Frauenstreik in Esslingen: Vor dem Esslinger Rathaus hat sich am Montagnachmittag eine größere Menge versammelt. Eindrücke von vor Ort.

Esslingen: Sebastian Xanke (xan)

Rund 200 Frauen haben am Montagnachmittag vor dem Esslinger Rathaus lautstark demonstriert. „Ein Streiktag bedeutet, wir legen die Arbeit nieder – bezahlte Arbeit dort, wo es möglich ist – aber auch unbezahlte Arbeit. Care-Arbeit, Haushalt und Organisieren: all das, was sonst selbstverständlich von uns erwartet wird“, erklärte eine der Mitorganistorinnen des Frauenstreiks, Martha Dervisi, zu Beginn der Veranstaltung um 16 Uhr.

 

Bundesweit hatte das Töchter Kollektiv zu den Demonstrationen aufgerufen, eine nach eigenen Angaben intersektional feministische Bewegung. Und so waren auch beim Streik in Esslingen nicht nur Frauen, sondern Menschen jedweder Herkunft und geschlechtlicher Identität willkommen.

Ebenfalls in der Menge: die Omas gegen Rechts. Beate Latendorf ist Teil des Vereins und war 20 Jahre lang die Frauenbeauftragte der Stadt Esslingen (1991 bis 2011). Sie sagt an diesem Montagnachmittag: „Ich hätte nicht gedacht, dass ich nochmal für Frauenrechte auf die Straße muss.“ Seit Ende der 70er Jahre stehe sie als Feministin auf der Straße – dass auch die heutige Generation Flagge zeigt, hält sie für sehr wichtig. „Es ist zwar besser geworden, was die Wahrnehmung von Frauen in der Gesellschaft betrifft. Aber vor allem Gewalt gegen Frauen ist leider noch immer sehr präsent“, so Latendorf.

Auf der Demo gab es auch einige Schilder mit Botschaften. Foto: xan

Auch ihre Nachfolgerin steht in der Menge. Jitka Sklenářová ist Beauftragte für Chancengleichheit der Stadt Esslingen. „Es ist schön zu sehen, dass die Zivilgesellschaft in Esslingen so aktiv ist“, sagt sie. Die Stimmung auf der Demonstration ist gut, es wird sich umarmt, geklatscht, zustimmend Ausgerufen. Musik und kreative Angebote werden auf dem Rathausplatz geboten – doch im Fokus stehen ernste Worte, unter anderem vom Verein Frauen helfen Frauen Esslingen. Sklenářová stellt klar: „Lohnlücke, unbezahlte Care-Arbeit, Femizide: Es braucht nicht nur Frauen, sondern auch Männer, die sich stark machen.“