Frauenchor Fortissimas Die Mischung macht’s

Von Kathrin Thimme 

Sangesfreudige Lesben haben vor etwa 20 Jahren den gemischten Frauenchor Fortissimas gegründet.

Die Sängerinnen des gemischten Frauenchors haben etwa vier Auftritte im Jahr. Foto: Gordon Grünhage
Die Sängerinnen des gemischten Frauenchors haben etwa vier Auftritte im Jahr. Foto: Gordon Grünhage

S-West - Der Name gemischter Frauenchor lässt einen zunächst einmal stutzig werden. Dürfen auch Männer in dem Chor mitsingen, der vielleicht einst ein reiner Frauenchor war? „Nein, Männer singen nicht mit“, sagt die Vereinsvorsitzende des Chors, Margit Riedinger. „Beim Bühnenaufbau vor Konzerten dürfen sie aber gerne mithelfen.“

Ansonsten ist der Chor aber bunt gemischt. Manche Frauen haben eine Familie, andere sind Singles, viele haben einen Job, andere sind auf der Suche, die einen haben einen Mann an ihrer Seite, die anderen teilen ihr Leben mit einer Frau. Momentan seien mehr Mitglieder hetero- als homosexuell. „Das ist auch kein Einstiegskriterium“, sagt Riedinger. Aber es ist der Ursprung des Chors.

„Es gab nicht genug lesbische Frauen, die gut bei Stimme sind“

Es war 1992 im damaligen Frauenbuchladen an der Olgastraße. „Wir waren ein paar Frauen, die singen wollten“, erzählt Anne Huschens, die fast von Anfang an dabei ist. Daraus entstand ein lesbischer Frauenchor – allerdings nur für drei Wochen. „Es gab einfach nicht genug lesbische Frauen, die gut bei Stimme sind“, sagt Huschens. So kamen heterosexuelle Frauen dazu. Zum Glück, wie Anne Huschens und Margit Riedinger finden. „Wir wollen keine Separierung, sondern eine gute Durchmischung“, so Riedinger, die seit 2004 Mitglied und seit 2006 Vereinsvorsitzende ist. Vom Frauenbuchladen in Mitte zogen die Frauen bald in den Westen. Sie probten im alten Eltern-Kind-Zentrum an der Bismarckstraße, später im neuen Zentrum an der Ludwigstraße. Zu Gesang-Workshops trafen sie sich auch im Frauenkulturzentrum Sarah. Seit 2005 ist das Bürgerzentrum ihre Heimat.

2001 gründeten die Frauen einen Verein und traten dem Verband Baden-Württembergischer Sängerbund bei. „So erhalten wir eine Förderung, können uns mit anderen Chören vernetzen und Gema-Anmeldungen pauschal über den Dachverband laufen lassen“, so Riedinger.

Jeschi Paul leitet den Chor seit 1994

Die Vereinsgründung war ein Schritt hin zur Professionalisierung, auch wenn der Chor ein „ambitionierter Laienchor“ (Riedinger) ist und bleiben will. Geleitet werden die 35 Sängerinnen seit 1994 von Jeschi Paul, die unter anderem der A-Capella-Gruppe Pepper & Salt angehört. Sie schreibt auch Arrangements für den Frauenchor und wandelt teilweise Liedtexte so um, dass sie zum Chor passen. „Wir wollen Lieder, die frei interpretierbar sind und nicht die klassische Rollenaufteilung Mann-Frau thematisieren“, sagt Riedinger.

Einige Frauen trauen sich mittlerweile auch Solo-Parts zu. Neue Mitglieder müssen anfangs unter vier Ohren mit Jeschi Paul Töne nachsingen und sollten sich zügig das mittlerweile ansehnliche Repertoire an Liedern aneignen. Denn bei Auftritten singt der Chor ohne Notenblätter in der Hand. Die Hände brauchen die Damen für die Choreografien, die sie ganz nebenbei auch selbst entwickeln.

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