Franz-Werner Haas Curevac-Chef geht von Impfstoff-Zulassung in der EU aus

Franz-Werner Haas ist Vorstandschef bei Curevac. Foto: dpa/Bernd Weissbrod
Franz-Werner Haas ist Vorstandschef bei Curevac. Foto: dpa/Bernd Weissbrod

Trotz geringer Wirksamkeit geht Franz-Werner Haas davon aus, dass der Corona-Impfstoff von Curevac von der EMA zugelassen werden wird. Das äußerte der Vorstandschef bei einer Online-Pressekonferenz.

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Tübingen - Das Tübinger Biotechunternehmen Curevac geht weiter davon aus, dass die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA seinen Impfstoff ungeachtet der geringen Wirksamkeit zulassen wird. „Die Population der 18- bis 60-Jährigen ist besonders begünstigt von unserem Impfstoff. Darüber haben wir mit der Ema gesprochen“, sagte Vorstandschef Franz-Werner Haas am Donnerstag bei einer Online-Pressekonferenz.

Das Curevac-Präparat zeigt einer finalen Analyse zufolge eine Wirksamkeit von 48 Prozent gegen eine Covid-19-Erkrankung über alle Altersgruppen hinweg. In der Altersgruppe zwischen 18 und 60 Jahren liegt die Wirksamkeit bei 53 Prozent gegen eine Erkrankung jeglichen Schweregrades und bei 77 Prozent gegen einen moderaten und schweren Krankheitsverlauf, wie Curevac am Mittwochabend mitgeteilt hatte. Einen vollständigen Schutz gab es in dieser Altersgruppe demnach vor einem Krankenhausaufenthalt oder dem Tod. In der Gruppe der über 60-Jährigen liegen laut Curevac keine statistisch soliden Wirksamkeitsdaten vor. Der Aktienkurs des Unternehmens brach am Mittwoch erneut ein, erholte sich am Donnerstag aber wieder bei einem Kurs von 73,48 Dollar.

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Nach der Veröffentlichung von Zwischenergebnissen Mitte Juni hatte die Ema betont, dass es keine harte Mindestgrenze bei der Wirksamkeit gebe. Bei klinischen Studien werde zwar von einer Mindestgrenze von 50 Prozent Wirksamkeit ausgegangen. Aber vor allem im Zusammenhang mit den neuen Virusvarianten müsse man die Daten sehr gut prüfen und Vorzüge gegen Nachteile abwägen.

Lauterbach geht nicht von Zulassung aus

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach geht davon aus, dass die Ema den Curevac-Impfstoff nicht zulässt. „Mit der geringen Wirksamkeit von 48 Prozent wäre der Curevac-Impfstoff nicht einsetzbar in Deutschland. Wenn es Impfstoffe gibt, die so viel stärker sind, wie Moderna und Biontech, wie mit Abstrichen auch Johnson & Johnson und Astrazeneca, dann gibt es keinen Platz für einen Impfstoff, der nicht so gut ist“, sagte Lauterbach der Düsseldorfer „Rheinischen Post“. Das Präparat des Tübinger Unternehmens Curevac ist ein sogenannter mRNA-Impfstoff - wie die von Biontech/Pfizer (Deutschland/USA) und Moderna (USA).

Dass der Impfstoff insgesamt deutlich weniger wirksam ist als Biontech/Pfizer und Moderna wertete Haas „erstmal nicht“ als Niederlage. „Es geht darum, die Weltbevölkerung zu impfen“, sagte Haas. Mit der EU haben man einen Liefervertrag über 225 Millionen Dosen. „Wir gehen davon aus, dass die Bundesregierung ihre Quoten abnimmt. Wo der Impfstoff dann eingesetzt wird, darüber können wir nicht entscheiden.“ Nach früheren Angaben aus dem Bundesgesundheitsministerium entfallen 53 Millionen Dosen auf Deutschland. Das Präparat muss zweimal gespritzt werden, pro Geimpftem sind es also zwei Dosen.

Vakzin ist weniger wirksam als andere

Das Ergebnis der klinischen Studie sei „keine totale Niederlage“ für Curevac, sondern ein Schritt voran, erklärte der Leiter der Impfstoff-Studie von Curevac, Peter Kremsner. Das Ergebnis sei aber im Vergleich zu den anderen RNA-Impfstoffen oder auch dem Novavax-Impfstoff deutlich schlechter. Kremsner geht dennoch davon aus, dass die Ema den Impfstoff zulassen wird. „Das ist ein sicherer Impfstoff, der verträglich ist und eine Wirksamkeit zeigt. Ob er dann breit angewendet wird und in welchen Ländern, ist eine ganz andere Sache.“ Fast 99 Prozent der Covid-19-Toten seien altersbezogen über 65 Jahre alt.

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Sollte der Impfstoff genehmigt werden durch die Ema, habe die EU eine Abnahmeverpflichtung, sagte Haas. Die Ema in Amsterdam hatte im Februar ein schnelles Prüfverfahren für den Impfstoff der Tübinger Firma gestartet.

Bund ist an Curevac indirekt beteiligt

Die Bundesregierung hatte den Curevac-Impfstoff ursprünglich für die Impfkampagne eingeplant. Zuletzt rechnete das Gesundheitsministerium aber nicht mehr mit Lieferungen des Unternehmens. An Curevac ist auch der Bund indirekt über die KfW zu 16 Prozent beteiligt. Auf diese Weise wollte Berlin das Unternehmen gegen eine mögliche Übernahme aus dem Ausland absichern. Den größten Anteil am Unternehmen hält der SAP-Mitbegründer und Investor Dietmar Hopp.

In der finalen Analyse wurden insgesamt 228 bestätigte Covid-19-Fälle über 15 aufgetretene Virusstämme hinweg untersucht. Von den 228 Fällen wurden 204 sequenziert, um zu identifizieren, welche Variante die Infektion verursacht hatte. In rund 86 Prozent der Fälle waren dies sogenannte besorgniserregende Varianten (51 Prozent) und Varianten von besonderem Interesse (rund 35 Prozent). An der Studie hatten rund 40 000 Probanden in zehn Ländern in Lateinamerika und Europa teilgenommen.

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