Frauen-Fußball Waldebene und Kickers – so läuft die neue Fußball-Ehe
Fürs Erste Kooperation, später Fusion: Die Vereine beschließen bei Frauen und Mädchen einen gemeinsamen Weg, von dem beide Seiten profitieren sollen.
Fürs Erste Kooperation, später Fusion: Die Vereine beschließen bei Frauen und Mädchen einen gemeinsamen Weg, von dem beide Seiten profitieren sollen.
Die Reise in den Hochschwarzwald hat sich gelohnt: Im letzten Saisonspiel der Oberliga haben die Fußballerinnen des FSV Waldebene Stuttgart-Ost am vergangenen Wochenende einen 6:2-Auswärtserfolg beim SV Gottenheim gefeiert. Unter dem Strich steht damit der dritte Tabellenplatz – das beste Resultat des noch jungen Vereins. 2019 gegründet, strebt dessen Frauen-Fußballabteilung aber nach mehr. Nächster Schritt: eine Zusammenarbeit mit den Stuttgarter Kickers. Diese haben beide Vereine nun beschlossen. Über kurz oder lang ist sogar eine Fusion geplant. Ziel ist es, den Frauenfußball in der Region zu stärken und Kompetenzen zu bündeln, wie es vonseiten der Beteiligten heißt. Nebenbei bekommt das Waldebene-Team einen neuen Coach. Das bisherige Trainerduo Stefan Specht und Stefan Zemmel steigt aus.
Einstweilen wurden unter Specht und Zemmel die eigenen Erwartungen erfüllt. Ein Platz im oberen Tabellendrittel – das war die Vorgabe gewesen. Wobei dann schon die zwischenzeitlichen Transferaktivitäten ein Fingerzeig für die Zukunft waren: Seit Rückrunden-Beginn sind für den FSV fünf Zugänge vom inzwischen abgestiegenen Regionalligisten SV Hegnach neu dabei. „Mittlerweile sind wir aber an den Grenzen des Erreichbaren, auch finanziell“, sagt Thomas Christ, Waldebene-Abteilungsleiter und zudem hauptberuflicher Aufbaukoordinator der Altersklassen U 8 bis U 16 beim künftigen Fusionspartner. Über diesen sagt er: „Die Kickers haben Ressourcen und Kompetenzen, die die Waldebene nicht hat.“ Auch die Strahlkraft des Männer-Regionalligateams der Blauen sei hinsichtlich Medienwirksamkeit und Spielerinnengewinnung ein großer Pluspunkt. „Wir wollen das Fundament schaffen, um in Zukunft noch höherklassiger zu spielen“, sagt Christ zur Kooperation.
Bei der aktuell bereits gestarteten Zusammenarbeit handelt es sich um eine maximal zweijährige Phase, ehe die Kickers die erste und zweite Frauen-Mannschaft sowie die weibliche U 17 der Waldebene Ost übernehmen sollen – je nachdem, wie das Zwischenfazit im kommenden Herbst ausfällt, kann dieser Schritt auch schon 2026 erfolgen. Sichtbar soll die angebahnte Fußball-Ehe bereits zur nächsten Saison sein: Läuft alles nach Plan, werden die erwähnten Teams von Sommer an im Trikot der Kickers auftreten, allerdings noch unter dem Namen FSV Waldebene Stuttgart-Ost. Über der Rückennummer soll nach wie vor der Schriftzug „Waldebene“ prangen. Mit Vollzug der Fusion wird dann nicht nur der Name vom Trikot getilgt, auch die offizielle Bezeichnung wird „Stuttgarter Kickers“ lauten.
Interne Kritiker dieses Schritts haben sich laut Christ durch das wichtigste Pro-Argument besänftigen lassen: „Das Zentrum des Frauenfußballs wird weiterhin die Waldebene sein, die wir damit als Sportzentrum an sich weiterentwickeln wollen“, stellt er klar. So bleibt jene weiterhin die Heimspielstätte, selbst nach der Übernahme. Auch in der personellen Organisation „werden immer Leute von der Waldebene Ost sein“, versichert Christ.
Und die Motivation der Kickers? „Es dient vor allem dem ideellen Zweck, den Frauenfußball in der Region aufzubauen“, weiß Christ. Bislang hatte der Waldau-Club gar kein weibliches Fußballteam. Wie beim großen Stadtrivalen VfB erfolgt der Einstieg nun gleich auf einer höheren Ebene. Der VfB hat für seine neu gegründete Frauen-Abteilung 2022 ebenfalls von einem Oberligisten das Spielrecht übernommen, in seinem Fall des VfB Obertürkheim. Nach zuletzt zwei Aufstiegen in Folge wird die Mannschaft in der kommenden Saison in der zweiten Liga auflaufen.
Indes startet die Waldebene Ost mit einem neuen Trainer in die neue Ära: Manuel Strobel kommt vom SV Eutingen, bei dem er zuletzt für die B-Juniorinnen verantwortlich war. Von seinen Vorgängern Specht und Zemmel habe man sich einvernehmlich getrennt, sagt Christ über das Duo, das erst zu Beginn der zurückliegenden Saison den Posten übernommen hatte. Zemmel selbst zieht einen Vergleich zu einer Ehe: „Manchmal entwickelt man sich in unterschiedliche Richtungen und es passt einfach nicht mehr.“ Näher ins Detail gehen will er nicht, verrät nur: „Bei so einer Trennung gibt es immer verschiedene Meinungen, aber wir können alle noch in den Spiegel schauen.“