Franzose des VfB Stuttgart bei Olympia Medaille für Millot? Das besondere Heimspiel des VfB-Stars

Enzo Millot spielt für Frankreich bei den Olympischen Spielen – dem VfB Stuttgart fehlt der Mittelfeldspieler vorerst. Foto: //Norbert Scanella

Der VfB Stuttgart muss in der Vorbereitung auf Enzo Millot verzichten – weil der Franzose in seiner Heimat den olympischen Traum lebt. Kommt er mit einer Medaille zurück?

Sport: Dirk Preiß (dip)

Dass der Heimvorteil durchaus etwas wert sein kann, weiß Enzo Millot durchaus. Der junge Mann ist schließlich Fußballprofi in Stuttgart, wo im Stadion des VfB die Atmosphäre stets besonders gut ist. Und wo der Mittelfeldspieler mit seinem Team in der vergangenen Saison 13 Siege errungen hat. Braucht es einen weiteren Beleg? Dann sollte Enzo Millot mal ins Geschichtsbuch des französischen Fußballverbands schauen.

 

2016 fand die EM in Frankreich statt – die Équipe tricolore erreichte das Finale (0:1 gegen Portugal). 1998 wurde die WM in Frankreich gespielt – die Kicker der Grande Nation holten den Titel. 1984 war Frankreich schon einmal EM-Gastgeber gewesen – und siegte im Endspiel gegen Spanien 2:0. Und 2024? Könnte ein weiterer Heimsieg hinzukommen.

Die EM fand zwar unlängst in Deutschland statt, doch in Paris beginnen am 26. Juli die Olympischen Sommerspiele. Schon zwei Tage zuvor, an diesem Mittwoch (21 Uhr), beginnt für Enzo Millot und seine Mitspieler in Marseille der Versuch, es der französischen Olympiamannschaft von 1984 gleichzutun – die gewann in Los Angeles Gold. Und nun sagt Fabian Wohlgemuth: „Wir sind stolz auf seine Teilnahme und wünschen ihm viel Erfolg. Er wird in diesem Wettkampf wichtige und besondere Erfahrungen sammeln und gestärkt zurück in unser Team kommen.“

Der Sportvorstand des VfB Stuttgart wird das olympische Fußballturnier (es findet in verschiedenen Stadien in ganz Frankreich statt) zwar auch „mit einem weinenden Auge“ verfolgen – schließlich fehlt Millot derzeit in der Vorbereitung des Bundesligisten. Verwehren wollte man dem seit Mittwoch 22-Jährigen die Teilnahme dennoch nicht, obwohl es anders als bei einer EM oder WM für die Clubs keine Abstellungspflicht gibt. „Natürlich haben wir im Vorfeld gemeinsam mit Enzo alle Aspekte seiner Teilnahme besprochen. Ihn aber für dieses Turnier nicht freizustellen, war letztlich nie eine Überlegung“, sagt Wohlgemuth – der damit anders agiert hat als manch internationaler Kollege.

Einige Absagen für Thierry Henry

So war es ja durchaus ein Thema gewesen, ob Nachwuchskräfte wie Enzo Millot bei Olympia an der Seite von Kylian Mbappé spielen werden. Bei den Spielen treten U-23-Mannschaften der jeweiligen Nationen an, je drei Spieler über 23 sind aber auch erlaubt. So gehört etwa der 33-jährige Alexandre Lacazette (Olympique Lyon) zum französischen Kader, oder auch der Ex-Mainzer Jean-Philippe Mateta (27/Crystal Palace). Einen Einsatz Mbappés verhinderte angeblich das Veto seines neuen Clubs.

„Du gehst hin, du fragst, man sagt Nein zu dir und dann gehst du wieder“, sagte kürzlich Thierry Henry – angesprochen auf eine Freigabe für Mbappé von Real Madrid. Der Ex-Stürmer ist Nationaltrainer der Talente und ergänzte: „Bei den Spielern, die nicht auf der Liste stehen, haben die Vereine Nein gesagt. Es gab nicht einmal Diskussionen.“ Etwas zerknirscht meinte er sarkastisch: „Als ich das letzte Mal so viele Absagen bekommen habe, war ich in der Mittelstufe.“

Enzo Millot im Trikot des VfB Stuttgart. Foto: Baumann

In der deutschen Bundesliga war er bei seiner Kaderzusammenstellung allerdings wohl recht gern unterwegs. Denn nicht nur der VfB gab grünes Licht im Falle von Enzo Millot. Auch vier weitere Bundesligaprofis stehen im französischen Olympiakader – und spielen nun gegen die USA, gegen Guinea und Neuseeland.

Von ihnen allen hat Enzo Millot mit dem VfB die beste Saison hingelegt – weshalb sich die Stuttgarter Nummer acht zuletzt auch im französischen U-23-Team in der Startelf etabliert hat. Beim 7:0 im Test gegen die Dominikanische Republik hat er zuletzt auch den Treffer zum 1:0 erzielt.

„Er hat sich mit vielen anderen in unserem Team im vergangenen Jahr großartig entwickelt“, sagt Fabian Wohlgemuth, „er ist persönlich gereift, insgesamt einfach erwachsener geworden. Das sieht man seinem Spiel auch an.“ Zu Beginn von Millots Stuttgarter Zeit – er kam im Sommer 2021 von AS Monaco zum VfB – gab es zwar den Glauben an das große Potenzial des jungen, zweifachen Familienvaters. Doch in der Gegenwart tat sich Millot schwer, Fuß zu fassen. Unter Bruno Labbadia hatte er in der Saison 2022/2023 erst recht einen schweren Stand – doch mit der Amtsübernahme von Cheftrainer Sebastian Hoeneß startete Enzo Millot durch.

„Sein Spiel im letzten Drittel hat er nochmal deutlich verbessern können. Er ist heute viel beständiger und effektiver als noch vor einem Jahr“, sagt der Stuttgarter Sportvorstand Wohlgemuth – und nennt die Vorzüge seines Schützlings: Im Ballbesitz sei Millot stark, er könne sich aus engen Situationen gut befreien und habe einen starken ersten Ballkontakt. Wohlgemuths Fazit: „Er ist ein Instinktfußballer, ein Künstler. Er ist das Salz in der Suppe und lockt mit seiner Extravaganz die Zuschauer ins Stadion.“ Dass all das seit der vergangenen Saison von Enzo Millot mit viel mehr Ernsthaftigkeit präsentiert wird, macht ihn für den VfB so wertvoll.

Zu Beginn des Jahres hat der Franzose seinen Vertrag bis 2028 verlängert. Dass das nicht zwingend was heißen muss, hat diese Transferperiode schon gezeigt. Beim VfB geht man allerdings im Moment davon aus, dass Millot auch in der neuen Saison im Brustring-Trikot spielt. Wenn er dann irgendwann mal da sein wird.

Nach Olympia (das Finale steigt am 9. August) bekommt der 22-Jährige erst einmal Urlaub – obwohl der VfB schon am 17. August um den Supercup, am 24. den ersten Bundesliga-Spieltag und am 27. August im DFB-Pokal spielt. Aber das sind Auswärtsspiele. Am 31. August steigt das erste VfB-Heimspiel der Saison.

Dann womöglich auch wieder mit Enzo Millot.

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