Franziskus im Interview Der fehlbare Papst

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Franziskus hat erstmals einer deutschen Zeitung ein Interview gegeben. Darin bekennt er: Es gebe auch Glaubenskrisen in seinem Leben. Und er sei ein Sünder und fehlbar. Und was ist mit der päpstlichen Unfehlbarkeit?

Er erlebe sich selbst als „ganz normalen Gläubigen“, sagt Franziskus. „Ich sehe mich nicht als etwas Besonderes.“ Foto: AP 22 Bilder
Er erlebe sich selbst als „ganz normalen Gläubigen“, sagt Franziskus. „Ich sehe mich nicht als etwas Besonderes.“ Foto: AP

Rom - „Ich bin Sünder und bin fehlbar!“ Diesen Satz hat Papst Franziskus im Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ gesagt. Für sich genommen klingen diese sechs Wörter in ihrer verbalen Kürze und rhetorischen Würze spektakulär, ja fast schon revolutionär. War da nicht was mit der Unfehlbarkeit?Ist der Papst nach katholischer Lehre nicht unfehlbar? Schleift Franziskus mit dieser Aussage eine der letzten originär katholischen Bastionen?

Der Chefredakteur der „Zeit“, Giovanni di Lorenzo, traf das Kirchenoberhaupt im Gästehaus Santa Marta im Vatikan. Das auf Italienisch geführte Gespräch wurde laut Wochenzeitung vom Papst selbst autorisiert. Er habe weniger am Wortlaut verändert als die meisten Politiker, die der „Zeit“ ein Interview geben, so die Redaktion.

„Ich bin Sünder und bin fehlbar!“

„Ich bin Sünder und bin fehlbar!“ Diesem Satz wird jeder (Katholik) uneingeschränkt zustimmen. Jeder Mensch ist Sünder und damit fehlbar – außer Maria, die gemäß dem katholischen Dogma der Unbefleckten Empfängnis vom ersten Augenblick ihres Lebens an vor jedem Makel der Erbsünde bewahrt wurde, weil sie zur Mutter des Gottessohnes bestimmt war. Auch Jorge Mario Bergoglio ist keine Ausnahme von dieser Regel.

Franziskus hat mit diesem Satz seine eigene, ganz persönliche Fehlbarkeit eingeräumt. Er als Mensch fehlt, versagt, versündigt sich. Dass die Redaktion der „Zeit“ diesen Satz wie der Verdurstende die Wasserpfütze aufsaugt und zusammen mit dem Konterfei des Papstes in fetten Buchstaben auf den Titel ihrer aktuellen Ausgabe knallt, ist nachvollziehbar. Schließlich ist es das erste Interview, das das 266. Oberhaupt der katholischen Kirche einer deutschen Zeitung gibt. Auf einen solchen medialen Knalleffekt kann kein Journalist verzichten.

„Ich sehe mich nicht als etwas Besonderes“

Er erlebe sich selbst als „ganz normalen Gläubigen“, erklärt Franziskus. Seine persönliche Normalität betont der 80-Jährige immer wieder. Oberhaupt von mehr als 1,27 Milliarden Katholiken zu sein, ist eine Bürde und Verantwortung, die weder Egozentrik noch Narzissmus verträgt. Franziskus ist – das sind seine sympathischsten Eigenschaften – herzerfrischend, offenherzig und unverkrampft.

Und weiter sagt er im Interview: „Ich sehe mich nicht als etwas Besonderes. Ich finde eher, dieses Bild wird mir nicht gerecht, es ist übertrieben.“ Ein „ganz normaler Mensch“ sei, er, „der tut, was er kann“. Jede Art von Papst-Kult sei ihm zuwider. „Wir dürfen nicht vergessen, dass die Idealisierung eines Menschen stets auch eine unterschwellige Art der Aggression ist. Wenn ich idealisiert werde, fühle ich mich angegriffen.“




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