeiterfahrungen fehlen. Fakt ist: Je mehr Technik verbaut ist, desto mehr kann auch kaputtgehen.

Letztendlich, sagt Feil, sei es für ihn ohnehin nicht entscheidend, ob er monatlich für Strom ein paar Euro mehr oder weniger ausgebe. „Irgendjemand muss ja damit anfangen, klimaneutral zu wohnen oder Autos zu fahren, die keine schädlichen Abgase ausstoßen“, sagt er. „Entscheidend ist, dass wir unseren Kindern eine möglichst intakte Welt hinterlassen.“

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