Frauen in der Kommunalpolitik Dreifache Minderheit in der Politik

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Kathrin Voigt ist jung, eine Frau und stammt nicht aus Ludwigsburg. Als sie ihr Amt als Kreis- und Gemeinderätin antrat musste sie sich deshalb erst einmal den Respekt der Altgedienten erarbeiten.

Kathrin Voigt hat momentan  selten Zeit für einen gemütlichen Cappuccino. Foto: factum/Granville
Kathrin Voigt hat momentan selten Zeit für einen gemütlichen Cappuccino. Foto: factum/Granville

Ludwigsburg - Kathrin Voigt wirkt entspannt, sie genießt ihren Cappuccino, lässt sich Zeit. Das ist durchaus erwähnenswert, denn die 32-Jährige hat sich ein strammes Arbeitsprogramm auferlegt in den kommenden Monaten. „Meine Tage sind momentan streng getaktet“, sagt sie und lacht. „Jede halbe Stunde ist ausgefüllt. Anders geht das nicht. Denn ich hatte vorher auch nicht wirklich das Problem, nicht ausgelastet zu sein.“

Ein Leben zwischen Beruf, Familie und Kommunalpolitik

Vorher – das heißt vor ihrer Berufung in den Ludwigsburger Gemeinderat im Februar dieses Jahres. Die Grünen-Stadträtin Barbara Schüßler hatte sich aus beruflichen Gründen aus dem Gremium verabschiedet, und Kathrin Voigt stand als Nachrückerin auf der Liste. Aber: sie war jetzt Mutter, wollte gerade nach der Elternzeit wieder zu 70 Prozent in den Beruf einsteigen. In der Situation zusätzlich ein politisches Amt? „Ich habe lange überlegt, wie wir das als Familie unter einen Hut kriegen“, erzählt sie. „Aber die Aufgabe hat mich gereizt.“ Voigt sagte Ja und arbeitet nun statt der angepeilten 70 nur 50 Prozent in ihrem Beruf als Sozialpädagogin. Wenn abends Ausschusssitzungen sind, was in Ludwigsburg häufig vorkommt, passt der Mann auf die 16 Monate alte Tochter auf. Oder die Großeltern müssen ran. Oder die Leihoma. Oder ein Babysitter. „Es geht irgendwie“, seufzt Voigt.

Normalerweise antwortet die 32-Jährige schnell, aber bei der Frage, was sie an dem Amt gereizt hat, denkt sie länger nach. Sie sitzt bereits seit 2009 für die Grünen im Kreistag, aber die Arbeit dort ist weniger zeitaufwendig. Und ein klassischer Homo politicus ist Kathrin Voigt nicht. „Es war nie mein Wunsch, in eine Partei einzutreten.“ Ja, sie sei früher in der Gewerkschaft aktiv gewesen, habe sich für das globalisierungskritische Netzwerk Attac engagiert. Soziale Gerechtigkeit sei ihr sehr wichtig. „Ich weiß aus meinem Beruf, dass im sozialen Bereich manches schiefläuft.“ Dieses Wissen wolle sie einbringen.

Nicht jeder der laut auftritt, weiß auch besser Bescheid

Zu den Grünen fand Kathrin Voigt eher über Menschen als über Themen. Sie habe mehrere Parteimitglieder an einem Infostand in Ludwigsburg kennengelernt. Das war der erste Schritt. 2006 trat sie ein, denn die Grünen seien eindeutig die Partei, mit deren Zielen sie sich am ehesten identifizieren könne. Realo oder eher Fundi? „Ich will mich da gar nicht einordnen“, antwortet Voigt ganz ohne Bedenkzeit. Sie sei jedenfalls nicht mehr ganz so links wie zu ihren Attac-Zeiten.

Im Gemeinderat gehört Voigt zu einer dreifachen Minderheit: Sie ist eine Frau, jung und kommt nicht aus Ludwigsburg. Geboren wurde sie in Westafrika, wo ihr Vater als Entwicklungshelfer arbeitete. Aufgewachsen ist Kathrin Voigt in Esslingen, 2003 zog sie zu ihrem Mann nach Ludwigsburg. Vor der ersten Gemeinderatssitzung Ende Februar sei sie nervös gewesen, erzählt die 32-Jährige. „Ich bin nicht der Typ Mensch, der sofort lospoltert.“ Im Kreistag habe sie zu Beginn die Erfahrung gemacht, dass „die Alteingesessenen der anderen Parteien einen erst einmal nicht so ernst nehmen“. Mit dem Geschlecht habe das weniger zu tun, eher mit dem Alter. „Ich musste meine Scheu ablegen. Und ich musste lernen, dass nicht jeder, der laut auftritt, auch wirklich besser Bescheid weiß.“ Sie wolle sich gründlich in Themen einlesen, sich dann erst eine Meinung bilden. Ihr Ziel sei, frischen Wind in den Gemeinderat zu bringen. „Aber dafür brauche ich mehr Zeit.“

Für die Berufspolitik fehlt ihr der Ehrgeiz

Und Zeit ist momentan ein heikles Thema. Weshalb Kathrin Voigt einräumt, dass sie noch nicht entschieden hat, ob sie bei der Kommunalwahl im Frühjahr 2014 erneut antritt. Sie wolle ihre politische Arbeit richtig machen, ganz oder gar nicht. „Aber momentan gibt es Tage, an denen ich meine Tochter kaum sehe, und das zerreißt mich fast.“ Ambitionen, voll in die Politik einzusteigen und damit Geld zu verdienen, habe sie sowieso nicht. „Dafür bin ich die Falsche, denn in dieser Richtung fehlt mir der Ehrgeiz.“




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