Bernhausen - Angela Demeter-Gauger hat vor fast 25 Jahren das gewagt, wovor viele einen gesunden Respekt haben: Sie hat den Sprung in die Selbstständigkeit getan. Bereut hat sie ihn nie, sagt sie. Heute betreibt sie zwei Geschäfte in Bernhausen: den Haushaltswarenladen Triangolo und die Modeboutique Tragbar.
Alles begann damit, erzählt sie, dass es bei ihrem damaligen Arbeitgeber, einer Firma für Elektrotechnik, einen Wechsel in der Geschäftsführung gab. Sie war als Kauffrau im Einkauf tätig. „Die Schlüsselpositionen änderten sich“, erinnert sich Demeter-Gauger, „und es war klar: Ich war in dieser Position nicht mehr erwünscht“. Das sei die klare Ansage gewesen. Sie zog die Konsequenz – und ging.
Die Selbstständigkeit lockte
Nur: Was dann? Die Selbstständigkeit lockte, sich alleine etwas aufbauen. Sie habe überlegt, was es vor Ort in Filderstadt noch nicht gibt und was ihr Spaß macht. „Es war klar: Es werden entweder Haushaltswaren oder Papeterie“, erzählt die 64-Jährige, beides reizte sie. „Mir war die Wertigkeit wichtig, also Dinge für den täglichen Bedarf anzubieten, die gleichzeitig schön und nützlich sind.“
Es wurden dann – nach vielen Plänen und ausgiebiger Beratung – die Haushaltswaren. Und so eröffnete sie das „Triangolo“, zuerst am Pfarrberg, seit 2006 an der Rosenstraße in Bernhausen. „Das Chefin-Sein hat mir keine Angst gemacht“, sagt sie. „Natürlich habe ich mir Gedanken darüber gemacht. Aber ich habe gewusst, dass ich das hinkriege.“ Gesunden Respekt vor der Aufgabe habe sie gehabt, sagt sie. Aber: Sie könne gut mit Menschen umgehen, „und ich arbeite gern. Beides sind Grundvoraussetzungen“.
Probleme, sich durchzusetzen, habe sie nie gehabt. „In der Selbstständigkeit habe ich mich selbst verwirklicht“, sagt Angela Demeter-Gauger. Besonders freut sie sich darüber, dass sie zu ihren Mitarbeiterinnen – „tatsächlich alles Frauen, ein Mann hatten wir noch nie“ – ein gutes Verhältnis habe, alle seien schon lange dabei. „Da bin ich stolz drauf.“
Mut machen für den Schritt in die Selbstständigkeit
Angela Demeter-Gauger möchte den jungen Frauen von heute Mut machen, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen – auch gegen Widrigkeiten. „Es lohnt sich, da reinzugehen“, betont sie. „Sicher, man muss flexibel sein, den großen Zeitaufwand im Auge behalten, und man muss ein Konzept haben.“ Aber für diejenigen, die es wollten, sei die Selbstständigkeit „lohnens- und erstrebenswert“.
Ihr ist auch an der Einzelhandelsbranche gelegen. Eines ihrer Hauptanliegen ist es, dem Ladensterben entgegen zu wirken. So kam es 2008 zur Eröffnung der „Tragbar“-Boutique an der Nürtinger Straße: „In den Räumen hatte eine Boutique schließen müssen“, erinnert sie sich. Und sie habe überlegt, dass es doch schade sei, an diesem vielfrequentierten Ort, direkt in der Fußgängerzone, keinen Laden mehr zu haben. Also sprang sie ein zweites Mal ins kalte Wasser. „Ich hatte ja von Tuten und Blasen keine Ahnung“, erzählt Angela Demeter-Gauger, „ich musste mich erst orientieren in Sachen Mode, Personal aufbauen“.
Auch ihr setzt die Coronakrise zu
Sicher, die Coronakrise setzt auch ihr zu. „Nicht nur mit den Schließzeiten haben wir zu kämpfen“, sagt die 64-Jährige, „auch mit den Lieferschwierigkeiten einiger Händler“. Es sei finanziell eine schwierige Zeit. „Ich habe ja auch Verantwortung für meine sieben Mitarbeiterinnen, die mir immer treu zur Seite gestanden haben.“ Überbrückungshilfen und Kurzarbeitergeld seien zwar eine gute Sache, „aber nicht kostendeckend“. Modelle wie „Click and Collect“, also bestellen und abholen, seien nicht das Wahre für einen Laden, bei dem die gute Beratung der Kunden zählt. Aber nach wie vor gilt: „Ich habe das gemacht, was ich machen wollte“, sagt Angela Demeter-Gauger, „und ich habe es nie bereut“.