Enttäuscht saßen die Fußballerinnen des Landesligisten SGM Wendlingen/Ötlingen auf dem Rasen und brauchten ein bisschen, um die Ereignisse einzuordnen. Denn erst kurz vor dem Schlusspfiff kassierten die Wendlingerinnen den Gegentreffer, der zur 1:2 (1:0)-Niederlage gegen den Verbandsligisten VfB Stuttgart II im Viertelfinale des WFV-Pokals führte. Ein paar Minuten später sah die Welt der SGM-Spielerinnen zumindest wieder etwas besser aus – zumal die Wendlingerinnen erkannten, dass sie den Verbandsligisten lange Zeit Paroli geboten hatten. Wendlingens Coach Carlo Liotti tröstete seine Spielerinnen und führte sie in Richtung der SGM-Fans, die das Team für die starke Leistung feierten.
„Spielerisch lief wenig zusammen“
„Eine bittere Niederlage in allerletzter Sekunde, da wir sehr lange geführt haben“, resümierte Coach Liotti, der auch erst mal einen Moment brauchte, um sich zu sammeln, dann aber lobende Worte für sein Team übrig hatte: „Wir haben stark gekämpft sowie offensiv immer mal wieder gute Akzente gesetzt. Und die Verteidigung stand sehr gut.“ Auf der anderen Seite des Platzes freuten sich die Stuttgarterinnen und deren Trainer Alexander Hofstetter über den Sieg – und den Einzug in das Halbfinale des WFV-Pokals. „Dass der Siegtreffer dann in der allerletzten Sekunde passiert, war natürlich glücklich, aber im Großen und Ganzen war es verdient. Wir haben uns die Partie anders vorgestellt, denn vor allem spielerisch lief wenig zusammen, aber die Wendlingerinnen haben es körperlich auch brutal gut gemacht“ , sagte Hofstetter.
Dabei bekamen die 150 Zuschauer, die sich im Sportpark am Speck einen sonnigen Platz suchten, in Hälfte eins eine chancenarme und spielerisch schwache Vorstellung beider Teams zu sehen. Die Stuttgarterinnen übernahmen zwar von Anfang an erwartungsgemäß die Kontrolle über die Partie, gefährliche Angriffsaktionen blieben jedoch Mangelware. Und wenn doch mal ein Ball durch die SGM-Abwehr durchrutschte, dann war Keeperin Sina Frank zur Stelle. Die Wendlingerinnen bekamen es aber mit zunehmender Spieldauer besser hin, die Hektik im Mittelfeld zu begrenzen, und versuchten über schnelle Bälle in die Spitze auf Topstürmerin Sabrina Trampitsch Torchancen zu kreieren.
Führungstreffer fällt aus dem Nichts
Der SGM-Führungstreffer war dann ein Zufallsprodukt und fiel aus dem Nichts. Nach einem Einwurf der Wendlingerinnen bekamen die Stuttgarterinnen den Ball nicht unter Kontrolle und SGM-Spielerin Trampitsch setzte gut nach. Das Leder landete darauf bei Hanna Schmidt, die alleine in den Strafraum lief und eiskalt zum umjubelten 1:0 einschob. „Wir haben von hinten raus zu unsauber gespielt und sind so unsicherer geworden“, sagte Stuttgarts Coach Hofstetter, der mit der Phase seines Teams kurz vor der Pause nicht zufrieden war.
Auch zu Beginn der zweiten Hälfte änderte sich das Bild erst einmal nicht. Mit der Führung im Rücken spielten die Wendlingerinnen nun mutiger nach vorne – und die SGM-Abwehr um Caroline Müller hatte immer einen Fuß dazwischen, um die Angriffsversuche des VfB II zu unterbinden. „Wir hätten da denn Ball etwas schneller laufen lassen können, aber die Gegnerinnen haben uns auch gut zugestellt“, sagte SGM-Trainer Liotti und ergänzte: „Dann ging unser Spielfluss etwas verloren und wir haben zu defensiv agiert. Das war nicht die Vorgabe.“
Individueller Fehler führt zum 2:1 für den VfB II
So kam es dazu, dass die VfB-Spielerinnen in der letzten Viertelstunde zielstrebiger nach vorne spielten und in der 80. Minute einen Strafstoß zugesprochen bekamen. Den Elfmeter verwandelte Stuttgarts Florentina Holz zum 1:1-Ausgleich. Die Wendlingerinnen versuchten darauf, dass Unentschieden erst einmal über die Zeit zu retten. Ein individueller Fehler der SGM-Abwehr kurz vor dem Schlusspfiff sorgte jedoch dafür, dass die eingewechselte VfB-Spielerin Lena Tarmann auf einmal alleine vor dem Tor stand und den 2:1-Siegtreffer für Stuttgart erzielte. „Auf diese Art und Weise zu verlieren, ist natürlich nicht schön, aber so ist es eben manchmal im Fußball. Nichtsdestotrotz bin ich zufrieden mit der Leistung meines Teams“, sagte Liotti, der im Kopf direkt auf das kommende Ligaspiel umschaltete und die Enttäuschung abschüttelte: „Wichtig ist nun, dass wir den Jahresauftakt in der Landesliga in zwei Wochen beim 1. FC Normannia Gmünd siegreich gestalten.“
SGM Wendlingen/Ötlingen: Frank – Schmid, Müller, Claus (56. Hildebrand), Schöne (89. Sanzi) – Schmid, Zeller, Schmidt, Vogt, Winkler – Trampitsch.
VfB Stuttgart II: Ebner – Krieg, Barth (76. Böpple), Baumann, Entenmann – Haas, Biermann, Rock (46. Holz), Müller, Kummerow – Bayer (69. Tarmann).
Schiedsrichter: Philipp Lehmann (Nürtingen).
Zuschauer: 150.
Tore: 1:0 Schmidt (34.), 1:1 Holz (80.), 1:2 Tarmann (90.+3).
Beste Spielerinnen: Frank, Müller, Schmidt / Haas, Biermann, Tarmann.