Frauen und Finanzen „Altersarmut ist gleichbedeutend mit Frauenarmut“

Laura Victoria Schick hat sich schon früh um ihre eigenen Finanzen gekümmert. Jetzt hat sie für Frauen einen Ratgeber geschrieben. Foto: PR/Die Hoffotografen GmbH

Viele Frauen überlassen es anderen, sich um ihr Geld zu kümmern. Die Unternehmerin und Immobilieninvestorin Laura Victoria Schick erklärt im Interview, wie Frauen finanziell unabhängig werden.

Psychologie/Partnerschaft: Nina Ayerle (nay)

Mit 23 Jahren hat Laura Victoria Schick sich ihre erste eigene Wohnung in Berlin als Geldanlage gekauft. Inzwischen besitzt die studierte Immobilienökonomin mehrere Immobilien – mit 33 Jahren. Mit ihrem Buch „Blondinen können alles. Außer Geld“ will sie vor allem Frauen dabei unterstützen, sich selbst um ihre Finanzen zu kümmern – und dadurch persönliche Freiheit zu erlangen. Im Interview erklärt sie, warum eine selbstgenutzte Immobilie zwar oft ein Lebenstraum ist, aber auch verheerende finanzielle Auswirkungen haben kann.

 

Frau Schick, warum interessieren sich Frauen immer noch so wenig für ihr Geld und wie sie es vermehren können?

Viele Frauen verlassen sich bei der Geldanlage immer noch auf den Mann, den Vater oder den Steuerberater. Das liegt auch daran, dass sie sich mit Finanzen immer noch weniger auskennen und oft aber auch nicht vorausschauend planen. Bei meiner Arbeit für eine Berliner Investment-Immobilienfirma habe ich immer wieder festgestellt, dass sowohl Käufer als auch Verkäufer zu 90 Prozent Männer sind. Das war dann der Aufhänger für mein Buch. Denn vielen Frauen fehlt es oft einfach an dem Bewusstsein für die eigenen Finanzen.

Sie raten Frauen, direkt mit dem Eintritt in den ersten Job mit dem Vermögensaufbau zu beginnen. Aber wie soll das funktionieren?

Es hängt von individuellen Faktoren ab, wie schnell jemand Eigenkapital aufbauen kann. Aber ich rate immer direkt schon anzufangen mit sparen, wenn man mit dem Arbeiten beginnt. Man ist nie zu jung, um zu investieren, aber es gibt natürlich eine Zeit, in der man schon zu alt ist, weil man keine Kredite mehr bekommt. Und es ist ja immer eine Entscheidung, ob ich zum Beispiel auch zu Weihnachten und zum Geburtstag immer Geschenke möchte oder lieber Geld, um es auf die Seite zu legen und später zu investieren. Geld zu verschenken ist für mich das nachhaltigste Geschenk, weil man damit für sich etwas aufbauen kann, was langfristig Früchte trägt. Ab 20 000 Euro hat man eigentlich schon genug Eigenkapital, um sich eine kleine vermietete Eigentumswohnung zum Zweck des Vermögensaufbaus in Stadtrandgebieten zu kaufen.

Viele sparen eher für ihren Traum vom eigenen Häusle. Sie raten aber, sich gar nicht zu sehr auf ein selbstgenutztes Eigenheim zu fokussieren, sondern Immobilien zu vermieten. Warum?

Zunächst sind Wohnungen und Häuser, die nicht vermietet sind, immer schon etwa 20 Prozent teurer. Und wenn ich mir eine Immobilie für mich kaufe, dann habe ich einen ganz anderen Blick darauf. Dann schaue ich darauf, ob das Viertel ansprechend ist, die Wohnung in einer schönen Straße ist, ob sie hohe Decken, eine Badewanne und einen Südwestbalkon hat. Das kostet alles viel mehr Geld. Eine Immobilie, die ich selbst nutze, ist ein reines Konsumgut. Zwar bezahlen wir sie ab und leben dann irgendwann in den eigenen vier Wänden, aber wir wollen uns dort natürlich auch eher verwirklichen, stecken also viel mehr Geld in Reparaturen und Verschönerungen. Ich rate deshalb, immer zuerst in eine vermietete Immobilie zu investieren.

Also raten Sie von einer gekauften Wohnung für den Eigenbedarf ab?

Es ist vielleicht vielmehr eine Frage der Reihenfolge. Wenn ich mir eine oder mehrere Immobilien als Anlageobjekte angeschafft habe, dann kann ich mir später irgendwann durchaus auch eine eigene gönnen. Die Kreditkonditionen bei der Bank sind ja dann auch viel besser, wenn ich bereits andere Immobilien als Sicherheit habe.

Sagen wir, ich habe eine Million Euro geerbt. Davon könnte ich mir doch aber eine tolle Wohnung oder sogar ein Haus kaufen, denn ich habe dann ja schon genügend Geld?

