Der Stuttgarter Fotograf Frank Paul Kistner nimmt in seiner Serie „Seestücke“ die ambivalente Magie des Meeres ins Visier: Es ist sinnlich schön – und zerstörerisch.

Kultur: Adrienne Braun (adr)

Stuttgart - Würde man nach der Deutschen liebstem Urlaubsziel fragen, wäre die häufigste Antwort garantiert: das Meer. Auch Frank Paul Kistner zieht es immer wieder ans Meer – aus künstlerischen Gründen. Der Stuttgarter Fotograf arbeitet seit vielen Jahren an seiner Serie „Seestücke“, die allerdings nicht die typischen Urlaubsfreuden mit Segelbooten, Strand und Palmen zeigt.

Frank Paul Kistner ist Minimalist, der das Meer in strengen, grafischen Kompositionen einfängt. Seine Seestücke erinnern eher an Malerei. Die Gischt der sich überschlagenden, aufbäumenden Wellen scheint wie mit trockenem Pinsel getupft zu sein. Die Schlieren des Wassers und der feinen Farbverläufe könnten auf der Palette angemischt sein, so dass man unsicher werden kann, ob man es hier tatsächlich mit Fotografie zu tun hat.

Das Meer ist ein Sehnsuchtsort

Frank Paul Kistner gelingt es, die perfekte Harmonie einzufangen, das zarte Aufkeimen des Lichts und den schimmernden Silberglanz auf der Wasseroberfläche. Friedlich tänzeln die Wellen – und können sich doch in Sekunden zu einer zerstörerischen Woge aufbäumen. So erzählen die Fotografien einerseits vom Sehnsuchtsort Meer, lassen aber auch erahnen, wie schnell die Schönheit in Gefahr umkippen kann.

Das Meer, aus dem einst das Leben kam, ist unergründlich und kann mit seiner unbändigen Kraft vernichten und Leben zerstören. Wer weiß, vielleicht ist es diese Ambivalenz, die dem Meer seine Magie verleiht.

Info

Der Künstler
Frank Paul Kistner ist freischaffender Fotokünstler in Stuttgart.

Die Ausstellung
Kistners aktuelle Ausstellung „Meer in Sicht“ läuft bis 26. November in der Galerie Abtart in Stuttgart.