Frauenmorde in Serbien Opfer vom Dienst

Von S 

Serbien wird von einer Reihe brutaler Frauenmorde erschüttert. Täter sind meist die Ehemänner.

Das serbische Parlament hat Gesetze erlassen, um Familiendramen zu verhindern – bislang ohne Erfolg. Foto: dpa
Das serbische Parlament hat Gesetze erlassen, um Familiendramen zu verhindern – bislang ohne Erfolg. Foto: dpa

Belgrad - Belgrad - erbiens hartgesottene Boulevardpresse suhlt sich wieder einmal aufgeregt im Mörderblut. Von „Horrorfilm-Szenen“ berichten die „Vesti“ angesichts der nicht abreißenden Kette tödlicher Familiendramen: „Serbien schluchzt im Blut.“ Tatsächlich erschüttert erneut eine Welle von Frauenmorden die Öffentlichkeit in dem angeschlagenen Balkanstaat. Durchschnittlich 130-140 Mordfälle pro Jahre weisen die Kriminalstatistiken des EU-Anwärters auf. Jedes dritte bis vierte Opfer ist eine Frau: Meist werden sie von ihren Ehemännern, Ex-Partnern, Liebhabern, Söhnen oder Vätern getötet.

Erst vor einem Monat hatte das Parlament ein Gesetz zur Verhinderung von Familiengewalt verabschiedet. Bisher verpufft das noble Ansinnen allerdings noch wirkungslos: Die jüngsten Fälle öffentlich zelebrierter Frauenmorde haben allenfalls die Notwendigkeit eines besseren Schutzes von Frauen und Kindern vor gewalttätigen Familienvätern demonstriert. Für Entsetzen sorgte Mitte Juli der Mord an der 38-jährigen Belgraderin Maja D., die ihren damaligen Ehemann Marko N. wegen dessen Gewalteskapaden schon während ihrer Schwangerschaft 2013 bei der Polizei angezeigt hatte. 2015 erwirkte ihr Ex-Mann ein wöchentliches Besuchsrecht für den gemeinsamen Sohn Mihajlo.

Mehrmalige Eingaben der Mutter, die vor dem gewalttätigen Charakter ihres Mannes warnte, blieben ungehört. Mit fatalen Folgen. Bei der Übergabe des Kindes erwürgte der 43-jährige vor dem Sozialamt im Stadtteil Rakovica vor den Augen der Mutter am 14. Juli erst den vierjährigen Sohn, bevor er seine Ex-Frau erstach und drei zur Hilfe eilende Sozialarbeiter zum Teil schwer verletzte.

Vom Staat fühlen sich die meisten Opfer allein gelassen

Tödlich sollte zu Monatsbeginn auch für die 38-jährige Olga L. das erste Treffen mit ihrem Ex-Mann nach dessen Entlassung aus dem Gefängnis in den Räumen des Sozialamts in Neu-Belgrad enden: Vor den Augen der drei gemeinsamen Kinder erschlug der 48-Jährige seine frühere Frau mit einem Stein. Fatal endete am Wochenende auch die Heimkehr der in Österreich arbeitenden 44-jährigen Dragana J. in ihr Dorf Banatski Karlovac: Weil ihr eifersüchtiger Mann ihren erneuten Abschied ins Gastarbeiterexil verhindern wollte, erstach er erst seine Frau – und richtete dann sich selbst.

Mit patriarchalischen Strukturen alleine sind die regelmäßigen Gewaltexzesse Amok laufender Familienväter in Serbien kaum zu erklären. Das Kriegsjahrzehnt der 90er Jahre und die endlose Transformationszeit haben fast allen Staaten des früheren Jugoslawiens nicht nur einen Berg illegaler Waffen und traumatisierte Kriegsveteranen beschert, sondern auch Armut, Emigration und völlig zerrüttete Sozialstrukturen.

Die von ihren Prügelmännern oft abhängigen und erpressten Frauen fühlen sich vom eher schwachen Staat nur unzureichend geschützt. Kurzzeitig verhaftete Familienplagegeister können ihre Angehörige nach ihrer Freilassung oft ungestraft weiter malträtieren. Zu allem Übel mischen sich nicht nur Nachbarn, sondern auch Gesetzeshüter in vermeintliche Familienstreitigkeiten eher ungern ein. Von einem „dunklen Kreis des Verbrechens“ spricht das Wochenblatt „NIN“: Der Staat habe nicht nur Gewalttätern mit Strafe zu drohen, sondern allen deutlich zu machen, dass Frauen „keine potenziellen Opfer vom Dienst, sondern gleichberechtigte Mitglieder der Gesellschaft sind“.




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