In Frankreich fordern immer mehr Menschen eine Wiedereröffnung der Museen – notfalls unter verschärften Auflagen. Die Stadt Perpignan prescht vor.

Paris - Petitionen und ein offener Brief an den Präsidenten: In Frankreich wächst der Unmut gegen die seit Monaten anhaltende Schließung von Museen und Ausstellungsorten wegen der Corona-Pandemie. Nach Petitionen von Direktoren von Kunstzentren und Museen fordert nun die französische Kunstpresse die Wiedereröffnung der Kulturstätten. Die wirtschaftlichen Auswirkungen seien real, auch wenn sie geringer seien als für Restaurants, Bars und die Event-Industrie, schrieben die Chefredakteure der Fachpresse in einem offenen Brief an den französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Eine eingeschränkte Wiedereröffnung sei trotz Corona-Krise möglich.  

Der Ruf nach einer Wiedereröffnung der Museen wird damit immer lauter. Erst vergangene Woche haben mehr als 100 Leiter von Museen und Kunstzentren eine Petition ins Leben gerufen, mit der sie ein schnelles Ende des Kultur-Lockdowns durchsetzen wollen. In ihrem Appell erklärten sie sich zu verschärften Maßnahmen bereit, darunter reduzierte Öffnungszeiten, Zugang zu weniger Ausstellungssälen und stark begrenzte Besucherzahlen.

Der Louvre meldet einen Verlust von 90 Millionen Euro im Corona-Jahr 2020

In den Museen bestehe das geringste Risiko der Ansteckung, erklärte auch Frédéric Jousset, der Administrator des Pariser Louvre, in einem in der Tageszeitung „Le Monde“ erschienenen Appell. Das Museum, dessen Besucher zu 75 Prozent aus dem nicht-europäischen Ausland stammen, beziffert den aufgrund der coronabedingten Schließungen und Reisebeschränkungen verursachten Verlust im Jahr 2020 auf 90 Millionen Euro. 

Die Stadt Perpignan im Südwesten des Landes teilte mit, sie wolle ihre vier Museen am Dienstag wieder öffnen. Bürgermeister ist Louis Aliot, der seine Wurzeln bei der Rechtsaußenpartei Rassemblement National (RN) von Marine Le Pen hat. Der Präfekt des Départements Pyrénées-Orientales, in dem Perpignan liegt, schlug den Rechtsweg ein, um gegen die Entscheidung des Rathauses vorzugehen, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete.