Frauenpower im Herrenberger Wald Die Motorsäge ist ihr ständiger Begleiter
Anna Häbe ist die erste Forstwirt-Auszubildende im Herrenberger Stadtwald. Die anstrengende und oft auch gefährliche Arbeit macht der 22-Jährigen Spaß.
Anna Häbe ist die erste Forstwirt-Auszubildende im Herrenberger Stadtwald. Die anstrengende und oft auch gefährliche Arbeit macht der 22-Jährigen Spaß.
Den halben Tag über schwingt Anna Häbe die sechs Kilogramm schwere Motorsäge. Späne fliegen durch die Luft, während die 22-Jährige mit dem knatternden Gerät gekonnt eine Scheibe vom Baumstamm absägt. Die junge Frau mit den blonden Locken trägt eine Schnittschutzhose, eine schwere Jacke, Sicherheitsschuhe – und das bei schwülen 25 Grad. Auch Helm und Gehörschutz gehören sowohl im Winter wie im Sommer zu ihrer alltäglichen Arbeitskleidung. Doch das macht der 22-Jährigen nichts aus. Bäume fällen, pflegen und pflanzen – das ist genau ihr Ding.
Anna Häbe, die in Sindelfingen aufgewachsen ist und nun in Ehningen wohnt, ist die erste auszubildende Forstwirtin im Herrenberger Stadtwald und die einzige im Kreis Böblingen. Die 22-Jährige schließt Ende Juli ihre Ausbildung ab. Die Liebe zum Wald entdeckte die Sindelfingerin während eines Praktikums nach dem Abitur beim Holzgerlinger Förster Achim Klausner.
Forstarbeit gilt meist noch immer als eine klassische Männerdomäne. „Zu gefährlich, zu schwer“, lauten die Argumente. Doch viele Frauen – wie Anna Häbe – beweisen längst, dass sie es genauso gut können. „Ich finde den Beruf super spannend“, erklärt sie. „Allerdings kennen den Beruf die wenigsten. Meinen Freundinnen musste ich erst einmal erklären, was ich überhaupt mache“, sagt Häbe. Schnell waren sich die jungen Frauen aber einig, dass der Beruf zu ihrer Freundin passe. Vor ihrer Ausbildung zur Forstwirtin war die 22-Jährige eineinhalb Jahre lang Fallschirmjägerin bei der Bundeswehr. Sie weiß also, wie man sich als Frau in einer Männerdomäne behauptet. Negative Erfahrungen aufgrund ihres Geschlechts hat die 22-Jährige bislang wenige gemacht. Manchmal werde man von Außenstehenden nicht ganz ernst genommen, und man müsse sich in ihrem Beruf vielleicht etwas mehr beweisen als Frau, sagt sie.
In ihrem Team rund um die Forstrevierleiterin Stefanie Knorpp fühlt sich Häbe wohl. „Wir verstehen uns alle gut“, erzählt sie. Und das ist auch wichtig – denn Teamarbeit ist das A und O bei der Arbeit im Wald. Gemeinsam pflegen und bewirtschaften sie den Herrenberger Stadtwald mit seinen knapp 2000 Hektar Waldfläche. Bei Wind und Wetter wird in Teams von mindestens drei Leuten draußen gearbeitet. Das Kerngeschäft ist die Holzernte. „Man muss sich dabei vertrauen“, sagt Häbe.
Vor allem im Winter werden Bäume mit unterschiedlichen Fälltechniken gefällt, entastet und manchmal auch die Stämme entrindet. „Im Winter stehen die Laubbäume nicht im Saft. Das Laub fehlt, man sieht ihre Krone und sie haben weniger Gewicht“, erklärt die 22-Jährige. Das alles ist jedoch nicht ganz ungefährlich. Angst bei der Arbeit mit der Motorsäge hat die junge Frau nicht. Es sei ihr tägliches Werkzeug. Aber ein gewisser Respekt beim Umgang mit der Motorsäge sei schon wichtig, sagt Häbe. Im Frühjahr und im Sommer stehen dann die Pflanzung von Bäumen und die Jungbestandspflege an.
Da die Endknospe für Rehe eine echte Delikatesse ist, gilt ist, die jungen Bäume zu schützen. Und auch Wildschweine können Bäumen Schäden zufügen. Daher lohne es sich, die Population im Blick zu behalten. Auch wenn Häbe viel im Wald unterwegs ist, so sieht sie eher selten Wildschweine. Gerochen hat sie die borstigen Wildtiere aber schon öfters. „Sie riechen nach Maggi“, sagt die 22-Jährige. Wildschweine produzieren nämlich einen Duftstoff, der dem Maggi-Geruch sehr ähnelt. Er bleibt teilweise noch Stunden, nachdem die Wildschweine da waren, an Ort und Stelle.
Bereut hat Anna Häbe ihre berufliche Entscheidung nie. Am besten gefällt ihr an ihrem Job, dass sie immer draußen an der frischen Luft unterwegs und körperlich aktiv ist. Sie will andere Frauen ermutigen, einen Beruf in einer Männerdomäne auszuüben, wenn er sie anspreche. Man könne sich alles aneignen, ist sie überzeugt. „Ein bisschen Kraft zu haben, ist bei der Waldarbeit zwar von Vorteil, aber die Muskeln bauen sich mit der Zeit auch von alleine auf“, sagt Häbe, die selbst drei Mal die Woche ins Geräteturnen geht. Als Ausgleich zur harten Waldarbeit tauscht sie in ihrer Freizeit die Motorsäge gegen eine Klarinette.
Wie viele Bäume sie gefällt hat, weiß die 22-Jährige nicht. „Irgendwann habe ich aufgehört zu zählen“, sagt sie. Aber ihren ersten Baum, den sie selbst gefällt hat, den vergesse sie nie. Auch sonst erinnert sich die angehende Forstwirtin an viele schöne Erlebnisse im Wald. Seien es schöne Sonnenuntergänge, Tierbegegnungen oder Naturerlebnisse. Nach ihrer Ausbildung wird Häbe ein Jahr lang bei einem privaten Forstunternehmer in Dettenhausen (Kreis Tübingen) arbeiten und anschließend will sie Forstwirtschaft studieren. „Einen Fuß lasse ich aber immer im Wald“, beteuert die 22-Jährige.