Frankreich Gauck erhält Auszeichung für Einsatz für Freiheit

Bundespräsident Gauck bei seiner Dankesrede in Paris: „eine sogenannte ‚post-faktische’ Einstellung zur Wirklichkeit“ sei für die europäischen Intellektuellen nie vorstellbar gewesen.“ Foto: AFP
Bundespräsident Gauck bei seiner Dankesrede in Paris: „eine sogenannte ‚post-faktische’ Einstellung zur Wirklichkeit“ sei für die europäischen Intellektuellen nie vorstellbar gewesen.“ Foto: AFP

In Paris ist Bundespräsident Gauck am Donnerstag die Ehrendoktorwürde von der Universität Paris-Sorbonne verliehen worden. In seiner Dankesrede warnte er vor Populisten.

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Paris - Bundespräsident Joachim Gauck hat bei seiner Abschiedsreise nach Frankreich die Ehrendoktorwürde der renommierten Universität Paris-Sorbonne verliehen bekommen. Hochschulpräsident Berthélémy Jobert begründete die Auszeichnung am Donnerstag mit Gaucks jahrelangem Einsatz für die Freiheit.

Würdigung für deutsch-französische Aussöhnung

In seiner Dankesrede würdigte Gauck die deutsch-französische Aussöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg und warnte im Wahljahr in Frankreich und Deutschland vor dem Einfluss von Populisten. Hochschulpräsident Jobert sagte, Gauck habe sich schon zu DDR-Zeiten unermüdlich für Freiheit und Demokratie eingesetzt. Als Bundespräsident habe er zudem die Verbrechen der Nationalsozialisten verurteilt. Unter anderem sei er in das französische Dorf Oradour-sur-Glane gereist, wo die Waffen-SS im Juni 1944 insgesamt 642 Zivilisten ermordet hatte. Gauck betonte in seiner Ansprache vor hunderten Studenten und Gelehrten, die Aussöhnung mit Frankreich sei „wohl weniger ein Wunder als das Ergebnis der engagierten und auch nüchternen Arbeit kluger und verständigungsbereiter Politiker“. Unter Verweis auf Populisten betonte er, „eine sogenannte ‚post-faktische’ Einstellung zur Wirklichkeit“ sei für die europäischen Intellektuellen nie vorstellbar gewesen. „Wir heute könnten uns die Grundüberzeugung merken: Die Wirklichkeit als solche ist erkennbar und beschreibbar. Und es gibt Wahrheit.“

Weiter sagte Gauck, auch Religion könne Kritik und Selbstkritik vertragen. Eine Religion, die sich Kritik verbiete, traue ihrem eigenen Wahrheitsanspruch nicht. „Um sich dennoch zu behaupten, werden manche ihrer Anhänger gewalttätig. Im 12. nicht anders als im 21. Jahrhundert“, kritisierte er unter Anspielung auf die Serie islamistischer Attentate in Frankreich und Deutschland. Die traditionsreiche Sorbonne wurde schon Mitte des 13. Jahrhunderts als Theologenkolleg gegründet.

Auch Religion kann Kritik und Selbstkritik vertragen

Heute gibt es 13 unabhängige Pariser Universitäten, von denen mehrere das Sorbonne im Namen tragen - darunter die Universität Paris-Sorbonne, die Gauck am Donnerstag die Ehrendoktorwürde verlieh. Die Universität ist auf Literatur, Sprachen, Geistes- und Sozialwissenschaften spezialisiert. Gauck war am Mittwoch zum Auftakt seines Paris-Besuchs von Frankreichs Staatschef François Hollande empfangen worden. Am Donnerstagnachmittag wollte Gauck an einer Sitzung der Académie francaise teilnehmen. Er ist erst das 17. Staatsoberhaupt in der Geschichte der 1635 gegründeten Akademie, dem diese Ehre zuteil wird. Die Institution hat sich die Pflege der französischen Sprache zur Aufgabe gemacht. Am Abend wird zudem Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) in Paris erwartet. Geplant ist unter anderem ein Abendessen mit dem französischen Ressortchef Jean-Marc Ayrault.

Es ist die letzte Reise Steinmeiers in seinem derzeitigen Amt. Der SPD-Politiker kandidiert für die Nachfolge Gaucks. Der 77-Jährige tritt aus Altersgründen nicht mehr an. Steinmeiers Amt übernimmt der scheidende SPD-Chef Sigmar Gabriel.




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