Frank Stäbler ist Ringer-Weltmeister Der Königvon Las Vegas

Frank Stäbler feiert seinen  Triumph bei der Ringer-WM in Las Vegas.. Foto: dpa
Frank Stäbler feiert seinen Triumph bei der Ringer-WM in Las Vegas.. Foto: dpa

Deutschland hat nach 21 Jahren wieder einen Ringer-Weltmeister im griechisch-römischen Stil. Der Musberger Frank Stäbler feiert bei der WM in Las Vegas seinen größten Erfolg – und hat jetzt ein noch größeres Ziel.

WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Las Vegas - Der Mann sinkt auf die Knie und schüttelt beinahe ungläubig den Kopf. Ein paar Sekunden, dann doch Freude pur – und Frank Stäbler reckt die müden Arme nach oben. Der Schiedsrichter hilft ihm auf, sein Trainer Andreas Stäbler (nicht verwandt) hievt ihn auf die Schultern und trägt das Leichtgewicht mit der Deutschlandfahne durch den Ring. Geschafft, Weltmeister – die Last fällt ab.

Alles scheint vergessen, die Acht-Kilo-Abkochen-Qual der vergangenen Tage, die brütende Hitze von Las Vegas, die hektische Unruhe in der Glitzermetropole der Spieler, die Suche nach einem ruhigen Hotel ohne Casino und Spielautomaten, die Verletzung an den Stirn, das seit Tagen entzündete Auge. Mit 5:1 rang der griechisch-römisch Spezialist den Koreaner Hansu Ryu souverän nieder, überstand dabei 70 Sekunden vor Schluss in Bodenlage eine brenzlige Situation und sicherte sich nach fünf kraftraubenden Kämpfen den Titel in der olympischen Klasse bis 66 Kilo. „Das ist ein Traum, heute hat einfach alles gepasst, obwohl die ersten drei Kämpfe eigentlich gar nicht gut waren“, sagte der 26-Jährige über den größten Erfolg seiner bisher schon durchaus ansehnlichen Karriere. Aber dieser Weltmeistertitel ist zumindest ein vorläufiger Höhepunkt und für Deutschland ein nicht zu überbietender WM-Auftakt.

Diesmal braucht Stäbler keine Fremdhilfe

Bei den letzten großen Turnieren seit seinem Sieg bei der Europameisterschaft 2012 in Belgrad musste Frank Stäbler stets eine Niederlage hinnehmen und danach bange Stunden warten, ob sein Bezwinger das Finale erreichte und er in der Trostrunde weiterringen konnte. Das klappte immer und bescherte ihm Platz fünf bei den Olympischen Spielen von London, Bronze bei der WM 2013 in Budapest und zwei dritte Plätze bei der EM 2014 in Finnland und vor ein paar Monaten bei den ersten Europaspielen in Baku.

Dieses Mal brauchte der 26-Jährige vom TSV Musberg keine Fremdhilfe. Fünf Kämpfe, fünf Siege. Im Viertelfinale räumte er dabei den US-Amerikaner Bryce Saddors 5:0 von der Matte. Saddors, ein urig-kantiger US-Marine, war vor seinem Heimpublikum in den ringerverrückten Vereinigten Staaten so etwas wie der Geheimfavorit, aber klar unterlegen.

Im Halbfinale ließ Stäbler dann dem Titelverteidiger Davor Stefanek aus Serbien beim 5:1 keine Chance, ehe er sich schließlich im Finale auch noch den Koreaner Hansu Ryu, den Weltmeister von 2013, mit 5:1 bezwang, wobei er dabei nach zwei Minuten nach einer Weltklasseaktion schon 4:0 in Führung lag. Die Zuschauer in der Halle des gewaltigen Orleans Hotels tobten, die 25 mitgereisten Musberger Fans konnten ihr Glück kaum fassen – und Frank Stäblers Mutter Michaela Stäbler „bekam bei der Siegerehrung eine Gänsehaut“, wie sie sagte. Sieben Ringer hatten laut Stäblers Einschätzung das Zeug zum Weltmeister, aber er hat es gepackt.

„Jetzt stehe ich da mit dem Gürtel um den Bauch und kann es eigentlich kaum glauben“, sagte der Weltmeister nach Siegerehrung und Dopingkontrolle. „Es ist der Wahnsinn, das war sehr gutes Teamwork“, sagte der DRB-Sportdirektor Jannis Zamanduridis, während die Teamkollegen Stäbler singend in Empfang nahmen.

Erster deutscher Weltmeister seit 1994

Frank Stäbler krönte sich damit im US-Spielermekka zum erfolgreichsten deutschen Ringer seit Jahrzehnten. 1994 gewannen der Aalener Thomas Zander und der gebürtige Armenier Alfred Ter- Mkrtchyan letztmals WM-Titel für Deutschland. Stäblers Erfolg bedeutet auch einen Startplatz für Deutschland in dieser Gewichtsklasse beim olympischen Turnier 2016 in Rio de Janeiro – und es müsste schon viel passieren, dass diesen Platz nicht der Schwabe von den Fildern einnehmen wird. Bisher hat der Ringerbund immer noch denjenigen nominiert, der den Platz auch erkämpft hatte. Nur eine Verletzung kann Frank Stäbler also vor seinen zweiten Spielen nach denen von London abhalten.

Und das kann schnell gehen – diese WM wäre beinahe an einer Wunde und einem entzündeten Auge gescheitert. Kurz vor dem Turnier zog sich Frank Stäbler nach einem unabsichtlichen Kopfstoß seines Trainingspartners einen tiefen Cut an der Stirn oberhalb der Nase zu. Eine Stelle, die nur schwer zu tapen ist – aber es hat gehalten. Hätte Stäbler während einem seiner fünf Kämpfe wieder zu bluten begonnen, wäre es vorbei gewesen. Aber das ist Geschichte, Stäbler ist am Ziel – und dann erst einmal weg. Bis zum 26. September hat der Marketing-Assistent erst einmal Urlaub, will mit der Familie durch Nevada und Kalifornien touren, essen und trinken, was er will. Und dann geht die Vorbereitung auf Rio los. „Ich bin Europameister, ich bin Weltmeister – jetzt will ich in Rio das Mosaik komplett machen“, sagt er.

Gespannt darf man bei der Rückkehr auf die Reaktion sein Heimatvereins TSV Musberg sein, dem Stäbler außer in der Bundesliga (ASV Nendingen) seit dem Ringerkindergarten die Treue hält. In dem Dorf tobt seit Jahren ein teilweise unwürdiges Gezerre zwischen der einst mit Frank Stäbler in die Bundesliga aufgestiegene Ringerabteilung (mittlerweile zweitunterste Klasse) und dem Vorstand des Hauptvereins. Dabei geht es natürlich um Geld und Einfluss, aber auch um ganz banale Eitelkeiten. Im Frühjahr hatte der TSV-Vorstand zusammen mit der Stadtverwaltung ein Plakat, das Stäbler nach seine EM-Sieg 2012 zeigt, vor dem Trainingsraum der Ringer abhängen lassen. Begründung: man habe auch noch andere erfolgreiche Sportler im Verein. Da muss man sich jetzt wohl etwas anderes einfallen lassen.

Unsere Empfehlung für Sie