Da würde ich eben raten, nicht alle Eier in ein Körbchen zu legen. Sie könnten sich auch für jeweils 100 000 Euro Eigenkapital plus sagen wir 150 000 bis 250 000 Euro Fremdkapital von der Bank (je nach Bonität) drei Mietwohnungen kaufen, dann hätten Sie immer noch genügend Geld, um sich eine eigene Wohnung zu leisten. Sie hätten aber gleichzeitig auch investiert.

Warum ist eine Immobilie besser als eine Aktie?

Wenn ich zu meinem Eigenkapital einen Kredit bei der Bank für eine Wohnung aufnehme, muss ich das Fremdkapital von der Bank ja nicht selbst tilgen, denn im Prinzip bezahlt der Mieter ja meinen Kredit ab. Das ist für mich immer der Zauber an einer vermieteten Wohnung. Bei einer Aktie, bei einem Gemälde oder auch bei Goldkauf habe ich genau dies nicht. Und klar, das geht nicht von jetzt auf gleich. In jedem Fall ist es sinnvoll, früh damit anzufangen, sich ein passives Einkommen anzulegen. Also eine Quelle, die immer fließt, ohne dass ich dafür arbeiten muss. Und das ist das Wunderbare an einer Immobilie. Am Anfang gehen die Mieteinnahmen zwar an die Bank, aber wenn sie abbezahlt ist, kommt man in die wunderbare Situation einer stabilen und komfortablen Lebenssituation. Und da spreche ich nicht einmal von riesigen Einnahmen – 1 000 Euro extra zur Rente können doch schon einen großen Unterschied machen!

Sie schreiben in ihrem Buch „Scheidung und Tod sind des Maklers Brot“ – es sind ja vor allem Frauen, die nach einer Trennung immer noch schlechter gestellt sind.

Ja, das trifft vor allem auch dann zu, wenn Männer bereits eine Immobilie vor der Heirat haben, in der sie nur selbst im Grundbuch eingetragen sind. Wenn die Frau nicht Miteigentümerin der Immobilie ist, geht sie nach einer Trennung leer aus. Und das Leben spielt eben nun mal die schlechtesten Geschichten, wenn man sich finanziell nicht auf eigene Füße stellt. Frauen sind durch den Gender Pay Gap ja auch schon beim Gehalt immer noch schlechter gestellt, deshalb braucht es kluge Investitionen.

Würden Sie einer Frau heute noch raten, Hausfrau zu sein?

Nein, definitiv nicht. Das rächt sich auch später bei der Rente. Frauen haben ohnehin schon während ihres Erwerbslebens häufig durch Mutterschutz und Elternzeit Unterbrechungen beim Einkommen und meistens verdienen sie danach auch nicht so viel wie davor. Es gibt eine wirtschaftliche Ungleichheit zwischen Männern und Frauen. Und die beginnt nicht nur beim Einkommen, sondern schon beim eigenen Vermögen. Frauen erben weniger, Frauen haben weniger Vermögen, Frauen besitzen weniger Immobilien. Und deswegen ist Altersarmut gleichbedeutend mit Frauenarmut. Hört die Alarmglocken, liebe Damen!

Viele Frauen steigen auch aus dem Beruf aus, wenn sie heiraten.

Das halte ich für keine gute Idee. Das Wichtigste für eine Frau ist, wenn sie ihr eigenes Hab und Gut hat. Natürlich ist das nicht für alle Frauen gleich wichtig, aber ich bin fest davon überzeugt, dass das eine wichtige Voraussetzung für eine gesunde Partnerschaft ist. Mann und Frau begegnen sich in einer Beziehung erst auf Augenhöhe, wenn keiner finanziell abhängig vom anderen ist. Ich habe nichts gegen Genuss im Alltag, schöne Reisen oder mal ein Sabbatical. Aber ich bin der Meinung, dass ich mich vorher selbst finanziell gut aufstellen muss. Persönliche Freiheit kommt durch finanzielle Unabhängigkeit, und dazu muss ich eben früh damit anfangen. Und darauf hinzuarbeiten, ist für mich auch eine schöne Aussicht im Leben.

Zur Person

Leben
Laura Victoria Schick, Jahrgang 1990, ist Investorin, Immobilienexpertin und Mutter. Sie hat zunächst eine Ausbildung zur Hotelfachfrau absolviert. Später hat sie Immobilienökonomie studiert. Mit 23 Jahren kaufte sie ihre erste Wohnung von ihrem Ersparten. Danach sind weitere Wohnungen und Mehrfamilienhäuser dazugekommen. Inzwischen ist Unternehmerin und Referentin für Vermögensaufbau, ihr Fokus liegt insbesondere darauf, Frauen auf dem Weg in die finanzielle Unabhängigkeit zu beraten.

Buch
Ihr Buch „Blondinen können alles. Außer Geld. Warum finanzielle Unabhängigkeit für Frauen kein Luftschloss ist“ ist im mvg Verlag erhältlich (22 Euro). (nay)

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