Frank Stäbler über Big Brother Chili mit Dip

Von Uwe Bogen 

Auf dem Volksfest gibt’s am Sonntag ein Wiedersehen von Frank Stäbler und Jessica Paszka, die bei „Promi Big Brother“ für den frivolen Part gebucht waren. Hat dem Ringer aus Musberg die Trashshow des deutschen Fernsehens geschadet oder genützt? Unser Kolumnist Uwe Bogen sprach mit ihm.

Ringer-Weltmeister Frank Stäbler und seine Verlobte Sandra Foto: Baumann
Ringer-Weltmeister Frank Stäbler und seine Verlobte Sandra Foto: Baumann

Stuttgart - So viel Aufmerksamkeit bekommt ein Ringer nie, selbst wenn er Weltmeister ist: Auf der Heimfahrt im Zug vom Kölner „Promi Big Brother“-Haus nach Stuttgart hat Olympionik Frank Stäbler gespürt, was Schlagzeilen in Boulevardblättern um Paprika, Chili und Dip, ums Fremdflirten mit einem inszenierten Flittchen bewirken. „Früher bin ich im ICE nie als Weltmeister erkannt worden“, sagt der 27-jährige Musberger, „jetzt musste ich Autogramme geben.“ Weil seine Verlobte Sandra bei der Heimfahrt dabei war, ­hätten einige applaudiert – dafür, dass sie noch zusammen sind. Hat der liebe ­Fränky doch keine scharfen Sachen mit TV-Sternchen Jessica Paszka, der Mitbewohnerin im Sat-1-Knast, im Kopf!

14 Stunden Schlaf nach „Big Brother“

Liebe Leserinnen und Leser, bestimmt wissen Sie nicht, was da mit Chili und Jessy war. Wo ich mich auch umhöre, alle sagen, sie würden „Promi Big Brother“ nicht kennen. Da tummelten sich doch nur Medienhuren und pleitegegangene TV-Tölpel. Beim Zusehen der Show stürzten sich Gehirnzellen freiwillig in den Tod, schrieb die „Süddeutsche Zeitung“.

Sagen wir’s so: „Big Brother“ ist, wenn man sich auf die Werbepausen freut!

Nach der Rückkehr hat sich Frank eine lange Schlafpause gegönnt. 14 Stunden am Stück schlief er in Musberg. Dass ­keiner die Show sah, deckt sich nicht mit seinen Rückmeldungen. „Zu 95 Prozent“ sagte man ihm, dass er bei Sat 1 kein schlechtes Bild abgegeben habe – es sei kein Fehler gewesen, dort einzuziehen. Was ihm am wichtigsten ist: „Sandra steht voll zu mir!“ Andere Frauen hätten daheim das Türschloss ausgetauscht. Jetzt weiß Frank, „dass Sandra die absolut Richtige für mich zum Heiraten ist“.

Treffen mit Jessica im Wilhelmer-Zelt

Für den Ringer mit Verletzungspech bei den Olympischen Spielen waren die 17 Tage unter Voyeur-Beobachtung ein Lehrstück in Medienkunde. Stundenlang habe er von seiner Liebe zu Sandra gesprochen – doch nichts davon ist gesendet worden. Auch für seinen Sport interessierten sich die Sat-1-Leute nicht sonderlich – immerhin durfte er jeden Tag zwei Stunden trainieren. Gezeigt wurde nur, was ins Konzept passt. Zwar habe er keine „Regieanweisungen“ bekommen, den Sex-Chili-Talk zu führen oder mit Jessica zu kuscheln. Doch immer wieder ist er zu Gesprächen geholt worden, bei dem die Fernsehmacher ihn in die Sache mit Jessy quasi hineinredeten. Als wollten sie ihm klarmachen, dass er mit Techtelmechtel bessere Chancen aufs Finale hat.

Ätsch, alles nur Show! Am Sonntag werden’s die beiden vorführen, wenn sie auf dem Volksfest zur „Wasenpirsch“ kommen, dem Promi-Treff im Wilhelmer-Zelt. Natürlich ist auch Sandra dabei – und die Truppe der Boulevardmagazine.

In Musberg ist’s am schönsten

Hat die Trashshow unseren Musberger Ringer aufs Kreuz gelegt? Oder ihn in die Liga der prominenten Fernsehnasen ­befördert? Auf dass er künftig für seinen geliebten Ringersport Beachtung und eine bessere finanzielle Förderung bekommt?

Frank ist ein netter Kerl – vielleicht zu nett und zu naiv für diese Fernsehwelt. Das Prinzip von „Big Brother“ ist das Lästern, das gnadenlose Herziehen über die anderen – das sind Eigenschaften, die zu einem nicht passen, der zu allen lieb ist und von allen geliebt werden will. Im Frühstücksfernsehen von Sat 1 ist er als „Olympiasieger“ bezeichnet worden. Gut, Olympiasieger der Herzen ist er dank seiner bescheidenen und sympathischen Art ohnehin. Wenn er sich weiterhin nicht verbiegen lässt, dürften ihm Paprikaschoten und sonstige Zoten von „Big Brother“ nicht schaden. Lieber Frank, geh jetzt bloß nicht als Chili-Depp in den Dschungel! In Musberg ist’s eh am schönsten.

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