Frankfurter Buchmesse Bytes statt Druckerschwärze

Das E-Book gewinnt an Zuspruch. Im vergangenen Jahr hat sich der Umsatz in Deutschland  verdreifacht. Foto:  
Das E-Book gewinnt an Zuspruch. Im vergangenen Jahr hat sich der Umsatz in Deutschland verdreifacht. Foto:  

Die Frankfurter Buchmesse steht 2013 im Zeichen der rasch voranschreitenden Digitalisierung. Internet und Online-Handel führen nicht nur zu neuen Vertriebswegen, sondern auch zu vollkommen anderen Herangehensweisen an das Kulturgut Buch.

Wirtschaft: Andreas Geldner (age)
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Stuttgart - Nicht regional, sondern durch und durch international und multimedial – so präsentieren die Veranstalter das weltweit größte Treffen der Buchbranche, das kommende Woche vom 9. bis 13. Oktober in Frankfurt stattfindet. Die Branche ist im Umbruch. Internet und Online-Handel führen nicht nur zu neuen Vertriebswegen, sondern auch zu vollkommen anderen Herangehensweisen an das Kulturgut Buch. Auch wenn der Anteil elektronischer Bücher am Umsatz der Verlage in Deutschland mit zurzeit 9,5 Prozent auf den ersten Blick noch klein erscheint, beginnt die Digitalisierung allmählich, das Verhältnis von Autoren, Verlegern und Lesern grundlegend zu verändern.

So ist auf der Frankfurter Buchmesse erstmals eine ganze Halle für Autoren reserviert, die ihre Bücher selber publizieren. Die direkte Kommunikation mit den Lesern, die das Internet und die sozialen Netzwerke ermöglicht haben, eröffnen Chancen, die vor wenigen Jahren undenkbar waren. Auf einem eigenen Blog werden Start-up-Unternehmen präsentiert, die ins digitale Publizieren einsteigen. Von einer neuen Gründerzeit in diesem Bereich sprechen die Messeveranstalter – und wollen junge, vielversprechende Innovatoren mit internationalen Geldgebern zusammenbringen. Selbst die Podiumsgespräche auf der Messe drehen sich um die sogenannte „neue Öffentlichkeit“, in der mit Hilfe der neuen Medien jeder autonom seine Inhalte veröffentlichen kann.

Das reizt manche Anbieter inzwischen, ganz bewusst gegen den Strom zu schwimmen. „Die ganze Buchmesse im Schatten des E-Books? Nein, nicht die ganze!“, so lautet die Ankündigung zum Messeschwerpunkt zum Thema Buchkunst. In einer eigenen Halle versammeln sich die Verleger von aufwendig gestalteten Büchern, die sich bisher in kleiner oder kleinster Auflage an ein Sammlerpublikum richten und sich in Frankfurt einer breiteren Öffentlichkeit präsentieren wollen.

Doch das sind Nischenangebote. Der Trend, der auch von den aktuellen Statistiken des Börsenvereins des deutschen Buchhandels unterstrichen wird, geht ganz klar in Richtung Digitalisierung. Im vergangenen Jahr hat sich der Umsatz von sogenannten E-Books in Deutschland verdreifacht. Inzwischen gibt es mehr als die Hälfte der Neuerscheinungen auch in digitaler Form. Für den stationären Buchhandel ist das keine gute Nachricht. Im vorigen Jahr stagnierte der Anteil von E-Books an den Umsätzen des Sortimentbuchhandels bei einem halben Prozent. 2011 glaubten die deutschen Buchhändler noch, dass sie zehn Prozent ihrer Umsätze mit E-Books machen könnten – nun hoffen sie selbst für 2015 im Durchschnitt nur auf etwas mehr als drei Prozent.

Profitieren können von diesem Trend die Online-Buchhändler, die mit E-Books und konventionellen Büchern zusammengenommen auf einen Marktanteil von 16,5 Prozent kommen. Im Jahr 2012 ist der Umsatz von Büchern über das Internet um 10,4 Prozent gestiegen, während die Verkaufszahlen in den Buchläden um 3,7 Prozent zurückgingen. Noch sagen laut einer Umfrage des Buchhändlerverbandes 40 Prozent der Befragten, dass sie dem gedruckten Buch treu bleiben wollen – doch vor zwei Jahren waren es mehr als die Hälfte.

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