Frauenkopf Eltern wollen Waldheim retten

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Dem Waldheim Frauenkopf droht das Aus. Die evangelische Kirche hat den Pachtvertrag gekündigt, er läuft zum 31. März 2014 aus. Eltern aus dem Stadtbezirk Stuttgart-Ost, deren Kinder das Waldheim jedes Jahr besuchen, wollen jetzt eine Initiative zur Rettung der Einrichtung starten. Auftakt könnte ein Runder Tisch sein.

Die Tage des Waldheims Frauenkopf scheinen gezählt zu sein. Foto: StZ
Die Tage des Waldheims Frauenkopf scheinen gezählt zu sein. Foto: StZ

S-Ost - Die Nachricht von der bevorstehenden Schließung des Waldheims Frauenkopf sorgt im Stuttgarter Osten für viele Diskussionen. Während manche einen Schuldigen suchen und dabei wahlweise Politiker, Oberbürgermeister, die Stadt allgemein und die Kirche scharf kritisieren, sind andere auf der Suche nach einer Lösung. Das Land jedenfalls als Eigentümer der Forstflächen am Frauenkopf steht nach eigenen Angaben einem tragfähigen Konzept aufgeschlossen gegenüber. Eltern aus Gaisburg und Gablenberg, deren Kinder seit Jahren jeden Sommer das Waldheim besuchen, überlegen unterdessen , eine Bürgerinitiative zur Rettung des Waldheims zu gründen.

Das Grundstück, auf dem das Waldheim Frauenkopf steht, gehört dem Land Baden-Württemberg. Zwischen dem Land und der evangelischen Kirche besteht seit Jahrzehnten ein Pachtvertrag über eine Waldheim-Nutzung des Geländes. Das evangelische Waldheim Frauenkopf wurde 1922 gegründet, es ist damit eines der ältesten Waldheime Stuttgarts. Im vergangenen Jahr hat die evangelische Kirche das 90-jährige Bestehen des Waldheims gefeiert. Von einer möglichen Schließung war damals nicht die Rede.

Der Vertrag endet zum 31. März

Vertreter des Landes bei der Verwaltung des Grundstücks ist die beim Garten-, Friedhofs- und Forstamt der Landeshauptstadt angesiedelte Untere Forstbehörde. Ganz konkreter Ansprechpartner dort in dem Fall für die evangelische Kirche als Betreiber des Waldheims ist Hagen Dilling. Er bestätigt, dass die Kirche den Pachtvertrag aktiv fristgerecht gekündigt habe, damit er sich nicht, wie in den vergangenen Jahrzehnten üblich, automatisch um zehn Jahre verlängert. Grund für die Kündigung ist wie berichtet die dringend erforderliche Sanierung der Gebäude, deren Kosten nach Angaben der Kirche auf rund zwei Millionen Euro geschätzt werden – ein Betrag, den die Kirche nicht hat.

Der gekündigte Vertrag endet zum 31. März. Hagen Dilling sagt: „Ich bin mir wie alle Beteiligten der Bedeutung der Waldheimnutzung dort durchaus bewusst. Einer tragfähigen Konzeption für eine Fortführung des Waldheims stehen wir aufgeschlossen gegenüber.“ Dafür müsse die Kirche aber zunächst ein solches Konzept vorlegen. Dilling: „Die Gespräche laufen und werden weiter laufen. Jetzt ist erst einmal die Kirche am Zug.“

Die Gebäude sind marode

Einige Eltern aus dem Stadtbezirk Stuttgart-Ost wollen ein endgültiges Aus für das Waldheim Frauenkopf nicht einfach hinnehmen, sondern an einer Lösung mitarbeiten. Die Gaisburgerin Ruth Eulert hat jetzt einen Brief an den Bezirksvorsteher von Stuttgart-Ost, Martin Körner, geschrieben. Ihre Söhne, acht und elf Jahre alt, haben in den vergangenen drei Jahren in den Sommerferien erlebnisreiche Tage im Waldheim Frauenkopf verbracht. Sie sei sehr traurig und auch aufgebracht darüber, dass es das Waldheim dort künftig nicht mehr geben soll. „Natürlich war man als Eltern nicht glücklich über die maroden Zustände innerhalb des Hauses und über die wirklich fast indiskutablen sanitären Zustände“, schreibt sie. „Aber man war doch immer voll der Hoffnung, dass da irgendwann schon einer kommt, der das richtet.“Die Gaisburgerin hat mit mehreren Eltern gesprochen, die bereit wären, sich zu engagieren. Sie wisse auch, „dass gerade die im Osten ansässigen Handwerksbetriebe gerne helfen, wenn Not am Mann ist.“ Sie fragt in ihrem Brief den Bezirksvorsteher, wie solche Möglichkeiten in den Entscheidungsprozess eingebracht werden könnten. Körner kann das nur unterstützen: „Es kann nicht sein, dass eine solche Institution sang- und klanglos abgewickelt wird.“

Sollte der Pachtvertrag 2014 tatsächlich enden, kämen trotzdem Kosten auf die Kirche zu. Das Gelände müsste im Ursprungszustand zurückgegeben werden, die Gebäude müssten abgerissen werden.

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