Frauenfußball Schöllkopf: „Bei den Frauen sieht es viel feiner aus“

Trainer Thorsten Schöllkopf bereitet die Taktiktafel demnächst für die Donzdofer Fußballfrauen vor. Foto: /Herbert Rudel

Warum der Noch-Plochinger Thorsten Schöllkopf im Sommer Fußball-Trainer des Frauen-Verbandsligisten 1. FC Donzdorf wird.

Manchmal passieren im Urlaub die besten Sachen. Als Thorsten Schöllkopf und seine Frau sich um Weihnachten ein bisschen Wellness gönnten, trudelte eine E-Mail bei ihm ein. Absender war der 1. FC Donzdorf, der auf der Suche nach einem neuen Trainer für sein in der Verbandsliga kickendes Frauenfußball-Team war. Schöllkopf, der damals schon beim (Männer)-Bezirksligisten FV Plochingen seinen Abschied zum Saisonende angekündigt hatte, erzählt von dem Moment: „Ich habe gedacht: Wow. Es hat gleich Klick gemacht.“ Noch ein bisschen hat es gedauert, bis die Gespräche abgeschlossen waren, aber jetzt ist klar: Schöllkopf wird zu Beginn der kommenden Saison Coach der Donzdorfer Frauen – und freut sich riesig drauf.

 

Seit er sich mit dem Thema beschäftigt, wächst die Vorfreude von Tag zu Tag. „Ich kenne mich mittlerweile richtig aus“, sagt Schöllkopf und lacht. Er weiß, wie die Donzdorferinnen dastehen – als Aufsteigerinnen auf Platz fünf der Verbandsliga – und was für einen Fußball sie spielen. Und überhaupt, welche Entwicklung der Frauenfußball in den vergangenen Jahren genommen hat. „Es ist nicht so die extreme Athletik wie bei den Männern da, bei den Frauen sieht es viel feiner aus“, erzählt er. Gerade vom Auftritt des Donzdorfer Teams im Achtelfinale des WFV-Pokals gegen Oberligist TSV Tettnang Ende Februar war er – trotz der 1:4-Niederlage – begeistert. Von den spielerischen Anlagen, „und die können rennen“. Das liegt wohl auch am jungen Durchschnittsalter des Teams.

Und das wiederum bedeutet auch, dass Schöllkopf fest davon überzeugt ist, in Donzdorf einiges bewegen zu können. „Es ist noch viel Luft nach oben, den Spielerinnen etwas beizubringen“, sagt der Coach, „in den nächsten Jahren kommen ungefähr 25 Spielerinnen aus der starken Jugend raus – in Plochingen hatte ich in den fünf Jahren keinen einzigen Jugendspieler, den ich einbauen konnte.“

Neue Perspektive

Ein Grund, warum die Donzdorferinnen Schöllkopf und damit einen Trainer von außen wollten, ist gerade, dass sie für die vielen Talente eine neue Perspektive suchen. Noch-Coach Christian Ziegler hat viele der Fußballerinnen seit frühester Jugend begleitet. „Wir schauen in der Liga mehr nach oben als nach unten. Was wir brauchen, ist jemand, der das sehr junge Team mental festigt und seine Erfahrung einbringen kann“, sagte Diana Ziegler, die beim Verein für den Frauenfußball zuständig ist, der „NWZ“ in Göppingen. Und: „Dafür erscheint uns Thorsten als perfekte Wahl.“

Der nimmt die weitere Anfahrt von seinem Wohnort Denkendorf in Kauf und den Umstand, dass generell im Frauenfußball weniger Geld unterwegs ist. Ein Angebot, bei einem Männerteam die sportliche Leitung zu übernehmen, hat er abgelehnt. „Es ist eine sehr reizvolle Aufgabe“, sagt der 44-Jährige, der selbst in der Oberliga gekickt hat – und eben eine neue. Tipps könnte sich Schöllkopf etwa von Mario Sinko holen, der vor ein paar Jahren nach seinem Trainerposten bei den Männern des TSV Köngen die Frauen des TSV Deizisau übernommen und dort sehr gerne gearbeitet hat.

Noch eine Aufgabe in Plochingen

Noch aber hat Schöllkopf „eine Aufgabe in Plochingen“ zu erledigen. Nach fünf Jahren, davon zwei als Co-Spielertrainer und drei als Chefcoach, will er sich von den zurzeit schwächelnden Bezirksligamännern unbedingt mit dem Klassenverbleib verabschieden. Dann geht er die Herausforderung Frauenfußball in Donzdorf an. Was anders sein wird, darauf ist er jetzt schon gespannt. Und er rechnet auch damit, dass es für ihn ein Lernprozess wird.

Wie hat eigentlich sein Umfeld auf den bevorstehenden Schritt reagiert? „Gut. Viele haben gesagt, das passt voll zu mir“, erzählt Thorsten Schöllkopf. Auch seine Frau unterstützt ihn. Das hat sie ihm vermutlich gleich in irgendeinem wohl temperierten Becken beim Wellness gesagt.

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